Der heilige Sadoth und seine 128 Gefährten, Bischof und Martyrer von Seleucia, + 20.2.342 - Fest: 20. Februar

 

Einen ergreifenden Einblick in die Leidensgeschichte der persischen Christen gewährt der alte Marterbericht vom heiligen Sadoth und seinen 128 Gefährten. König Sapor II., der von 310 bis 380 regierte, wollte das Perserreich in seiner alten Größe wiederherstellen. Kein Mittel erschien ihm geeigneter als die Anhebung des Sonnendienstes und der Krieg gegen die Grenznachbarn die Römer. Eine blutige Christenverfolgung war die unmittelbare Folge davon. Sie richtete sich besonders gegen Geistliche, Mönche und Nonnen. Am 13. April 344 wurde der greise Bischof von Seleucia und Ktesiphon, Simon Bar Sabbae, mit mehr als 100 Gefährten glorreich vollendet. Schon ein Jahr darauf kam die Reihe an seinen Nachfolger. Der alte Marterbericht erzählt hierüber folgendes:

 

Sadoth, der an Stelle Simons in den Städten Seleucia und Ktesiphon Bischof geworden war, sah eines Tages ein wunderbares Gesicht. Voll Staunen berief er seine Priester und Diakone, die sich verborgen hielten, und sprach: „Ich sah heute in nächtlichem Gesicht eine prächtige Leiter, die von der Erde bis zum Himmel aufgerichtet war. An ihrer Spitze stand der selige Simon in großer Herrlichkeit. Ich aber stand unten auf der Erde. Er rief mir in großer Freude zu: `Steige herauf, Sadoth, steige herauf zu mir und fürchte dich nicht! Ich stieg gestern herauf, du steigst heute herauf.´ Das bedeutet, dass er im vergangenen Jahr getötet wurde und ich in diesem getötet werde.“ Sadoth ermutigte sie mit den Worten des Apostels und sprach: „Seid stark im Herrn und in der Festigkeit seiner Kraft. Ziehet an die Rüstung Gottes. Denn durch diese Dinge erscheint ihr den Menschen als Leuchtende und durch das Wort des Lebens seid ihr behütet. Lasst uns also nicht fürchten und zittern vor dem uns bevorstehenden Tode. Wer stirbt, kämpft als Held, und wer lebt, erscheine tapfer. Denn für Christus und unsere Wahrheit werden wir getötet. Solange das Schwert gezückt ist, kommt, lasst uns eifrig sein. Solange das Schwert glänzt, kommt, lasst uns Geschäfte machen. Bis die Sonne aufgeht in der Nacht, lasst uns wandern zu den Wohnungen des Reiches. Namen und Ruhm in Ewigkeit gewinnen wir, und den kommenden Geschlechtern lassen wir große Ruhmestaten zurück.“ Außerdem sprach er: „Betet, dass die Bedeutung des Gesichtes sich rasch erfülle. Wie ersehnt ist die Ankunft des Todes für den, der geistig lebt; wie furchtbar aber und schrecklich ist seine Kunde für den, der fleischlich wandelt. Die Eifrigen folgen ihm, um das Leben zu erlangen, die Lässigen sehen ihn und verbergen sich. Die Gottliebenden gehen zu Gott; die die Welt lieben, bleiben in der Welt. Der eine geht in die Freuden, der andere in die Peinen.“

 

Im zweiten Jahr unserer Verfolgung war der König in Seleucia. Da wurde der herrliche Sadoth ergriffen, dessen Name „Freund des Königs“ bedeutet. Er liebte nämlich den himmlischen König wahrhaft aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft. Er war lauter und rein, wahrhaftig und heilig, und seinem Vorgänger, dem heldenmütigen seligen Simon gleich.

 

Mit ihm wurden aus den Städten, wie aus den Dörfern und Ortschaften der Umgebung 128 Priester, Diakone, Mönche und Nonnen ergriffen. Alle wurden in Ketten geworfen und in einem harten, bitteren Gefängnis fünf Monate lang eingeschlossen. Man befragte sie drei Mal und brachte sie in böse Folter und harte Schrauben, damit sie die Sonne anbeteten, indem man ihnen im Auftrag des Königs sagte: „Wenn ihr meine Befehle tut, sollt ihr nicht sterben.“ Der selige Sadoth antwortete aus dem Munde aller: „So antwortet dem, der euch gesendet: Wir stehen in einer Kraft, einer Wahrheit, einem Willen, und in einem Glauben verkünden wir einen Gott, und ihm dienen wir mit ganzer Seele. Aber die Sonne, die er geschaffen und gemacht hat, beten wir nicht an. Das Feuer, das er uns zum Dienst gab, verehren wir nicht. Deinem bösen Befehl gehorchen wir nicht mit Übertretung unseres guten Befehls, und wegen deiner Drohungen werden wir unserem Gesetz nicht untreu. Du hast das Schwert, wir den Nacken. Du hast den Tod, wir das Leben. Verzögere unsere Hinrichtung nicht einen Tag. Warte nicht eine Stunde, unser Blut zu vergießen. Denn deine Langmut verdirbt, die sich ihr fügen.“ Als das alles dem König gemeldet wurde, sandte er ihnen folgende harte Antwort: „Wenn ihr meinen Befehlen nicht gehorcht, so kommt sofort die böse Stunde eures Verderbens über euch!“

 

Die Heiligen antworten einstimmig: „Wir gehen unserem Gott nicht zugrunde, noch sterben wir seinem Christus. Er wird uns zu neuem Leben erwecken und im Himmelreich erneuern. Bringt nunmehr euren Tod, wie er auch immer sei. Denn wir sind bereit, tapfer für unseren Gott zu sterben. Wir beten nicht die Sonne an, noch gehorchen wir eurem Befehl, der die Seelen der Kinder Gottes tötet!“

 

Danach wurden sie zur Hinrichtung hergerichtet und zum Tod bereitet, weil das Urteil des Schwertes über alle gleichmäßig ergangen war. Die Henker mit den Beamten des Königs führten sie in Ketten aus der Stadt zum Tode. Die Seligen aber psallierten mit einmütiger und froher Stimme: „Richte, o Gott, unser Gericht und fordere unsere Rache von dem erbarmungslosen Volk und erlöse uns von den Blutvergießern und Betrügern“ und so fort (Psalm 42).

 

Und als sie an den Richtplatz kamen, sprachen sie: „Gepriesen sei Gott, der uns diese Krone gab, auf die wir schauten, und der uns dieses Erbe, das wir begehrten, nicht vorenthielt! Gepriesen sei sein Christus, der uns nicht in dieser Welt ließ, sondern uns rief und vor sich stellte in der Versöhnung unseres Blutes!“ Und das Lob erstarb nicht in ihrem Mund, bis der letzte von allen getötet war.

 

Die Herrlichen wurden am 20. Februar getötet. Den seligen Sadoth brachte man in seinen Ketten nach Bet Lapat in Bet Huzaje. Dort wurde er enthauptet und in Christus, seinem Vertrauten, gekrönt.