Der heilige Pontianus, Martyrer von Spoleto, Italien, + 19.1.154 – Fest: 19. Januar

 

Unter der Regierung des heidnischen Kaisers Antonin erhob sich eine heftige Christenverfolgung, während der sich der Statthalter Fabianus durch eine viehische Grausamkeit gegen die unschuldigen Gläubigen auszeichnete. Als dieser Unmensch nach Spoleto kam, um neue Opfer zur Sättigung seines Blutdurstes aufzusuchen, ließ er neben anderen Christen auch den Pontianus ergreifen und vor seinen Richterstuhl führen, um ihn entweder durch herzerschütternde Drohungen zum Abfall zu bringen, oder unter den schrecklichsten Martern hinrichten zu lassen. Im Verhör fragte der Statthalter den gefangenen Christen, wie er sich nenne. Er antwortete ihm: „Meine Eltern gaben mir den Namen Pontianus; aber ich habe mir einen weit schöneren Namen erworben, nämlich den eines Christen.“ Fabianus entgegnete ihm: „Lass diese Torheit und stürze dich und deine Familie nicht dadurch in Schande und Verderben, dass du einen Übeltäter als Gott verehrst, den die Juden mit der schimpflichsten Strafe, mit dem Kreuzestod, belegten. Opfere den unsterblichen Göttern, durch deren Wohltaten du bisher erhalten wurdest und verleugne diesen Jesus, den die Sekte der Nazarener als einen Gott anbetet und der dich aus meinen Händen nicht befreien kann.“ Mit heiligem Ernst erwiderte dem Heiden der unerschrockene Bekenner: „Umsonst versuchst du mich mit deinen schändlichen und gottlästerlichen Reden zum Götzendienst zu verführen, und selbst dein Kaiser ist zu ohnmächtig, mich von der Liebe zu meinem Gott und Heiland zu trennen und zum eitlen Dienst eurer erdichteten Götter zu zwingen.“ Diese Worte erfüllten den heidnischen Richter mit einer unbändigen Wut und er befahl, ihm die Kleider vom Leib zu reißen und ihn so grausam zu schlagen, dass sein Blut den Boden bedeckte. Während dieser Marter sprach der heilige Pontianus zu Fabian mit freudiger Miene: „Boshafter Mensch! Schämst du dich nicht deiner falschen Götter, wenn du die Standhaftigkeit der Bekenner des allmächtigen und wahren Gottes siehst, mit der sie deine vergänglichen Strafen verachten?“ Den Frevler gegen die Götter zum Stillschweigen zu bringen, ließ der erzürnte Richter glühende Kohlen auf den Boden streuen und über diesen mit entblößten Füßen den Christen führen. Aber der bezeichnete sich mit dem heiligen Kreuz, ging unversehrt durch die Glut und sprach zu Fabian: „Siehe, im Namen meines Gottes und Erlösers Jesus zertrete ich mit nackten Füssen und ohne Schmerzen das Feuer: tauche du, um die Macht deines Jupiters zu erproben, doch deine Hände in ein heißes Wasser.“

 

Aber statt sich dieser Probe zu unterziehen, befahl der Richter, den Bekenner auf die Folter zu werfen, und als die Henker ihn zu peinigen anfingen, schrien sie laut auf: „Wehe uns! Wir leiden heftigere Schmerzen, als dieser Christ. Siehe, unsere Arme sind ermattet, unsere Kräfte erschöpft und die Marterwerkzeuge abgestumpft.“ Vor Scham und Zorn sich seiner nicht mehr mächtig, ließ Fabian den heldenmütigen Martyrer in das Gefängnis führen, um unterdessen andere Qualen zu erfinden, womit er dessen Standhaftigkeit zu besiegen hoffte.

 

Zu dieser Zeit besuchten fromme Christen den heiligen Pontianus im Kerker und flehten unter Tränen und Gebet mit ihm vereint zu Gott um Mut in seinem bevorstehenden Todeskampf, der am folgenden Tag stattfinden sollte; denn Fabian ließ in ganz Spoleto durch Herolde bekannt machen, dass auf öffentlichem Platz ein Lästerer der Götter mit den zwei wildesten Löwen kämpfen werde. Schon am frühen Morgen war der Schauplatz mit einer ungeheuren Menge Menschen bedeckt und eine Todesstille breitete sich aus, als der heilige Martyrer aus seinem Gefängnis ankam und mit heiterem Angesicht seinen Mördern entgegen sah. Jetzt wurden die Löwen aus ihren Behältern losgelassen und unter heftigem Gebrüll stürzten sie sich auf den Unglücklichen, bei dessen Füßen sie sich aber wie Lämmer auf den Boden lagerten. Die Heiden erhoben ein lautes Geschrei und mehrere Stimmen riefen: „Groß und mächtig ist der Gott der Christen! Gebt dem Gefangenen die Freiheit, denn er ist unschuldig und hat den Tod nicht verdient!“ Aber Fabian, dessen grausames Gemüt kein Mitleiden kannte, ließ den Martyrer, weil er eine Empörung fürchtete, von dem Schauplatz in das Gefängnis zurückbringen, wo er ihn zum Hungertod verurteilte. Zwölf Tage waren vergangen, in dieser Zeit, wie die alte Urkunde erzählt, täglich ein Engel Gottes den Pontianus mit dem himmlischen Brot erquickte, als die Gerichtsdiener in den Kerker kamen, um den entseelten Leichnam abzuholen; aber zu ihrem größten Erstaunen fanden sie den Gefangenen gesund und hörten ihn heilige Psalmen singen.

 

Diese Nachricht erschreckte den Statthalter wie ein Donnerschlag und in größter Eile befahl er, den verhassten Christen mit zerlassenem Blei zu töten. Er begleitete die Henker selbst in das Gefängnis und als er den Heiligen nochmals fruchtlos zum Götzenopfer ermahnt hatte, wurde das glühende Metall in seinen Schlund gegossen, das aber wie kühles Wasser hinabfloss und ihm nicht den geringsten Schaden verursachte. Nun sprach er ihm das Urteil der Enthauptung, und der heilige Pontianus ging wie ein Sieger auf den Richtplatz, fiel dort auf die Knie und flehte zu Gott, dass er seine Seele gnädig aufnehmen wolle; dann beugte er seinen Nacken dem Henker dar und endete als Blutzeuge Jesu am 19. Januar im Jahr 152. Seine Reliquien wurden in der Mitte des 18. Jahrhunderts nach Utrecht gebracht.