Der heilige Silvester, Papst und Bekenner von Rom, + 31.12.335 - Fest: 31. Dezember

 

Recht sinngemäß wird das Fest des heiligen Silvester am Ende der weihnachtlichen Achttagefeier begangen, denn wie der heilige Ambrosius und der heilige Eusebius, so war auch Silvester ein machtvoller Verteidiger der Gottheit Christi gegen die falsche Lehre der Arianer, die dem Kind in der Krippe die göttliche Krone rauben wollten. Unter Papst Silvester fand im Jahr 325 zu Nicäa in Kleinasien die erste Allgemeine Kirchenversammlung statt, die zur endgültigen Verurteilung der arianischen Lehre führte. Damals wurde ganz klar die echte Lehre von der Gottheit Christi herausgestellt und als katholischer Glaube für ewige Zeiten festgelegt, dass Jesus Christus Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott und eines Wesens mit dem Vater ist. Wenn wir demnach in diesen Tagen vor der Krippe knien, so sind wir im innersten Herzen davon überzeugt und glauben und bekennen feierlich, dass Mariens Kind Gott gleich und Gott selbst ist. So hat auch der heilige Silvester als Schützer der Gottheit Christi einen passenden Platz an der Krippe zu Betlehem.

 

Der Umstand, dass das Fest des heiligen Silvester auf den letzten Tag des Jahres fällt, ist ferner deswegen nicht ohne Bedeutung, weil der Heilige der Jahreswende in seinem Leben an einer Zeitenwende stand. In der Jugend hat Silvester noch die neunte und im Mannesalter die letzte und blutigste römische Christenverfolgung erlebt. Als er Papst wurde, war der Sieg des Christentums über das Heidentum entschieden. Christus war in dem dreihundertjährigen Streit unbestrittener Sieger geblieben, wie er überhaupt bis zum Ende der Welt in allen Kämpfen Sieger sein wird, denn er ist unüberwindlich stark und überdauert alle Gegner bis in Ewigkeit. Diese Tatsache muss uns am Ende des Jahres den katholischen Rücken straffen, und wenn selbst die ganze Welt in Trümmer gehen sollte, auf den Trümmern erstände verjüngt und neu gekräftigt die katholische Kirche, die auch von den Pforten der Hölle nicht überwältigt wird.

 

Der Silvestertag bildet ferner den Jahresschluss. Wieder ist heute ein Jahr vorüber. Zwölf Monate, zweiundfünfzig Wochen, dreihundertfünfundsechzig Tage sind an uns vorbeigerast wie ein Wolkenschatten auf der Heide, wie ein Schiff, das im Wasser keine Wegspur zurücklässt. Geradeso wird es im neuen Jahr weitergehen, denn die Zeit steht niemals still, und einmal wird auch in unserem Leben der letzte Tag anbrechen. Täglich sterben hunderttausende Menschen. Damit man sich ein Bild von der Zahl machen kann, stelle man sich vor, alle fünf Minuten führe ein langer, vollbesetzter Zug in die Ewigkeit ab. An unserem Sterbetag müssen auch wir in einen der Ewigkeitszüge einsteigen. Himmel, Fegfeuer und Hölle sind die Stationen, an denen der Zug hält. Die Fahrkarte schreiben wir uns selbst durch die guten und durch die bösen Werke, die wir tun. Man schaue also einmal nach, welche Station in diesem Augenblick auf der Fahrkarte steht. Sollte etwa Station Hölle darauf stehen, so lässt man am besten die Karte tunlichst bald im Beichtstuhl umschreiben. Es könnte nämlich sein, dass wir bereits in den nächsten Tagen abreisen müssen. So ernst sind die Gedanken, die sich am Jahresende dem besinnlichen Menschen aufdrängen.

 

Der heilige Silvester schließt das Jahr ab. Es ist das allerdings nur scheinbar der Fall, denn eine Legende ist wie ein Ring, der keinen Anfang und kein Ende besitzt. Da löst ein Tag den anderen ab, und ein Jahr reicht dem nächsten die Hand. So werden wir morgen also von vorn beginnen, und wieder werden uns die Heiligen das neue Jahr entlang begleiten, schützend und führend, aufmunternd und helfend, leicht und sicher, treu und tapfer.