Der heilige Silverius, Papst und Martyrer auf der Insel Ponza, Italien, + 20.6.537 - Fest: 20. Juni

 

Da lebte um das Jahr 525 in der oströmischen Kaiserstadt Konstantinopel eine gewisse Theodora, die Tochter eines Pferdeknechtes, die den Beruf einer Zirkuskünstlerin ausübte. Zwar sprach man nicht gut von ihrem Lebenswandel, aber niemand konnte abstreiten, dass sie eine Schönheit war. Wenn sie hoch zu Ross als Kunstreiterin durch den Zirkus ritt, blieben alle Augen an ihr hängen. Kurzum, der Kaiser verliebte sich in die Schauspielerin, heiratete sie, und Theodora saß mit goldener Krone auf goldenem Thron.

 

Bald zeigte es sich, dass die Kaiserin Theodora außer der körperlichen Schönheit noch andere, durchaus nicht gute Eigenschaften besaß, denn sie war ehrgeizig, falsch und rachsüchtig, ein vollendeter Ränkeschmied. In alles pfuschte sie hinein, und als der Erzbischof von Konstantinopel starb, wollte sie mit allen Mitteln einem ihrer Günstlinge mit Namen Anthimus die Stelle des Verstorbenen verschaffen. Dazu war dieser Anthimus auch noch ein Irrgläubiger.

 

In Rom war eben damals im Jahr 536 Silverius Papst geworden, und als man ihn um die Bestätigung des neuen Erzbischofs von Konstantinopel anging, sagte er selbstverständlich nein. Die Ablehnung war sein Recht, die gekränkte Theodora aber setzte sogleich gegen das päpstliche Recht die kaiserliche Gewalt ein. In einem Schreiben beauftragte sie den kaiserlichen Feldherrn in Italien, der Belisar hieß, den Papst unter irgendeinem Vorwand zu verhaften und aus Rom zu entfernen, und weil Belisar nicht genügend Rückgrat besaß und die Kaiserin mehr fürchtete als Gott, gab er sich leider zu dem Verbrechen her. Zunächst legte er dem Papst nahe, er solle abdanken, und als sich Silverius weigerte, ließ Belisar gefälschte Briefe mit hochverräterischen Inhalt anfertigen, und auf diese Briefe hin wurde der Papst verhaftet, man riss ihm die Zeichen der hohepriesterlichen Würde vom Leib, führte ihn heimlich aus Rom, schaffte ihn auf ein Schiff und brachte ihn nach Kleinasien in die Verbannung.

 

Von dort schrieb Silverius in einem Brief: „Ich nähre mich mit dem Brot der Trübsal und mit dem Wasser der Bedrängnis, aber ich bin meiner Pflicht nicht untreu geworden und werde es nie sein.“ So schrieb er. Silverius war also kein Mietling, sondern ein guter Hirt der Herde Christi. Alle Leiden, die er in der Verbannung zu erdulden hatte, hätte er mit einem einzigen Wort beenden können, wenn er nämlich zu dem neuen Erzbischof von Konstantinopel sein Ja sagte. Das Wort „Ja“ wird nur aus zwei Buchstaben gebildet, aber der aufrechte Bekenner hat die beiden Buchstaben nicht ausgesprochen, weil sie gegen seine Hirtenpflicht verstießen. Lieber ging Silverius in den Tod, den er, von Entbehrungen aufgerieben, im gleichen Jahr noch erduldete. Es war ein natürlicher Tod, trotzdem feiert die Kirche mit Recht das heutige Fest des Heiligen als das eines Martyrers.

 

Was aber geschah mit Theodora und Belisar?

 

Theodora besserte sich gegen Ende des Lebens, verblieb aber hartnäckig im Irrglauben und starb daher im Kirchenbann. Es war ein böser Tod.

 

Von Belisar dagegen heißt es, dass er später das Verbrechen gegen Papst Silverius bereute. Er soll sogar in Rom zur Sühne für sein Vergehen eine Kirche erbaut haben. Das scheint ihn aber nicht vor Gottes Strafgericht gerettet zu haben, denn es steht fest, dass er beim Kaiser in Ungnade fiel. Es wird ferner berichtet, dass man ihm die Augen ausgestochen hatte und dass er als armer blinder Mann in den Straßen Roms sein Brot erbettelte. Gotten Mühlen mahlen langsam, aber fein, und wenn er auch manchmal lange aufschreibt, zuletzt rechnet er ab. Es ist daher nicht ratsam, sich an den Gesalbten des Herrn, an Papst, Bischöfen und Priestern, zu vergreifen.

 

Die Nutzanwendung aus der heutigen Legende besteht daher in der Mahnung, die geistliche Obrigkeit zu ehren und viel für sie zu beten, dass sie alle wie Papst Silverius treu die heiligen Pflichten erfüllen.