Der heilige Serapion, der Sindonite, Einsiedler in Ägypten, + um 388 - Fest: 21. März

 

Serapion mit dem Beinamen Sindonite von einer Art leinenen Schärpe, mit welcher er seinen Leib bedeckte, wurde in Ägypten geboren. Seine Lebensweise war außerordentlich streng. Seine verschiedenen Reisen verminderten nicht im Geringsten jenen Geist der Demut, der Abtötung und Sammlung, die ihm zu einer heiligen Gewohnheit geworden waren. Gerührt durch den elenden Zustand eines heidnischen Gauklers, bediente er sich, um dessen Bekehrung nicht zu verfehlen, eines Mittels, das großen Eifer und glühende Nächstenliebe voraussetzte. Er verkaufte sich ihm als Sklave für zwanzig Silberlinge. Die genaue Verrichtung der Dienste ließ ihm immer noch Zeit übrig, um sich dem Gebet und der Betrachtung zu widmen. Wasser und Brot machten seine ganze Nahrung aus. Endlich brachten seine Reden und Beispiele die Wirkung hervor, die man natürlich davon erwarten musste. Der Gaukler bekehrte sich mit seiner Familie und entsagte seinem leidigen Gewerbe. Er wollte nicht mehr dulden, dass Serapion sein Sklave bleibe und gab ihm aus Dankbarkeit die Freiheit, konnte ihn aber nicht dazu bewegen, dass er die von ihm empfangenen zwanzig Silberlinge entweder zu seinem Gebrauch oder für die Armen zurückbehielte.

 

Einige Zeit nachher verkaufte sich der Heilige abermals selbst, um eine arme Witwe mit dem Erlös zu unterstützen. Sein neuer Meister war mit seinem Dienst so zufrieden, dass er ihn frei gab. Er schenkte ihm sogar ein Kleid, einen Oberrock und ein Evangelienbuch. Kaum hatte Serapion das Haus verlassen, als er einem Armen begegnete und ihm das Kleid hingab. Eine Strecke weiter stieß er auf einen zweiten Armen, der dem Frost beinahe erlag. Diesen bedeckte er mit seinem Oberrock, so dass ihm zu seiner eigenen Kleidung nur noch ein Stück Leinwand übrig blieb. Als ihn jemand fragte, wo seine Kleider hingekommen waren, erwiderte er: „Dieses da“, in dem er auf das Evangelienbuch hindeutete: „Dieses da, hat mich der Kleider beraubt.“ Auch dieses Buch blieb nicht lange sein Eigentum, er verkaufte es, um damit eine in das äußerste Elend geratene Person zu unterstützen; und als man ihn zur Rede stellte, was er damit gemacht habe, gab er zur Antwort: „Solltet ihr`s wohl glauben? Es kam mir vor, als hörte ich beständig das Evangelium mir zurufen: Gehe hin und verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen. Daher habe ich mein Buch verkauft und habe den Ertrag davon den Gliedern Jesu Christi, die ich in Bedrängnis sah, gegeben.“

 

Serapion, der nichts mehr hatte als sich selbst, verkaufte sich noch mehrere Male, um den geistlichen und leiblichen Bedürfnissen seiner Brüder abzuhelfen. Unter denjenigen, in deren Sklavendienst er trat, war auch ein Manichäer, der in Lazedemon wohnte. Er hatte das Glück, diesen mit seiner ganzen Familie in den Schoß der wahren Kirche zurückzuführen. Die merkwürdige Lebensgeschichte des heiligen Serapion machte auf den heiligen Johannes, Patriarch zu Alexandrien, mit dem Beinamen Almosengeber, einen solchen Eindruck, dass er seinen Hausverwalter zu sich berief und ihm mit weinenden Augen sagte: „Ach!, wir würden sehr unrecht haben, wenn wir uns rühmten, dass wir unsere Güter den Armen austeilen. Hier ist ein Mann (der heilige Serapion), der ein Mittel herausgefunden hat, sich selbst zu verkaufen für sie, und zwar mehrere Male.“

 

Serapion ging von Lazedemon nach Rom, um sich nach den erhabenen Tugendbeispielen, die in dieser Stadt leuchteten, zu vervollkommnen. Danach kehrte er nach Ägypten zurück und starb daselbst in der Einöde in seinem sechzigsten Lebensjahr. Sein Tod ereignete sich kurz vor der Zeit, wo Palladius die Einsiedler Ägyptens besuchte, das heißt, kurz vor dem Jahr 888. Serapion