Der heilige Pionius, Priester und Martyrer in Smyrna, + 1.2.250 - Fest: 2. Februar

 

Pionius war ein Priester in Smyrna und hatte viele Jahre durch sein Wort und Beispiel die Christen im Glauben gestärkt.

 

Im Jahre 250 offenbarte ihm Gott im Traum, dass er am Fest des heiligen Polykarp des Glaubens wegen von den Verfolgern ergriffen werde. Er bereitete sich daher am Tag zuvor mit Asklepias und Sabina durch Fasten und Gebet auf die kommenden Leiden vor. Als sie am Todestag des heiligen Bischofs noch beteten, kam Polemon, ein Vorsteher eines Götzentempels, mit Schergen und führte sie, weil sie sich weigerten am Götzenopfer teilzunehmen, mit Gewalt auf den öffentlichen Platz. Hier ermahnte sie Polemon in Gegenwart vieler Juden und Heiden wiederholt, den Göttern zu opfern, wenn sie dem Tod entgehen wollten. Die Bekenner weigerten sich aber standhaft. Da sagten einige aus dem Volk aus Mitleid: "Es ist doch gut zu atmen und das Licht zu sehen." Pionius antwortete: "Wohl ist es gut zu leben und das Licht zu schauen; aber jenes Licht, nach welchem wir verlangen! Wir verlangen nach einem andern Licht. Wir verkennen zwar diese Gaben Gottes nicht; aber wir verlassen sie gerne, weil wir uns nach höheren Dingen sehnen."

 

Hierauf fanden noch verschiedene lebhafte Reden statt, und man sah Sabina lächeln, als Pionius einen Heiden mit wenigen Worten abgefertigt hatte. "Du lachst?" rief man ihr drohend zu. Sie antwortete: "Ich lache, wenn es Gott gefällt; denn wir sind Christen." "Nun," hieß es, "so wird dir widerfahren, was du nicht willst. Denn die Frauen, welche sich zu opfern weigern, werden in Häuser der Unzucht geführt." "Darüber," sagte sie ohne Unruhe, "wird der heilige Gott walten." Darauf legten sie noch, einer nach dem andern, das Bekenntnis ab, dass sie den allmächtigen Gott anbeten, und wurden ins Gefängnis geführt. Man ließ ihnen hier die Freiheit, zu tun, was sie wollten. Sie unterhielten sich daher den ganzen Tag und einen großen Teil der Nacht mit Gott im Gebet und mit geistlichen Gesprächen. Doch kamen verschiedene Heiden zu ihnen, um sie in ihrem Vorsatz zu erschüttern. Sie mussten aber die Weisheit des Pionius bewundern. Auch solche kamen zu ihnen, welche sich durch Zwang zum Falle hatten hinreißen lassen, und jammerten und weinten. Dies war für Pionius ein herzzerreißender Anblick, um so mehr, da einige darunter waren, welche bis dahin einen unsträflichen Wandel geführt hatten. Er konnte sich der Tränen nicht enthalten, und sprach ihnen zu mit der zärtlichsten Liebe. Unter anderem sagte er: "Ich leide eure Peinen, und werde so gequält, als würden mir meine Glieder vom Leibe gerissen, indem ich vor mir sehe die Perlen der Kirche von den Füßen der Schweine zertreten, - euch, meine Kinder! die ich abermals mit Schmerzen gebäre, bis dass Christus in euch eine vollkommene Gestalt gewinne!" "O meine Söhne," setzte er hinzu, "glaubet ja nicht, dass Gott von uns gewichen sei; wir sind von Ihm gewichen!"

 

Nachdem er sie entlassen, kam Polemon, und rief mit fürchterlicher Stimme: "So eben hat euer Vorsteher (der Bischof Eudämon) geopfert. Die Obrigkeit befiehlt euch, sogleich in den Tempel zu kommen." Da sich Pionius auf die Ankunft des Proconsuls berief, wurden sie mit Gewalt aus dem Kerker geschleppt in den Tempel, wo sie sich standhaft zu opfern weigerten. Als man sie mit donnernder Stimme fragte, (noch stand ihr abtrünniger Bischof vor dem Götzenaltar) warum wollet ihr nicht opfern? antworteten sie: "Weil wir Christen sind." Auf die Frage der Richter, welchen Gott verehrt ihr? sagte Pionius: "Denjenigen, der den Himmel erschaffen, und ihn mit Gestirnen geschmückt, - der die Erde gegründet, und sie mit Bäumen und Blumen geziert hat." "Meinst du", fragten die Richter, "den Gekreuzigten?" "Ja," antwortete Pionius, "den, welchen der Vater zum Heil der Menschen gesandt hat."

 

Jetzt versuchte man, dem Pionius Opferkränze auf das Haupt zu setzen. Er aber zerriß sie, und warf sie vor den Altar. Die Bekenner riefen laut: "Wir sind Christen!" Einige vom Volk gaben ihnen Backenstreiche, worüber sie sich freuten, mit ihrem Heiland auch dieser Schmach teilhaftig zu werden. Die Richter blieben unschlüssig, was sie tun sollten, und ließen sie wieder in das Gefängnis führen. Die Bekenner lobten und priesen Gott. Als nach einigen Tagen der Proconsul nach Smyrna gekommen war, ließ er den Pionius vor den Richterstuhl fordern, redete ihm noch einmal zu, und verurteilte ihn dann, verbrannt zu werden.

 

Freudig ging Pionius dem Tod entgegen, entkleidete sich selbst, und bot auf dem Scheiterhaufen selbst die Hände hin, um sie an den Pfahl zu nageln. Als ihn das Volk so angenagelt sah, wurde es bewegt und rief ihm zu: "Pionius! ändere deinen Sinn, so werden dir deine Nägel wieder ausgezogen." Er aber antwortete: "Wohl fühle ich die Nägel!" und bald darauf sprach er: "Möge das ganze Volk überzeugt werden, dass eine Auferstehung der Toten künftig sei!" Schon sauste die Flamme, als er die Augen schloss und leise betete. Bald eröffnete er sie wieder, sah mit freudigem Blick in die Glut, und sagte: "Amen!" Dann atmete er den Geist aus mit diesen Worten: "Herr, nimm meine Seele auf!"

 

Nach eingesunkener Glut fand man seine Leiche frisch und wie verjüngt, und Haare und Bart unversengt. Die Gläubigen wurden darüber mit großer Freudigkeit erfüllt. Asklepias und Sabina sollen gekreuzigt worden sein.