Der Diener Gottes Philipp Jeningen aus der Gesellschaft Jesu, + 8.2.1704 - Gedenktag: 8. Februar

 

Vielleicht ist es gar noch nicht zu lange her, dass in deiner Heimat die letzte Volksmission gehalten wurde. Vielleicht hast auch du, wie so viele andere, etwas von ihren heiligen Wirkungen verspürt. Heute will ich dir nun von jenem Mann erzählen, der diesen frommen Brauch zuerst in Süddeutschland einführte.

 

Philipp Jeningen wurde am 5. Januar 1642 zu Eichstätt in Bayern geboren. Sein Vater war dort der Bürgermeister. Schon mit 16 Jahren wollte Philipp in die Gesellschaft Jesu eintreten. Der Provinzial machte die Aufnahme von der Erlaubnis des Vaters abhängig. Allein noch fünf Jahre sollte der Student kämpfen müssen, bevor er die Einwilligung des Vaters erhielt. Im Noviziat, das er 1663 bis 1665 in Landsberg machte, verlegte er sich in ganz besonderer Weise auf die Übung tiefer Demut und vollkommenen Gehorsams. „Ich will sein wie ein lebloses Bild,“ schrieb er sich damals vor, „das sich nicht bewegt, ob man es lobt oder schmäht. Ich will jeden Wink meiner Oberen befolgen und nicht erst ihre Befehle abwarten.“ Nach den ersten heiligen Gelübden lehrte er drei Jahre am Kolleg der Gesellschaft Jesu in Dillingen in den unteren Gymnasialklassen, vollendete in drei Jahren seine theologischen Studien, empfing 1672 in seiner Vaterstadt die heilige Priesterweihe und machte am berühmten Wallfahrtsort Altötting das dritte Noviziatsjahr, das nach der Bestimmung des heiligen Ignatius den letzten Gelübden vorausgehen soll.

 

Gleich im Anfang seines priesterlichen Wirkens trieb ihn die Demut zu einer bewunderungswürdigen Tat. Seit er vom heiligen Franz Xaver wunderbar geheilt worden war, entbrannte in seinem Herzen ein feuriges Verlangen, in die Fußstapfen des großen Apostels von Indien zu treten. Aber die Demut und Liebe zur Selbstverleugnung kämpften gegen den Drang nach apostolischer Tätigkeit, und die Demut blieb Siegerin. Er bat die Obern, ihm wiederum den Unterricht an den niederen Klassen in Dillingen zu übertragen. Sieben Jahre harrte er in großer Selbstverleugnung auf diesem unansehnlichen Posten aus, wo er in der Klasse wie im Privatverkehr die Knaben zu inniger Liebe des Heilandes und seiner gebenedeiten Mutter anleitete.

 

Im Jahr 1680 wurde Pater Philipp der kleinen Niederlassung der Gesellschaft Jesu in Ellwangen zugeteilt. Das freundliche Städtchen im heutigen Württemberg war der Hauptort des gleichnamigen geistlichen Fürstentums. Wie im Sturm eroberte sich der eifrige und leutselige Mann die Herzen. Besonders die Armen und Kranken erfuhren seine mütterliche Liebe. Viele geistliche und weltliche Herren begaben sich unter seine erleuchtete Seelenleitung. Seinem wunderkräftigen Gebet schrieb man es zu, dass in der 24 Jahren seiner Ellwanger Tätigkeit alle die vielen, die ihn zu ihrem Beistand in ihrem letzten Stündlein wählten, bei vollem Bewusstsein die heiligen Sterbesakramente empfingen.

 

Insbesondere wurde dem Pater Jeningen die Besorgung der kleinen Wallfahrtskapelle auf dem Schönenberg bei Ellwangen anvertraut, wo eine Nachbildung der Muttergottes von Altötting andächtig verehrt wurde. Er ruhte nun und rastete nicht, bis sich durch die Freigebigkeit des Fürstpropstes Freiherrn von Adelmann dort statt der bescheidenen Kapelle 1685 eine stattliche, prächtige Wallfahrtskirche erhob, die auf viele Geschlechter ein Mittelpunkt der Marienverehrung und des katholischen Lebens für die Umgegend wurde. Selbst von fern aus Bayern und vom Rhein, aus Tirol und Böhmen wallfahrtete man dorthin. Tausende versöhnte Pater Philipp in diesem Heiligtum der Mutter der Barmherzigkeit mit Gott. Besonders die Muttergottesfeste waren seine Triumphtage.

 

Aber die heiligen Pläne des seeleneifrigen Dieners Gottes waren viel umfassender. Er war es, der die so segensreiche Einrichtung der Volksmissionen in jene Gegenden verpflanzte. Die Stadt Ellwangen war gleichsam sein Hauptquartier. Von hier dehnte er seine Wirksamkeit als Missionar auf das Fürstentum und in immer weiteren Kreisen auf die vier Bistümer Augsburg, Würzburg, Eichstätt und Konstanz aus. Wir wissen allein von vierzig Pfarreien, die er im zweiten, von fünfzig, die er im dritten Jahr dieser Tätigkeit durchmissionierte. Wie viele mag er insgesamt in den 23 Jahren seiner Wirksamkeit als Missionar geheiligt haben?

 

Betend oder mit seinem Begleiter, dem frommen Laienbruder Simon, über Gott und göttliche Dinge redend, zog er, immer zu Fuß, von einer Mission zur andern. Oft brach er erschöpft am Weg zusammen, war aber nicht zu bewegen, deshalb seine Fasten zu unterbrechen, die Bußgürtel abzulegen, die Geißelungen zu mildern, die er selbst auf den Wanderungen im Dickicht des Waldes oder auf den Missionen nachts im stillen Kämmerlein vornahm, um von Gott Barmherzigkeit für die Sünder zu erflehen.

 

Betrat er eine Kirche, dann bestieg er nach kurzer Sammlung nüchtern die Kanzel. Voll Mitleid weinte er mit den Sündern im Bußgericht, so dass all die vielen getröstet und gestärkt von ihm schieden. Wie der heilige Franz Xaver, den er sich in seiner Missionstätigkeit zum Vorbild erkoren hatte, pflegte er eine innige Liebe zu den Kindern. Sie kamen ihm oft in Scharen weite Strecken entgegen. Er beschenkte sie mit Medaillen, Bildern, Büchlein usw. und hielt ihnen jeden Tag in der Kirche eine herzgewinnende Christenlehre.

 

Gott belohnte ihn schon hienieden mit wunderbaren Gaben. Schon während der Jahre der Vorbereitung auf das Apostolat hatte er ihm die Gabe der Beschauung verliehen, die immer erhabener und tiefer wurde. Auch viele Visionen, die ihm Kraft und Trost verliehen, berichtet der Diener Gottes in seinen Aufzeichnungen. Einmal z.B. bezeichnete ihn der Heiland in einem Gesicht mit dem Blut aus seinen heiligen fünf Wunden, indem er unter anderem dabei die Worte sprach: „Ich bezeichne dich durch meine heiligste Mutter mit diesem Zeichen des Heils, damit du selbst vor Sünde bewahrt wirst und viele zur Buße bekehrst.“ Oft unterstützte der Herr sein Wirken auch durch wunderbare Tatsachen. So sagte Pater Jeningen oft Einzelnen wie dem Volk freudige Ereignisse oder Heimsuchungen Gottes voraus.

 

Der schönste Lohn aber war es für Pater Philipp, dass er mit seinem gekreuzigten König leiden durfte. Zu den Mühsalen seiner Reise, zu den harten Bußwerken kamen Misshandlungen übelgesinnter Menschen, die ihn einmal wie tot am Weg liegen ließen. Sein guter Name und seine Wirksamkeit wurden hin und wieder herabgesetzt; so meinten einige, seine Predigten seien zu einfach. Zahlreich und außerordentlich heftig waren ferner die Versuchungen und Plagen, mit denen der Teufel ihn verfolgte. Aber in allem überwand der Soldat Christi, wie Pater Jeningen sich so gern nannte, mit heldenhafter Tapferkeit.

 

Dreißig Jahre der Arbeit am Heil der Seelen hatten ihm einmal in einer Offenbarung die Mutter Gottes versprochen. Diese Jahre hatten sich 1704 erfüllt. Er bereitete sich durch achttägige eifrige Exerzitien auf seinen Heimgang vor. Dieser erfolgte am 8. Februar.

 

Bewahre gut die Früchte der heiligen Mission. Bete und tu das Deine, damit sie auch in andern bleiben und fortwirken zum ewigen Leben. Denn, sagt Pater Philipp Jeningen: „Eine Seele ist mehr wert als die ganze Welt.“ „Wenn ich eine einzige Sünde verhindert habe, dann habe ich mehr getan, als wenn ich Ellwangen aus einer Feuersbrunst gerettet hätte . . . Kann man die Sünde genugsam beweinen, über die Christus selbst so sehr geweint hat?“

 

Der Seligsprechungsprozess für Pater Philipp Jeningen wurde eingeleitet.