Der selige Reiner, Einsiedler zu Osnabrück, + 11.4.1237 - Fest: 11. April

 

Dieser fromme Diener Gottes war von der Wichtigkeit seines Seelenheils und dem Gedanken an die Ewigkeit so ergriffen, dass er, nach dem Beispiel der alten Einsiedler, sich von der menschlichen Gesellschaft beinahe gänzlich abtrennte, und sich in eine einsame Zelle, nahe an der Hauptkirche zu Osnabrück, verschloss, um daselbst in ungestörtem Herzensfrieden die ewigen Heilswahrheiten zu betrachten, und dem Geist die Herrschaft über die fleischlichen Begierden gänzlich zu erringen. Seine Akten melden, dies sei unter dem Papst Innocenz III. geschehen, der vom Jahr 1198 bis 1216 auf dem Stuhl des heiligen Petrus saß (Wahrscheinlich im letzten oder vorletzten Jahr seiner Regierung, da, nach Reiners Akten, dieser Einsiedler 22 Jahre in seiner Zelle zubrachte, und erst 1237 gestorben ist.), und unter Gherberd, oder nach anderen unter Gerhard von der Lippe, des Erzbischofs von Bremen.

 

22 volle Jahre widmete Reiner an diesem Ort dem beschaulichen Leben, so dass er die Mahnung des Apostels: Euer Wandel sei stets im Himmel, auf das pünktlichste befolgte. Er stand in so weit ausgebreitetem Ruf der Heiligkeit, dass selbst Große ihn zu sehen und von ihm, nach seiner schlichten und einfältigen Weise, belehrt zu werden, Verlangen trugen: und wirklich hat sich dieser Fall mehrere Male, mit dem besten Erfolg, ereignet.

 

Seine Bußstrenge war so außerordentlich und so erfinderisch, dass er sich mit einem harten Cilicium nicht begnügte, sondern noch allen Gliedern des Körpers, dem Hals, den Armen, Händen etc. besondere züchtigende Werkzeuge, die hauptsächlich in schweren Lasten bestanden, anlegte, und wenn man ihn fragte, warum er das tue, gab er zur Antwort: „Gleichwie unser Herr Jesus Christus an allen seinen Gliedern für mich gelitten hat, so wollte auch ich desgleichen tun.“ Ob er auch noch so schwächlich war, aß er nie Fleisch oder Mehlspeisen, und Fische nur an hohen Festtagen und auf Zureden seines Gewissensrates. An gewöhnlichen Sonntagen nahm er nur eine Speise, die aus Kraut und Knoblauch ohne Gewürz zubereitet war. Dasselbe tat er am Dienstag und Donnerstag. Am Montag, Mittwoch und Samstag war seine ganze Nahrung Brot und Bier. Am Freitag, an den Vigilien und Frohnfasten begnügte er sich mit Brot und Wasser.

 

Diese äußeren Bußwerke heiligte er durch jene inneren Abtötungen, die eigentlich zunächst zur christlichen Vollkommenheit führen, indem die körperlichen Züchtigungen in diesem Betreff nur Mittel sein können, die verderbte Natur des Menschen und seine sündhaften Neigungen zu bändigen, und sie nach dem Geist der Religion zu ordnen. Und zu diesem Zweck desto sicherer zu gelangen, kräftigte er sich jeden Sonn- und Festtag mit dem himmlischen Gnadenbrot, nachdem er jedes Mal vorerst ein reumütiges Bekenntnis seiner kleinen Fehltritte abgelegt hatte. Überdies beichtete er in der Regel am zweiten, vierten und sechsten Tag in der Woche. Endlich nach 22 Jahren der Mühen und Tränen offenbarte ihm der Herr das nahende Ende seines Lebens: er wurde noch mit den letzten heiligen Sakramenten, zur Heimreise ins Land der Belohnung und der Freude, versehen und entschlief seligen Todes am 11. April, etwa um das Jahr 1237, in Gegenwart vieler frommen Seelen, geistlichen und weltlichen Standes. Bei und nach seinem Hinscheiden geschahen auf die Fürbitte des heiligen Einsiedlers mehrere Wunderheilungen, die man in seinen Akten aufgezeichnet findet.

 

Den Namen dieses großen Dieners Gottes findet man in vielen Heiligen-Verzeichnissen, unter anderen in MS. Florario Sanctorum, bei dem Kölner Karthäuser Grevenus in Auctario Usuardi, bei Molanus in Additam. Ad Usuard., Gelenius in den Kölner Jahrbüchern, bei Canisius im Martyrologium Deutschlands, bei Petrus Cratepolius in seiner Sammlung der deutschen Heiligen, bei Wion, Menard und Bucelin etc.