Der heilige Polykarp, Apostelschüler, Bischof und Martyrer von Smyrna, + 23.2.166 - Fest: 26. Januar

 

Das Leben des heiligen Polykarp reicht zurück bis in die Zeit der Urkirche. Der heilige Apostel Johannes, sein Lehrmeister, hat den Dreißigjährigen um das Jahr 100 nach Christi Geburt zum ersten Bischof der Hafenstadt Smyrna in Kleinasien bestellt.

 

Uns klingt der Name Polykarp recht fremd, weil er griechischen Ursprungs ist. Aber schön ist das, was er bedeutet. Stelle dir eine pralle Weizengarbe vor, die im hohen Sommer auf dem Erntefeld steht mit tausend reifen Ähren, dann siehst du bildlich das, was der Name des Heiligen bedeutet, denn Polykarp heißt „Reich an Frucht“.

 

Fruchtreich war auch das Leben des heiligen Polykarp. Über fünfzig lange Jahre hütete er treu die Herde, die ihm der Lieblingsjünger des Herrn anvertraut hatte. Groß ist auch die Zahl der verirrten Menschen, die er als guter Hirt der Seelen in den Schafstall Christi heimführte. Sonst ist wenig aus dem Leben des Heiligen bekannt, aber über sein Sterben sind wir desto besser unterrichtet.

 

Stell dir einen großen steinernen Zirkus vor mit Tausenden von vollbesetzten Plätzen. Am Kopfende der länglichen Runde sitzt auf einem thronartigen Stuhl, von Soldaten in schimmernder Rüstung umgeben, der oberste Leiter und Richter der Stadt. Vor ihm steht als Angeklagter ruhig und würdevoll ein weißhaariger Mann, Polykarp, der Bischof der Christen in Smyrna. Und während Tausende Menschen in gespanntester Aufmerksamkeit zuschauen und zuhören, beginnt zwischen dem Angeklagten und dem Richter das folgende Gespräch.

 

„Du alter Mann“, beginnt der Richter, „sei doch vernünftig, denk an deine grauen Haare! Verfluche den Gekreuzigten, dann kannst du in Ruhe und Frieden sterben.“

 

„Sechsundachtzig Jahre“, antwortet der Greis, „habe ich dem Gekreuzigten in Treue gedient. Nie tat er mir ein Leid an. Wie kann ich da meinen Herrn und Heiland lästern?“

 

„Bekenne wenigstens“, fährt der Statthalter fort, „dass unser Kaiser in Rom Gott ist und dass ihm göttliche Ehre, Weihrauch und Lobpreis gebühren.“

 

Doch da fällt dem Sprechenden der altersschwache Greis voll jugendlicher Lebhaftigkeit ins Wort und bemerkt schwertscharf:

 

„Du tust, als wüsstest du nicht, wer ich bin. So höre noch einmal vor allem Volk, dass ich ein Christ bin!“

 

Ganz klar und wie ein Trompetenstoß klingt das stolze Bekenntnis des Bischofs durch die Runde. Und wieder spricht der Richter mit drohendem Unterton in der Stimme:

 

„Ich habe wilde Tiere, Löwen und Tiger“, und die Antwort lautet:

 

„Lass sie kommen!“

 

„Ich kann dich auch ins Feuer werfen lassen“, brüllt gereizt der Statthalter.

 

Und Polykarp entgegnet: „Tue es!“

 

Da rufen im gleichen Augenblick die Tausende im weiten Ringtheater: „Ins Feuer mit ihm! Ins Feuer mit ihm!“

 

Stumm nickt der Richter. Das Urteil ist gefällt und wird sogleich vollstreckt.

 

Eilfertige Hände richten aus mit Pech getränktem Holz und Reisig einen hohen Scheiterhaufen auf, zuoberst mit einem Pfahl, an dem das Opfer angebunden

 

werden soll. Mit freudestrahlendem Gesicht legt Polykarp mit eigener Hand Mantel und Gürtel ab und bittet die Henker, ihn nicht zu binden. In aller Freiheit wolle er für den König Christus das Leben lassen, und schon steht der mutige Mann auf dem großen Holzstoß.

 

Betend bekennt dann Bischof Polykarp vor ungezählten Zeugen noch einmal den heiligen Glauben. Und wie nun von allen Seiten rundum das Feuer prasselnd emporsteigt, geschieht es, dass die Flammen vor dem Leib des Martyrers wie in Ehrfurcht zurückweichen. Die Flammen umhüllen ihn wie ein Segel, so dass der Scheiterhaufen wie ein Schiff aussieht, das den Heiligen zum Himmel trägt.

 

Die Menge staunt bei diesem Anblick, bis schließlich einer von den Henkern auf den Holzstoß springt und Polykarp den Dolch ins Herz stößt.

 

Muss solch ein Bekennermut und solch eine Christustreue nicht für jeden Christen ein Ansporn sein, stets und immer den heiligen Glauben hochzuhalten?