Der heilige Servatius, 10. Bischof von Tongern und Maastricht, + 13.5.384 - Fest: 13. Mai

 

Vom heiligen Servatius, Bischof von Tongern, wird erzählt, dass er den heiligen Athanasius, als der vom Kaiser nach Gallien verbannt worden war, ehrenvoll aufnahm und dem Verfolgten großmütig alle Beihilfe angedeihen ließ; ferner, dass er auf dem Konzil von Sardica (347) einen heiligen Eifer für den Glauben der Kirche bewies. Er war auch unter der Zahl der auf Befehl des Kaisers Constantius zu Rimini versammelten Bischöfe und widersetzte sich mit aller Kraft dem Streben der Arianer. Da sich die rechtgläubigen Bischöfe durch ein verfängliches Glaubensbekenntnis von den Irrlehrern hatten hinters Licht führen lassen, versuchte Servatius nach Kräften den Fehler wieder gut zu machen und den Übeln vorzubeugen, die daraus entspringen konnten. Seinem Gebet, seiner liebreichen, zum Herzen dringenden Belehrung gelang es, gar viele der Verführten wieder mit der Kirche zu vereinigen.

 

Wie der heilige Gregor von Tours schreibt, sagt Servatius den Einfall der Hunnen in Gallien vorher und versuchte den göttlichen Zorn durch Wachen, Fasten, Tränen und Gebete zu besänftigen. Bald darauf erschienen die Barbaren wirklich am Rhein, und es war kein Heer da, welches das Land gegen ihre furchtbare Macht hätte beschützen können. In dieser Not versammelten sich die Bischöfe und Edlen Galliens, einen heiligen Mann zum Grabe der Apostelfürsten in Rom zu entsenden, damit er ihre Fürbitte für das bedrohte Vaterland erflehe. Die Wahl fiel auf Servatius, der sich der weiten und gefahrvollen Reise bereitwillig unterzog. Der eilige betete drei Tage und Nächte in der Kirche der Apostel, ohne zu essen und zu trinken oder sonst wie seinem Körper eine Erholung zu gönnen. Schließlich übermannte den Übermüdeten der Schlaf, und nun sah er im Traum einen strahlenden Thron, auf dem Christus selbst sich niederließ, umgeben von den Chören der Engel. Zu den Füßen des Heilandes knieten die Apostel Petrus und Paulus und schienen den Herrn inständigst zu bitten. Nach einiger Zeit erhob sich Petrus, ging zu Servatius heran und sprach: „Mann Gottes, warum hörst du nicht auf, mich zu drängen? Wisse, dass der Herr unabänderlich beschlossen hat, Gallien und andere Länder den Heiden preiszugeben, als Strafe für die Sünden der Christen, die zu ihm gen Himmel riefen. Kehre heim, bestelle dein Haus und lass dein Grab bereiten, denn deine Augen werden die Verheerungen nicht mehr schauen, die über Gallien hereinbrechen. Die Stadt Maastricht wird Gott deinetwegen verschonen, damit du Ruhe im Grab haben sollst.“

 

Dem göttlichen Willen demütig sich ergebend, trat Servatius ungesäumt die Rückreise nach Tongern an, kündete den Seinigen mit tränenden Augen das Gericht Gottes an, damit sie zu ernstlicher Buße bewegt würden, und traf sodann alle Anstalten zu seiner Grabesfahrt nach Maastricht. Geistlichkeit und Volk kamen zu ihm und baten wehklagend: „Heiliger Vater, verlass uns doch nicht, da der Feind vor der Tür ist!“ Servatius aber verwies sie auf den Ausspruch Gottes und ging nach Maastricht, wo er kurz vor dem Einfall der Hunnen selig entschlief. Das römische Martyrologium sagt, dass der Schnee, wenn er zur Winterszeit ringsum das Land einhüllte, doch niemals den Grabhügel des Heiligen bedeckte. Dieses Wunder konnte man lange Jahre sich wiederholen sehen, bis endlich eine Kirche über der Stätte erbaut wurde. Tongern wurde von den Hunnen so gänzlich zerstört, dass es nie wieder zu seinem alten Glanz sich erhob, während Maastricht verschont blieb, so dass die Nachfolger des heiligen Servatius fortan hier ihren bischöflichen Sitz nahmen.