Der heilige Prätextatus, Bischof und Martyrer von Rouen, Frankreich, + 24.2.588 – Fest: 24. Februar

 

Dieser mit himmlischer Weisheit und dem Geist Gottes erfüllte Mann war der Nachfolger des heiligen Flavius auf dem bischöflichen Stuhl zu Rouen und zeichnete sich durch seinen apostolischen Eifer für die Verherrlichung der Kirche Jesu auf der 3. Kirchenversammlung zu Paris und auf der zu Tours im Jahr 566 rühmlich aus. Es war im unerforschlichen Ratschluss der heiligen Vorsehung beschlossen, dass seine Sanftmut und Geduld den schwersten Prüfungen ausgesetzt sein sollte, denn der friedliebende und gerechte Heilige wurde bei König Chilperich von Frankreich verleumderisch angeklagt, als versuche er das Volk gegen ihn aufzuwiegeln. Diese schändliche und von seinen Feinden erdichtete Anklage war die Quelle aller seiner schweren und langwierigen Verfolgungen, wurde schließlich sogar die Ursache seines Martertodes. Der heilige Oberhirt verwendete den größten Teil seiner Einkünfte zur Unterstützung der Armen und Unglücklichen, und diesen Hang zum Wohltun missbrauchten böse, lasterhafte Menschen, denen der Diener Gottes wegen seiner Frömmigkeit verhasst war, und zeigten ihn bei dem verblendeten König an, dass er das Volk gegen die Regierung aufwiegle. Chilperich geriet in eine rasende Wut und befahl sogleich, den Majestätsverbrecher von seinem bischöflichen Stuhl zu reißen, ihn zu fesseln und gefangen zu nehmen und versammelte dann die Bischöfe des fränkischen Reiches, über ihn das Verdammungsurteil zu sprechen. Umsonst widerlegte der schuldlose Heilige gründlich alle ihm zur Last gelegten Verbrechen und besonders den angeschuldigten Kirchenraub. Umsonst verteidigten Aetius, der Erzdiakon von Paris, und der ehrwürdige Gregor, Bischof von Tours, die Unschuld ihres Mitbruders. Die Rache des Königs wurde zwar für dieses Mal durch unwiderlegbare gestillt, aber alle List wurde angewendet, um den Verhafteten in Fallstricke zu verwickeln, dass es wenigstens doch einen Schein von Gerechtigkeit hatte, ihn gewalttätig zu unterdrücken. In einem Gespräch mit einem Höfling sagte der heilige Oberhirt, dass Meroveus, wenn er auf dem Thron säße, durch sein liebevolles Benehmen sich die Achtung aller seiner Untertanen erwerben würde. Dies wurde dem König mit dem Zusatz hinterbracht, dass er es selbst eingestanden habe, Chilperich verdiene nicht, König zu sein, und aller Verteidigung ungeachtet, Prätextatus aus seinem Bistum vertrieben und in das Elend verwiesen. Mit unerschütterlicher Geduld ertrug er Verbannung und Armut und erst nach dem Tod des Königs wurde er von dessen Nachfolger Gunthram, der die Sache auf der Synode zu Mascon genau untersuchen ließ, für unschuldig erklärt und in sein Bistum zurückberufen. Als bei seiner Ankunft in Rouen alle Bischöfe über den endlichen Sieg seiner Unschuld frohlockten und das Volk bei dem Anblick ihres heiligen, misshandelten Bischofs in leuten Freudenjubel ausbrach, soll die rachgierige Fredegundis, die verwitwete Königin, mit Hohn gesagt haben: Auf diese allgemeine Freude folgt gewiss bald wieder eine Verbannung.

 

Mit rastlosem Eifer verwaltete nun der Heilige sein bischöfliches Amt, bis ihn am heiligen Osterfest im Jahr 588 Mörder am Altar überfielen, wo er gerade das allerheiligste Opfer verrichtete, und ihn so gefährlich verwundeten, dass er bald darauf seinen Geist aufgab. Jedermann hielt die schändliche Fredegundis für die Urheberin dieser gräulichen Mordtat.