Der heilige Sabas, der Gote, Märtyrer der Walachei, + 12.4.372 - Fest: 12. April

 

Nichts erhärtet augenscheinlicher die Göttlichkeit der christlichen Religion, als die Art, wie sie in die Welt eingeführt wurde. Aller menschlichen Hilfe beraubt, besiegte sie die vereinigten Kräfte der Afterweisen und Heidenfürsten. Die wildesten Völker, die den Römern allzeit gram gewesen waren, schienen durch ihren Hass gegen die Jünger Jesu sich nun mit ihnen zu befreunden. Allein auch sie sah man unter das Joch des Glaubens sich beugen. Unter den Barbaren, die die heilige Taufe empfingen, waren die Goten nicht die minder ausgezeichneten, ja mehrere sogar besiegelten durch das Blut ihren Glauben. Da ihr König Athanarich die Zahl der Gläubigen jeden Tag sich mehren sah, fachte er das Feuer einer heftigen Verfolgung an, gegen alle jene Untertanen, die dem Christentum ergeben waren. Die Erfahrung lehrte ihn aber, dass die wahren Gläubigen über alle Schrecknisse der Peinen erhaben sind, und nichts imstande ist, ihrem Herzen den Glauben zu entreißen. Man kennt weder die Zahl noch die Namen der meisten Goten, die bei dieser Gelegenheit mit dem Märtyrertod gekrönt worden sind. Die Griechen verehren deren 51 in ihrem Menologium. Die berühmtesten unter diesen tapferen Kämpfern Jesu Christi sind der heilige Nicetas und der heilige Sabas.

 

Der Zweite, von Geburt ein Gote, war schon in seinen Kindesjahren zum Christentum bekehrt worden. Er war von jeher ein Muster des Gehorsams, der Sanftmut, der Demut und der übrigen Christentugenden gewesen. Er war gegen jedermann leutselig, doch mit Würde, offenherzig, ein Feind der Verstellung und Heuchelei, unerschrocken, zurückgezogen, ein Liebhaber des Friedens und der Stille, dennoch aber voll Eifer und Tatkraft, wenn es die Ehre der Religion betraf. Sein größtes Vergnügen war die Altäre zu zieren, und in der Kirche das Lob des Herrn zu besingen. Seine Liebe zur Keuschheit hielt ihn von aller Gesellschaft mit Frauen entfernt, und niemals unterhielt er sich mit ihnen, als wenn ihn die Notwendigkeit dazu zwang. Oft brachte er ganze Tage und Nächte im Gebet zu, sein Leben war eine beständige Übung der Abtötung. Er vermied mit größter Sorgfalt die eitle Ehre, und suchte andere durch Wort und Tat zur Tugendliebe anzufeuern. Unaufhörlich brannte in ihm ein heftiges Verlangen, Jesus Christus in allen Dingen zu verherrlichen.

 

Die Befehlshaber und die Vornehmsten unter den Goten waren Heiden, und bestrebten sich, die christliche Religion zu vertilgen. Die Verfolgung begann damit, dass man die Gläubigen zwingen wollte, von dem Fleisch, das den Götzen geopfert worden war, zu essen. Einige Abgötterer, die mit Christen verwandt und ihnen das Leben zu erretten gesonnen waren, kamen auf den Gedanken, ihnen durch die Trabanten des Königs, die sie gewonnen hatten, gewöhnliches Fleisch, dass nicht geopfert worden war, vorstellen zu lassen. Sabas verschmähte diesen unwürdigen Kunstgriff: nicht nur aß er nichts von diesem untergeschobenen Fleisch, sondern erklärte noch öffentlich, er würde alle jene Gläubigen, die davon äßen, nicht mehr als Christen ansehen. Durch diesen Heldenmut hielt er viele zurück, dass sie nicht in diese Schlinge fielen. Andere, die seinen Eifer für überspannte Strenge ansahen, jagten ihn aus dem Städtchen, das er bewohnte, riefen ihn aber anschließend wieder zurück.

 

Im folgenden Jahr entflammte aufs neue die Verfolgung, und es kam ein königlicher Beamter in den Wohnort des Heiligen, um die Anbeter Jesu Christi aufzuschreiben. Als etliche Einwohner sich erboten, auf die Opfergaben zu schwören, dass keine Christen unter ihnen seien, trat Sabas hervor, und sagte denjenigen, die den Eid ablegen wollten: Niemand schwöre für mich, denn ich bin Christ.“ Der Beamte stand indessen nicht von der Eidesforderung ab, worauf die Vornehmsten des Ortes alle Bekenner alle Bekenner des Christentums verbargen, und schwuren, dass sich nur ein einziger Christ im ganzen Städtlein befände. Der Beamte befahl, er solle sich stellen, und Sabas trat mit männlicher Kühnheit hervor. Als er sich nach seinem Vermögen erkundigt, und vernommen hatte, dass er nichts als das Kleid am Leibe besäße, verachtete er ihn, und sah ihn als einen unbedeutenden Menschen an, der weder Gutes noch Böses stiften könnte.

 

Gegen Ostern des Jahres 372 brach die Verfolgung abermals aus, und der Bekenner sann auf Mittel, wie er diesen Festtag zu begehen vermöchte: da kam ihn in den Sinn, einen Priester namens Gutthika, der eine andere Stadt bewohnte, aufzusuchen. Unterwegs aber wurde ihm wunderbarer Weise angedeutet, er solle zurückkehren an den Ort, wo er hergekommen war, und da mit dem Priester Sansala das Osterfest feiern. Drei Tage nach der Feier kam Atharid, der Sohn eines Gewaltigen des Landes, während der Nacht mit bewaffneter Mannschaft in den Flecken, stürmte in die Behausung des Priesters Sansala, der arglos schlief. Er ergriff ihn und warf ihn mit Ketten beladen auf einen Wagen. Sabas wurde ebenfalls aus dem Bett gerissen, und man gestattete ihm nicht einmal, mit seiner Kleidung sich zu bedecken. Die Soldaten schleppten ihn ganz nackt durch Hecken und Dornen, und zerfleischten mit unmenschlichen Geißelhieben und Streichen seinen Körper (Die Alten lagen damals nackt im Bett und breiteten das Gewand nachts über sich als Decke.).

 

Bei Tagesanbruch sagte der Heilige seinen Verfolgern: „Habt ihr mich nicht durch Hecken und Dornen geschleift? Seht da, ob ihr den mindesten Ritz an meinen Füßen gewahrt, und ob die Streiche, die ihr mir gegeben habt, auf meinem Körper nur eine Beule zurückgelassen haben.“ Da die Heiden keine Spur ihrer Grausamkeit wahrnahmen, gerieten sie noch desto mehr in Wut. Sie nahmen daher eine Achse vom Wagen, legten sie ihm an den Hals, und banden an die beiden Enden derselben dessen Hände, an die andere Achse die Füße. In dieser schmerzlichen Lage peinigten sie ihn fast die ganze folgende Nacht hindurch: da sie aber eingeschlafen waren, band die Frau, bei der sie ihr Nachtlager genommen hatten, den Diener Gottes los. Er wollte nicht die Flucht ergreifen, obgleich er es ohne Hindernis hätte tun können, sondern blieb bei der Hauswirtin, und half ihr das Essen für die Dienstboten bereiten.

 

Als die Nacht vorüber war, ließ ihm Atharid die Hände auf den Rücken binden, und an einem Balken des Hauses aufhängen. Danach brachte man ihm wie auch dem Priester Sansala Opferfleisch. Allein sie weigerten sich beide, davon zu essen. „Dieses Fleisch“, sagte Sabas, „ist unrein und unheilig, wie derjenige, der es uns schickt“. Einer seiner Sklaven des Atharid schlug ihm, durch diese Worte erzürnt, mit einer Mörserkeule mit solcher Wut auf die Brust, dass die Anwesenden ihn für tot hielten. Sabas aber sprach zu dem Täter: „Du meinst wohl, du hättest mich getötet? Ich versichere dich, dass ich ebenso wenig Schmerz verspürt habe, als wenn du mir einen Wollepflocken auf die Brust geworfen hättest.“ Atharid erhielt Kunde von allen diesen wunderbaren Ereignissen, war aber nicht gerührt, er befahl im Gegenteil, dass Sabas getötet werden soll.

 

Den Priester Sansala befahl er freizulassen. Sabas aber wurde an das Ufer des Musäus geführt (Massovo in der Walachei), um da ersäuft zu werden. Von heiliger Freude durchdrungen, pries er Gott, und dankte ihm, dass er gewürdigt wurde, für die Ehre seines Namens zu leiden. Indes sagten die Soldaten, die ihn führen mussten, unter sich: „Dieser Mensch ist unschuldig. Warum geben wir ihn nicht frei? Atharid wird nichts davon erfahren.“ Sabas, der sie also reden hörte, sagte ihnen: „Wozu alle diese Reden? Tut geschwind, wie euch befohlen wurde. Auf der anderen Seite des Stroms sehe ich, was ihr nicht erschauen könnt. Ich sehe die, die meine Seele aufnehmen sollen, um sie ins Reich der Herrlichkeit einzuführen. Sie erwarten nur den Augenblick, wo sie von meinem Körper getrennt wird.“ Die Soldaten ergreifen ihn daher, binden ihm die Achse an den Hals, und werfen ihn in die Fluten. Indem er so durch das Wasser und das Holz starb, bemerkt der Verfasser seiner Akten, drückte er, durch diese doppelte Todesart, die zwei Zeichen des Menschenheils aus, nämlich die Taufe und das Kreuz. Sein Märtyrertod ereignete sich am 12. April 372, unter der Regierung der Kaiser Valentinian und Valens.

 

Die Soldaten zogen seinen Leichnam hernach aus dem Wasser, und ließen ihn unbeerdigt am Strand liegen. Allein die dortigen Christen fanden ein Mittel, die Raubtiere davon abzuhalten.

 

Junius Soranus, Befehlshaber von Scythien, ein großer Diener Gottes, ließ ihn abholen und schickte ihn nach Cappadocien, in sein Vaterland. Er begleitete diese Sendung mit einem Brief der Kirche von Gotland an die von Cappadocien, indem man die Geschichte des Märtyrertums des heiligen Sabas findet, und der folgendermaßen schließt: „Ermangelt nicht, an dem Tag, an dem der glückselige Blutzeuge gekrönt wurde, das Opfer darzubringen. Berichtet dies euren anderen Brüdern, damit in der ganzen katholischen und apostolischen Kirche gelobt und gepriesen werde der Name des Herrn, der einen seiner Diener verherrlicht hat.“ Der heilige Sabas steht in den Martyrologien der Griechen und der Lateiner.

 

Die Blutzeugen haben nur darum die Qualen und den Tod verachtet, weil ihnen allzeit die unaussprechliche Himmelswonne vor Augen schwebte. Würde der Anblick dieser Glückseligkeit den gehörigen Eindruck auf unsere Seelen machen, o so müssten wir gewiss mit regerem Eifer auf der Bahn der Tugend wandeln. Als ein Mönch der Vorzeit bei seinem Abt sich beklagte, es ekle ihn die Einöde an, erwiderte ihm dieser: „Dein Ekel rührt daher, weil du weder an die Freuden des Himmels, noch an die Qualen der Hölle denkst. Würdest du dieser gedenken, so möchtest du wohl nicht in Missmut und Lauigkeit geraten. Unsere Hauptbeschäftigung hienieden, sagt der heilige Augustinus, besteht darin, dass wir das himmlische Vaterland, in das wir bald aufgenommen werden, nimmer aus den Augen verlieren. Zwar kann man nicht leugnen, dass man auf dieser Bahn auf manche Leiden stoßen wird. Allein sie werden mit einer ewigen Ruhe vertauscht werden. Der sicherste Antrieb zur unverdrossenen Arbeit ist die Erinnerung an die Belohnungen. Dem Winzer würde der Mut entsinken, wenn er keinen Lohn seiner Mühen hoffte. Alles, was wir tun oder leiden können, wird uns wie ein Nichts vorkommen, wenn wir es mit der Krone vergleichen, die unser im Himmel harret. Ja wir werden noch erstaunen, dass wir so viel für so wenig erhalten.“