Der heilige Petrus Faber, Priester, Ordensmann und Missionar, + 1.8.1546 – Fest: 1. August

 

Zur Zeit, als die wilden Wogen der sogenannten Reformation sich verheerend über Deutschland ergossen, im heftigen Anprall alle bestehende Ordnung über den Haufen warfen, den Glauben verkümmerten, die guten alten Sitten verdarben, die deutschen Fürsten und Völker entzweiten und blutige Bruderkriege hervorriefen, als der Abfall der Geistlichen und Laien vom alten Glauben riesige Fortschritte machte und Laster und Gottlosigkeit immer mehr zunahm, richtete die göttliche Vorsehung ein Bollwerk auf, das den zerstörenden Fluten Einhalt tun und den alten Glauben und die guten Sitten der Religion Jesu Christi retten sollte. Dieses Bollwerk in Gottes Hand war der Jesuitenorden. Der erste Jesuit, der in Deutschland wirkte, war der durch Papst Franziskus am 17. Dezember 2013 heiliggesprochene Petrus Faber.

 

Faber erblickte das Licht der Welt im Jahr 1506 zu Villarette in der Diözese Genf. Als kleiner Junge hütete er die Herde seines Vaters, sammelte dann die anderen Hirtenjungen um sich und unterrichtete sie mit solchem Eifer im Katechismus, dass nach und nach selbst Erwachsene kamen und seinen begeisterten Aufforderungen zur Tugend und Gottesfurcht lauschten. Zehn Jahre alt, begann er seine Studien. Mit zwölf Jahren gelobte er immerwährende Keuschheit und bewahrte die lilienreine Unschuld bis zu seinem Lebensende. Auch die übrigen Tugenden pflegte er mit aller Sorgfalt.

 

Ein Verwandter, der Kartäuserprior Faber, schickte den strebsamen und tugendreichen jungen Mann Petrus Faber im Jahr 1525 auf die berühmte Hochschule zu Paris, um dort seine Studien zu vollenden. Im Kolleg St. Barbara, wo er einen Freitisch erhielt, schloss er einen innigen Freundschaftsbund mit einem jungen Spanier, Franziskus Xaverius, der später der Apostel von Indien und Japan wurde. Als Dritten im Bunde führte ihnen Gott im Jahr 1529 den gottbegeisterten Ignatius von Loyola zu, der als Stifter des Jesuitenordens zahllose Seelen für das Reich Gottes erobert hat.

 

Die drei Freunde studierten zusammen die Philosophie und Theologie. Faber war der erste, auf dem Ignatius bei seinem Plan, einen neuen Orden zu stiften, seine Augen warf, indem ihn seine Sanftmut, Bescheidenheit, Klugheit und wissenschaftliche Bildung sehr ansprachen. Mit größter Begeisterung ging Faber auf die Pläne seines Freundes ein, dem apostolischen Stuhl seine Dienste zu widmen, Wahrheit und Recht zu verteidigen und ein armes, keusches, gehorsames Leben in Gott zu führen. Als Faber sich zum Empfang der heiligen Weihen vorbereitete, hielt ihm Ignatius vierzig Tage lang Exerzitien. Während der ersten sechs Tage nahm Faber keine Nahrung zu sich und trotz der schneidenden Kälte duldete er kein Feuer im Ofen. Am 22. Juli 1532 feierte er das erste heilige Messopfer. Am 15. August 1534 legten die drei Freunde Ignatius, Faber, Franz Xaver mit noch vier anderen gleichgesinnten Genossen, nämlich Laynez, Salmeron, Bobadilla und Rodriguez, zu Montmartre bei Paris die Gelübde ab. Faber, damals der einzige Priester der neuen Gesellschaft Jesu, las die Heilige Messe und reichte seinen Genossen die heilige Kommunion.

 

Um von Papst Paul III. die Bestätigung ihres Ordens zu erhalten, ging Faber mit Ignaz und Laynez nach Rom, hielt dort Vorlesungen für die Gelehrten und katechetische Vorträge für Kinder und das einfache Volk. Dann wurde er nach Parma geschickt, wo alles Volk zu seinen Predigten strömte und sein Beichtstuhl beständig von Büßern umlagert wurde. Mit Priestern und angesehenen Laien hielt er Exerzitien, und gründete drei Vereine für Geistliche, für Bürger und für Frauen.

 

Als die Gesellschaft Jesu 1540 die päpstliche Bestätigung erhielt, wurde Faber nach Deutschland geschickt, um der immer mehr um sich greifenden Irrlehre Luthers und Calvins Einhalt zu tun. Er war der erste Jesuit, der in Deutschland wirkte und der Erfolg seiner Tätigkeit war wunderbar. Durch seine geistlichen Übungen erneuerte er zunächst die guten Sitten und den Eifer der Priester, um durch sie auf das Volk segensreich einzuwirken, und es gelang ihm dies in allen Städten. In Speier nahm man den strengen Sittenprediger anfangs mit Misstrauen auf, aber bald hatte er die Herzen in solchem Maß gewonnen, dass nach Ablauf der Osterzeit alle Geistlichen dem Bischof bezeugten: „In diesem einzigen Jahr haben sich zur österlichen Beichte und Kommunion mehr Gläubige eingefunden, als früher in zwanzig Jahren.“ Der Kurfürst Albrecht von Brandenburg berief ihn nach Mainz, wo er Vorlesungen über die Heilige Schrift hielt, und am 8. Mai 1543 den ersten deutschen Novizen, den berühmten Petrus Canisius, in seinen Orden aufnahm. Zu Löwen gewann er den ausgezeichneten Priester Cornelius Vishave als Ordensmitglied und legte hier und zu Köln den Grund zur Errichtung von Jesuitenkollegien.

 

Die glücklichen Erfolge Fabers in Zurückführung der Verirrten sind hauptsächlich den edlen Grundsätzen zuzuschreiben, die er in einem Brief an seinen Freund Laynez aussprach: „Vor allem muss man die Verirrten mit einer innigen, wahren Liebe umfassen, ihre Neigung und ihr Herz gewinnen, sie mit Höflichkeit anreden und im freundschaftlichen Umgang anfangs nur von Gegenständen reden, worin man gegenseitig übereinstimmt, aber nicht von solchen, die gegenseitige Kämpfe und Trennung der Gemüter veranlassen. Hat man es mit einem Verirrten von unsittlichem Wandel zu tun, so muss man ihn erst vom Laster abzubringen suchen, denn Tugend und Frömmigkeit führen selbst wieder zur Wahrheit.“

 

Groß war die Trauer im ganzen deutschen Reich, als Faber nach kaum vierjähriger Wirksamkeit abberufen wurde, denn er hatte wunderbare Erfolge aufzuweisen. Ein Mitbruder schrieb von ihm: „Fabers Name allein ermutigt die Katholiken in ganz Deutschland und kräftigt die Fürsten zur Wiederherstellung der Religion. Auf seinen Antrieb eilen die Besten überall zu Christus zurück und so manche treten in die Gesellschaft Jesu ein.“

 

Unablässig rief Faber den Himmel an, dass die Irrgläubigen sich bekehren möchten und durch Briefe wirkte er auf die Bekehrten und versuchte sie im Glauben zu stärken. Seine unermüdlichen Arbeiten und Bußübungen rieben seine Kräfte vor der Zeit auf. Als er auf Befehl des Papstes mit Laynez und Salmeron zum Konzil von Trient gerufen wurde, um als päpstlicher Theologe an den Beratungen teilzunehmen, starb er in Rom am 1. August 1546, kaum 40 Jahre alt, betrauert von den Katholiken aller Länder, die sich seiner Tätigkeit erfreut hatten. Gleich nach seinem Tod ehrte ihn das Volk als einen Heiligen. Schon 1561 wurde sein Geburtshaus in eine Kapelle umgewandelt und ein Altar darin vom heiligen Franz von Sales geweiht. Die Seligsprechung des Petrus Faber erfolgte unter Papst Pius IX. am 31. August 1872 und seine Heiligsprechung, wie oben erwähnt, am 17. Dezember 2013 durch Papst Franziskus.