Der heilige Petrus Kapucci von Tiferno, Priester, Italien, + 21.10.1445 - Fest: 21. Oktober

 

Geboren im Jahr 1390, war der Selige schon als Kind von der Gnade ergriffen und uninteressiert an den Kinderspielen, den göttlichen Dingen dagegen zugetan, dass sich daraus wohl ganz leicht auf die künftige große Heiligkeit schließen ließ. Die Welt mit ihren Eitelkeiten war ihm verhasst und um ihren Schlingen zu entgehen, eilte er schon im fünfzehnten Lebensjahr dem Ordensleben zu und erhielt im Prediger-Konvent seiner Vaterstadt das Kleid des heiligen Dominikus. Nach Ablegung der feierlichen Gelübde zeichnete er sich wunderbar durch seine Unschuld und Sittenreinheit aus, sowie nicht minder durch den Eifer, mit dem er alles betrieb, was zum Dienst Gottes gehört, und ebenso durch seine Liebe, Selbsterniedrigung und Treue in Befolgung der Ordensgesetze. Ein Freund der Zurückgezogenheit und voll Begeisterung für den Verkehr mit Gott im innerlichen Gebet, schien er kein anderes Ziel zu verfolgen, als die glühendste Liebeseinigung mit Gott, sowie das Streben nach Bereicherung seines Geistes mit der kirchlichen Wissenschaft, um dann nicht bloß durch Gebet und Beispiel, sondern auch durch erleuchteten Eifer nach Vorschrift seines Ordens dem Heil der Seelen nutzbringend sich zu weihen.

 

Die Obern schickten ihn nach Cortona, wo er nach Empfang der Priesterweihe aller Augen durch den Glanz seiner Tugenden auf sich zog. Dabei blieb er aber so demütig, dass er, obgleich von adeliger Abstammung und bei allen Bürgern hoch angesehen, die geringsten Dienstleistungen in und außer dem Kloster freudig übernahm. In der Stadt Almosen sammeln, sowie den Armen und Kranken dienen, war sein Lieblingsgeschäft. Dabei glühte er vor Eifer für das Heil der Seelen und gewann nicht wenige verkommene Menschen für ein besseres Leben. Darunter waren zwei große Verbrecher, die bereits im Kerker und ganz in Verzweiflung an ihrer Seligkeit sich befanden, und die er nach ihrer Bekehrung wie durch ein Wunder vom gewaltsamen Tod rettete, zu dem sie verurteilt waren. Ebenso bewog er einen zügellosen jungen Mann, der auf Verbrechen aus war, die Petrus durch höhere Erleuchtung erkannte und ihm zur rechten Zeit vorhielt, wobei er ihm auch für den nächsten Tag seinen Tod voraussagte, damit er noch seine Sünden bereuen konnte. Der Ruf seiner Heiligkeit drang weithin, wozu die Gaben der Weissagung, Entzückungen und Wunder viel beitrugen. So ist eigens aufgezeichnet, dass er den verdorrten Arm einer Frau durch das bloße Kreuzzeichen geheilt, und dass man ein leeres Weinfass auf sein Wort und Gebet ganz voll gefunden habe.

 

Reich an Verdiensten sah er dem Tod, den er so oft gepredigt und selbst betrachtet und dessen Bild er beim Gebet und bei der Predigt öfters in der Hand gehalten hatte, freudig entgegen. Und seine Seele flog nach andächtigem Empfang der heiligen Sakramente zum himmlischen Vaterland auf im Konvent des heiligen Dominikus zu Cortona am 21. Oktober 1445. Kaum war er gestorben, als auch schon die Einwohner von Cortona und Tiferno, die des seligen Petrus Tugenden zu beobachten Gelegenheit gehabt hatten, ihn wie einen Heiligen zu verehren begannen und ihn um Fürbitte anriefen. Später wurde sein heiliger Leib, der anfänglich bloß an ehrenvollem Ort beigesetzt gewesen, um der Andacht der Gläubigen zu genügen, auf den Hochaltar übertragen im Jahr 1597, wo er bis zum Jahr 1786 verblieb. In diesem Jahr erwirkte der Infant von Spanien Ferdinand I. aus Liebe zum Predigerorden, dessen Bußregel er angenommen hatte, und aus besonderer Verehrung für den seligen Petrus seine Übertragung in die Kirche des heiligen Liborius zu Colurno bei Parma. Kaum aber war er gestorben, so übernahm der Bischof von Cortona aus besonderer Vorliebe für den Orden und den seligen Petrus Sorge und Kosten der Zurückbringung an die ehemalige Stätte und reichte beim Heiligen Stuhl ein dringendes Gesuch um Gestattung seiner Verehrung en, worauf nach reiflicher Untersuchung Papst Pius VII. gestattete, dass in den Diözesen Cortona und Tiferno und im ganzen Predigerorden sein Fest gefeiert werde am 22. Oktober. Das Kirchengebet für diesen Tag lautet:

 

O Gott, der du verkündet, dass deine Gläubigen, wenn sie die letzten Dinge betrachten, niemals sündigen werden; lass uns durch die Fürbitte und nach dem Beispiel des seligen Petrus, deines Bekenners, den zeitlichen Tod so vor Augen halten, dass wir durch stete Reue über die begangenen Sünden dem ewigen Tod entgehen, durch Christus, unseren Herrn. Amen.