Die gottselige Renata, Herzogin von Bayern, + 22.5.1602 – Fest: 22. Mai

 

In der Zeit des allgemeinen kirchlichen Niederganges und politischer Wirrnisse hatte Bayern das Glück, tugendhafte und charakterfeste Fürsten zu besitzen. Herzog Wilhelm V., der 1579 zur Regierung kam, führt mit Recht den Beinamen der Fromme. Von väterlicher Liebe für seine Landeskinder beseelt, bewirtete er täglich zwölf der ärmsten Leute an seiner Tafel, versorgte jedes Jahr 72 Arme mit Kleidern und gab allen Dürftigen Arzneien und Lebensmittel, so viel er konnte. Als er 1598 freiwillig von der Herrschaft zurücktrat, lebte er heilig und abgeschieden wie ein Kartäuser. Von ihm und seinem Sohn, dem Kurfürsten Maximilian, konnte der Erzbischof Antonius von München 1880 beim Wittelsbacher Jubiläum mit vollem Recht sagen, dass sie eine die gewöhnlichen Grade weit überragende Frömmigkeit besaßen.

 

Die Gemahlin Wilhelms des Frommen, die Mutter des großen Kurfürsten, Renata, geborene Herzogin von Lothringen, führt öfters die Bezeichnung „selig“. Indessen hat die Kirche nicht über sie geurteilt. Wir müssen ihr aber nachrühmen, dass sie ein Muster heiligen Lebens gewesen ist.

 

Als Kind war Renata immer kränklich, und selbst die Ärzte hatten alle Hoffnung auf eine Wiedergenesung aufgegeben. Da nahm sie ihre Zuflucht zu höherer Hilfe. Sie gelobte eine Wallfahrt nach Loretto in Oberitalien. Darauf verfiel sie in einen todesähnlichen Schlummer. Die ersten Worte, die sie nach ihrem Erwachen sprach, waren „Gloria tibi, Domine!“ (Ehre sei dir, o Herr!) Die Krankheit war vorüber. Sie war und blieb von nun an gesund. Sie beschloss nun das ihr von Gott so wunderbar geschenkte Leben ganz zu seiner Ehre zu verwenden. Nie ließ sie das Ziel aus den Augen und sich stets nur vom Geist Gottes leiten, der in reinen Seelen seine Wohnung hat. Noch Jungfrau, verbreitete sie allenthalben den Glanz ihrer Tugenden und Gottseligkeit.

 

Im Jahr 1568 vermählte sich Renata, die Würde und Anmut und reiche Talente auszeichneten, mit Herzog Wilhelm von Bayern. Einer der ausgezeichnetsten Kirchenfürsten jener Zeit, Kardinal Otto von Truchseß, Bischof von Augsburg, hatte die Ehe unter großer Feierlichkeit eingesegnet. Die Pracht dieser Feier wurde mehrfach besungen und beschrieben. Sie sollte dem Bayernland zu neuem Segen gereichen. Die gottselige Herzogin wurde Mutter von zehn Kindern, von denen besonders zwei weittragenden und wohltätigen Einfluss auf ihre Zeitgenossen ausübten und die größten Verdienste um den katholischen Glauben sich erwarben: Kurfürst Maximilian und Herzogin Magdalena.

 

Diese Prinzessin Magdalena, das letzte Geschenk der frommen Ehe Renatens, tat sich vor allen Kindern durch eine besondere Frömmigkeit hervor. Vorzüglich erzogen – ein Verdienst der Eltern – sprach sie nicht nur geläufig Latein, sondern hatte auch Fertigkeit im Italienischen, Spanischen und Französischen. In Gottes Vorsehung war es gelegen, dass diese treu-katholische Fürstin die Gemahlin eines protestantischen Regenten, des Herzogs Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg, aus der älteren Wittelsbacher Linie wurde. Vor ihrer Vermählung hatte Magdalena eigenhändig das katholische Glaubensbekenntnis niedergeschrieben und trug es stets als Urkunde ihrer Glaubenstreue bei sich. Unablässiges Gebet um die Rückkehr ihres Gemahls zur Mutterkirche, ihr eigenes musterhaftes religiöses Leben, eifriges Forschen des Herzogs Wolfgang selber, besonders Studium des Katechismus des heiligen Petrus Canisius führten den Herzog zur Wahrheit des katholischen Glaubens. Welche Freude für die fromme, gottselige Magdalena! Als der Herr sie am 25. September 1628 abrief, hatte sie den Trost, neben ihrem Gemahl auch viele ihrer Untertanen zur katholischen Religion zurückgekehrt zu sehen, besonders in Düsseldorf und der Umgebung, das damals zu Pfalz-Bayern gehörte. Ein protestantischer Adeliger tat über Magdalena den Ausspruch: „Diese gottselige Fürstin könnte die Anrufung der Heiligen, wie sie bei den Katholiken gebräuchlich ist, gar wohl rechtfertigen. Zu ihr, die so voll Barmherzigkeit ist, könnte ich meine Zuflucht nehmen, und ich bin gewiss, dass sie mir keine Bitte versagen würde.“

 

Diese trostvollen Erfolge hatte die Mutter, die edle Renata, nicht mehr erlebt. Nachdem sie ihrem Gemahl Wilhelm so zahlreiche Nachkommenschaft gegeben und ihre mütterlichen Pflichten aufs gewissenhafteste erfüllt hatte, gelobten beide Ehegatten gänzliche Enthaltsamkeit. Dieses Gelöbnis festigte die opferfreudige, sich selbst abgestorbene Frau durch ein noch strengeres Leben, als sie es bisher schon führte. Das Wort des Apostels: „Die Christus angehören, kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierlichkeiten“ hatte sich tief ihrem Herzen eingeprägt, als sicheres Geleitwort ihres heiligen Lebens. Ihren leiblichen Bedürfnissen gönnte sie nur das Notwendigste. Sie genoss so wenig, dass die Ärzte es als ein Wunder erklärten, wie sie mit so wenig Nahrung das Leben fristen könne. Ihre ganze Zeit widmete sie den Arbeiten ihres Berufes, dem Gebet und den Werken der Barmherzigkeit. Die Unterweisung der Ihrigen geschah mit solch zärtlicher Liebe, dass sie jedermann, der sie zu hören das Glück hatte, daran erbauen musste. Im Wohltun war sie eine mitleidige, alle mit weitem Herzen umfassende Mutter der Armen. Als Vorbild hatte sie sich die heilige Elisabeth von Thüringen erwählt, diese lieblichste Erscheinung aus der Zeit des höfischen Lebens in Deutschland. Unter dem Schutz dieser Patronin gründete sie das Elisabethenspital in München, wozu sie aus ihrem eigenem Vermögen 20.000 Dukaten verwendete. Ihren Gemahl unterstützte sie in der Stiftung des Herzogsspitals, des Kranken- und Waisenhauses. Dem Herzog gleich speiste auch sie täglich zwölf arme Frauen an ihrer Tafel, sie voll Liebe und Demut bedienend, und kleidete alljährlich zweiundsiebzig Arme. Sie ging selbst zu den Kranken in die armseligen Hütten, um Zeugin der Not zu sein und um gründlich und in der rechten Art abhelfen zu können. Herzog Wilhelm sagte öfters von seiner liebe- und mitleidsvollen Gemahlin: „Will man die Liebe malen, so muss man das Porträt der Herzogin fertigen, denn in ihr sind alle vom Apostel angegebenen Eigenschaften der Liebe vereint.“

 

Wie das Leben dieser frommen Frau war auch ihr Sterben. Seit der Thronentsagung ihres Gemahls hatte sich beider Leben zu einem völlig zurückgezogenen in der Maxburg gestaltet. Obwohl die Ärzte den Gesundheitszustand Renatens für gut ansahen, sprach sie selbst von ihrem Tod als nahe bevorstehend. Um sich darauf vorzubereiten, trat sie mit Herzog Wilhelm eine Wallfahrt nach Ebersberg zu Ehren des heiligen Sebastian und dann nach Altötting zur lieben Mutter Gottes an, um Abschied zu nehmen von ihrer treuen Beschützerin im Leben und um ihr das letzte Stündlein anzuempfehlen. Und wirklich hatte die Uhr ihres Lebens schon zum letzten Schlag ausgehoben. Gerade hier, in der heiligen Kapelle, während noch die gottselige, in rührender Beharrlichkeit der Gnadenmutter ergebene Verehrerin den Dank des Herzens der Schutzherrin ihres Lebens und Landes an den Stufen des Gnadenthrones niederlegte, meldete sich ein Fieber an. Niemand hielt es für gefährlich. Die Herzogin aber erkannte den Boten, der ihr den Hingang und die selige Vereinigung mit Gott ankündete. Am 22. Mai 1602 ging sie zur ewigen Belohnung ins andere Leben hinüber. Ihr Leib ruht in der von ihrem Gatten erbauten St. Michaels-Kirche in München. Das Herz der edlen Verstorbenen, die allgemein wie eine Heilige verehrt und wie eine Mutter, die man verloren hat, betrauert wurde, behielt der fromme Herzog Wilhelm als kostbare Reliquie für sich zurück. War dies doch die eine Hälfte seines eigenen Herzens, da beide wirklich nur ein Herz und eine Seele waren.

 

„Auch bei der größten Geldnot soll man keine Kosten sparen, damit in der Pflege der Kranken nichts versäumt werde. Man darf nicht zu sehr fühlen, dass darum das Vermögen vermindert werde. Es kehrt alles mit Zinsen zurück. Wer den Kranken in heiliger Meinung pflegt, pflegt Gott den Herrn selbst. Wer hier sparsam sät, wird auch sparsam ernten. Die lebendigen Tempel des Heiligen Geistes zu unterstützen, um ihren Einsturz zu verhüten, ist ein größeres Verdienst als Altäre zu erneuern. Stürzen diese, so lassen sich neue errichten; aber das Leben des Kranken kannst du nicht mehr zurückrufen. Es lässt sich nicht sagen, wie sehr unter dem Leiden des Körpers die Schwäche der Seele zunimmt. Tätest du nicht das Möglichste für ihn, so würde ihn ein zweifaches Übel drücken, seine Krankheit und deine Lieblosigkeit.“ (hl. Ignatius v. L.)