Der heilige Prudentius, Bischof und Bekenner von Troyes in Frankreich, + 6.4.861 - Fest: 6. April

 

Prudentius, geboren in Spanien, wanderte nach Frankreich, um sich der Wut der Ungläubigen zu entziehen, und vertauschte damals seinen Namen Galindo mit Prudentius. Wegen seiner hohen Verdienste wurde er im Jahr 840 oder 845 auf den bischöflichen Sitz von Troyes erhoben. Er war einer der gelehrtesten Oberhirten der gallicanischen Kirche. Von allen Seiten her zog man ihn wie ein Orakel zu Rate. Aus seiner Rede über die heilige Jungfrau Maura ersehen wir, dass er oft predigte, allen bischöflichen Amtsverrichtungen beständig oblag, und die Sakramente der Buße, des Altars und der letzten Ölung ausspendete.

 

Um dieselbe Zeit fing Gotschalk, ein Mönch in dem Kloster Orbais, im Bistum Soissons, an, seine Irrtümer über die Vorherbestimmung zu verbreiten. Dieser umherschweifende Mönch lehrte, Gott habe die Verdammten zur Sünde und Hölle vorausbestimmt, so dass es nicht in ihrer Gewalt stünde, das eine oder das andere zu vermeiden. Nottingus, Bischof von Brescia oder Verona, setzte den durch seine Tugend und Gelehrsamkeit damals in hohem Ruf stehenden Erzbischof von Mainz, Rabanus Maurus, von dessen Irrtümern in Kenntnis. Nachdem dieser in einer 848 zu Mainz gehaltenen Synode, Gotschalks Sätze geprüft hatte, verdammte er dessen Gotteslästerungen, und schickte ihn dem berühmten Hincmar, Erzbischof von Rheims, seinem Metropoliten. Dieser, nebst Wenilo von Sens und einigen anderen Bischöfen, prüfte von neuem die Lehre des Orbaiser Mönches, in einer Synode, die 849 zu Quercy-súr-Oise, im Bistum Soissons gehalten wurde. Da Gotschalk sich nicht unterwerfen wollte, wurde er verdammt, der Priesterwürde entsetzt, und in die Abtei von Hautvilliers, in der Diözese Rheims, eingesperrt. Der heilige Prudentius, den man hierüber zu Rate zog, war der Meinung, man solle ihn der Gemeinschaft der Laien nicht berauben. Als aber Hincmar sah, dass Gotschalk in seiner Halsstarrigkeit beharrte, exkommunizierte er ihn etwas später (Gotschalk, Urheber von vielen Unruhen und Ärgernissen, starb 870, auch noch mit dem Kirchenbann belastet, in dem Kerker, wo er 21 Jahre eingeschlossen war).

 

Einige verdächtigten Hincmar des Irrtums der Halbpelagianer über die Notwendigkeit der Gnade, und Ratramnus von Corbie hat wirklich gegen ihn geschrieben: da ergriff Prudentius die Feder, um einen Gegenstand zu beleuchten, der in der Hitze des Streits nur verwirrt worden ist. Er erhärtete gründlich die katholische Lehre, indem er zeigte, 1. dass der Mensch frei, und Jesus Christus für alle Menschen gestorben sei; 2. dass man nichts vermöge ohne die Gnade, und dass Jesus Christus auf eine besondere Weise für das Heil der Auserwählten sein Leben hingegeben habe. Die Streitsucht unterhielt aber leider fortan die Vorurteile. Man verstand sich beiderseits nicht, obgleich man denselben Glauben bekannte. Lupus, Abt von Ferrières in Gatinois, Amolo, Erzbischof von Lyon, und der heilige Remigius, dessen Nachfolger, schrieben gegen Raban und Hincmar, ungeachtet des Abscheus, den sie vor den Gotteslästerungen der Prädestinatianer hatten. Selbst Amolo und seine Kirche, die im Anfang Gotschalk, da sie ihn nicht kannten, entschuldigt zu haben scheinen, verwarfen immer die Lehre, die man an ihm verdammte. Man muss in der Tat die Vorherbestimmung der Auserwählten als einen Glaubensartikel annehmen. Allein es wäre auch zugleich eine abscheuliche Ketzerei, zu glauben, dass irgend eine Gnade die freie Willkür des Menschen aufhöbe. Was den heiligen Remigius von Lyon und den heiligen Prudentius anbelangt, so ist gewiss, dass sie Gotschalk niemals in Schutz genommen haben.

 

Im Jahr 853 machten Hincmar, und mehrere andere Bischöfe in einem zweiten Concil von Querey vier Artikel bekannt, worin sie festsetzen, dass der Mensch frei, und Jesus Christus für das Heil aller Menschen gestorben sei. Der heilige Prudentius unterschrieb diese vier Artikel, wie wir aus Hincmar und dem Annalisten des heiligen Bertins ersehen. Die Kirche von Lyon wurde durch die darin enthaltene Lehre sehr betrübt, weil sie glaubte, man könne sie mit der Notwendigkeit der Gnade nicht in Einklang bringen. Daher hat das zu Valence 855 zusammen berufene Concilium, wo der heilige Remigius von Lyon den Vorsitz hatte, sechs Kanonen abgefasst, in denen es die Lehre von der Notwendigkeit der Gnade, und der Vorherbestimmung der Auserwählten ganz bestimmt und deutlich ausdrückte. Der heilige Prudentius erhielt im Jahr 859 vom Papst Nicolaus I. die Bestätigung dieser Kanonen. Er tat noch mehr. Aus Furcht, man möchte die Artikel von Quercy, die er selbst unterzeichnet hatte, zugunsten des Pelagianismus missbrauchen, schrieb er ein Büchlein, worin er den irrigen Sinn, den man ihnen hätte unterstellen können, widerlegte, und die Lehre der Kirche in Betreff der Gnade Jesu Christi gründlich nachwies. Diese Vorsicht war umso nötiger, weil einige, in der Hitze des Streites, die an Pelagius verdammten Irrtümer erneuerten.

 

Um dieselbe Zeit gab Johannes Scotus, der Erigener genannt, ein berüchtigter Sophist, ein Werk über die Vorerwählung gegen Gotschalk heraus, worin er offenbar den Halbpelagianismus und andere Irrtümer lehrte. Wenilo, Erzbischof von Sens, zog 19 Artikel aus, übersandte sie dem heiligen Prudentius, der Johannes Scotus sehr triftig widerlegte.

 

Der Eifer des heiligen Bischofs von Troyes für die Handhabung der Kirchenzucht und Abstellung der Missbräuche, erwarb ihm eine ungemeine Hochachtung. Daher musste er auch in Verbindung mit Lupus von Ferrières an der Verbesserung der sämtlichen Klöster Frankreichs arbeiten. Er entledigte sich dieses wichtigen Auftrages mit ebenso bewunderungswürdiger Kraft, als Klugheit. Er starb am 6. April 861. Sein Name findet sich in den Martyrologien von Frankreich. Beim Ausbruch der französischen Staatsumwälzung bewahrte man seine Reliquien noch zu Troyes, wo er durch ein Officium mit neun Lectionen verehrt wurde.