Der heilige Peter Gonzales Telmo von Fromista, Priester in Spanien, + 14.4.1246 - Fest: 15. April

 

 

Der heilige Peter Gonzales aus dem Prediger-Orden (Patron der Schifffahrer)

 

Peter Gonzales (sonst St. Telme oder Elm genannt), aus einer angesehenen Familie, wurde im Jahr 1190 in der Stadt Astorga des Königreiches Leon in Spanien geboren. Da ihn die Natur mit außerordentlichem Scharfsinn begabt hatte, machte er in den Studien schnelle Fortschritte. Er trat in den geistlichen Stand, ohne jedoch die Wichtigkeit eines solchen Schrittes gehörig zu erwägen. Der Bischof von Astorga, sein Oheim, hoch erfreut über seine Fähigkeiten, gab ihm ein Kanonikat an seiner Domkirche, worauf er ihm auch die Würde des Domdechanten verlieh. Der junge Gonzales hatte zwar keine groben Fehler an sich, jedoch war er von dem Weltgeist angesteckt, den das Evangelium verdammt. An seiner neuen Ehrenstelle sah er nur, was seiner Eigenliebe schmeichelte: er wollte, dass die Feier seiner Besitznahme mit dem größten Prachtaufwand geschehe. Und in dieser Absicht durchzog er die Stadt auf einem prachtvoll geschmückten Pferd. Das Beifallklatschen, an dem sich seine Eitelkeit entzückte, dauerte nicht lange, denn das Pferd bäumte sich, tat einen Fehltritt und warf den Reiter in den Kot, was unter den Menschen ein gewaltiges Hohngelächter erregte, was wohl unseren Gonzales nicht wenig gekränkt hatte.

 

Indessen brachte diese Verdemütigung eine gute Wirkung in dem jungen Dechanten hervor: er kehrte in sich und erkannte, dass dieses Ereignis eine Bestrafung seiner Eitelkeit war. So öffnete er nun der Gnade das Herz und nahm sich vor, ihre Eindrücke treu zu befolgen. Den Anfang machte er damit, dass er sich nach Palenzia zurückzog. Abgeschiedenheit, Fasten und Gebet waren die Mittel, deren er sich zur Erkenntnis des göttlichen Willens bediente. Er bekämpfte den Stolz durch Übung einer gänzlichen Abtötung und durch stets wiederholte Selbstüberwindung wurde er ein Muster der Bußübung und Demut. Obgleich er aber die schlechten Neigungen der Natur unterjocht hatte, war er dennoch immer gegen sich selbst misstrauisch. Und um die Früchte der über seine Leidenschaften erfochtenen Siege nicht zu verlieren, trat er in die Reihe der geistlichen Kinder des heiligen Dominikus, die durch ihre hohen Tugenden die Kirche Gottes erbauten.

 

Die Welt verfolgte ihn bis in seine Einsamkeit. Sogenannte Weise setzten alle Springfedern in Bewegung, um ihn dahin zu bringen, dass er seine Ehrenstelle wieder antrete. Aber er war unerschütterlich in seinem Entschluss, mit der Welt gänzlich zu brechen. Nach überstandenem Noviziat legte er seine Gelübde ab und suchte dann weiter mit rastlosem Eifer sich durch strenge Befolgung der Ordensregel in der Tugendübung zu befestigen. Daraufhin entsprach er dem Willen seiner Obern, die ihm befahlen, sich wegen seiner guten Anlagen zum Predigtamt zu befähigen.

 

Nachdem der Heilige den größten Teil der Nacht in Betrachtung und im Absingen des Lobes Gottes zugebracht hatte, widmete er den ganzen Tag dem Unterricht der Gläubigen. Die Liebe, von der seine Seele ausgefüllt war, gab seinen Worten eine Salbung, gegen die sich niemand wehren konnte. Selbst die entschlossensten Wüstlinge zerflossen in Tränen und legten vor seinen Füßen das demütige Bekenntnis ihrer Sünden ab. Er war das Werkzeug unzähliger Bekehrungen im Königreich Leon und Kastilien, besonders aber in der Diözese Palenzia.

 

Der fromme König Ferdinand der Dritte hatte das Verlangen, den Mann Gottes zu sehen und überzeugte sich dann selbst von der Wahrheit dessen, was man ihm von Peter Gonzales gesagt hatte. Er fasste daher gleich den Entschluss, ihn zu sich zu nehmen und immer als Begleiter mit sich zu führen, selbst in den Krieg. Gonzales benützte das ihm geschenkte Vertrauen des Fürsten zur Förderung der Ehre Gottes und brachte es durch Gebet und Ermahnungen dahin, dass die Unordnungen, die am Hof und unter den Kriegsleuten herrschten, größten Teils verschwinden mussten. Seine Beispiele gaben seinen Reden neue Kraft, denn er lebte mitten in den Ehren und im Schoß des Überflusses ebenso regelmäßig und bescheiden als im Kloster. Man sah ihn nie einen Schritt abgehen von seinen Übungen der Geistesversammlung, der Abtötungen und übrigen Tugenden.

 

Wäre er ein gewöhnlicher Mensch gewesen, so hätte er den ihm gelegten Fallstricken unmöglich entgehen können. Eine Frau schmeichelte ihm und wollte ihn verführen. Ihr war gestattet worden, unter vier Augen mit ihm zu reden. Sie wurde durch einige Lüstlinge am Hof in ihrem abscheulichen Vorhaben gestärkt. Sie versprachen ihr eine große Geldsumme, wenn ihr dieses Vorhaben gelingen sollte. Sie ging also zu Gonzales mit den Worten: „Ich komme, Sie über ein Anliegen von höchster Wichtigkeit zu befragen, wir müssen also allein sein.“ Als die Anwesenden hinausgegangen waren, warf sie sich auf die Knie, vergoss falsche Tränen, beteuerte, sie wolle ihr Leben ändern, und begann das Bekenntnis ihrer Missetaten. Hierauf warf sie die Maske ab und sagte alles, was ihr der höllische Feind eingeben mochte, um im Herzen des Heiligen eine unlautere Flamme zu entzünden. Aber alle ihre Kunstgriffe wurden zu Schanden und dienten nur zur größeren Verherrlichung des Tugendhelden. Gonzales sprang in sein Zimmer, in dem ein Feuer brannte, und warf sich, in seinen Mantel eingehüllt, auf die glühenden Kohlen, ließ dann die freche Dirne kommen, damit sie ihn in diesem Zustand erblickte. Diese war dadurch so ergriffen, besonders als sie sah, dass die Feuerglut den Heiligen unversehrt ließ, dass sie die Augen dem Licht der Gnade öffnete. Sie verabscheute nun im Ernst ihre Sünden und beichtete sie mit den bittersten Schmerzgefühlen. Ihr Beispiel zog ebenfalls die Bekehrung jener nach sich, die sie durch ihre Versprechungen zur bösen Tat ermutigt hatten.

 

Gonzales begleitete König Ferdinand auf allen seinen Feldzügen gegen die Mauren und man kann mit Grund behaupten, dass er zu den Siegen dieses Fürsten vieles beitrug, sowohl durch seine Gebete und Ratschläge, als auch durch die Zucht, die er unter den Soldaten und Kriegsobersten einführte. Die Einnahme von Kordova öffnete seinem Eifer ein weites Feld. Er bezähmte die Wut der Sieger, schützte die Unschuld der Jungfrauen gegen die Zügellosigkeit der Soldaten und erhielt mehreren tausend Feinden das Leben. Die Moscheen reinigte er und baute sie in Kirchen um. Ferdinand leistete ihm alle erforderliche Hilfe bei diesen guten Werken und unterstützte alles, was er unternahm, durch sein königliches Ansehen. Die größte Moschee von Kordova, die berühmteste von allen in Spanien, wurde in eine Domkirche umgeschaffen. Man fand dort die Glocken und alles Kirchengerät, welches die Mauren zweihundert Jahre zuvor auf den Schultern der Christen von Kompostell dahin hatten tragen lassen. Ferdinand ließ sie durch die Besiegten auf dieselbe Weise nach Kompostell zurück tragen.

 

Indes verließ der Heilige den Hof, ungeachtet der Bitten und Zusprüche, die man anwandte, um ihn zurückzuhalten. Er wollte endlich dem Drang folgen, den er in seinem Inneren fühlte, die Armen und die Landbewohner zu unterweisen. Die steilsten Berge, die unwegsamsten Orte, die Unwissenheit und Rohheit der Völker, nichts war im Stande, ihn davon abzuschrecken. Das Gebet unterhielt und nährte jenen apostolischen Geist, der ihn beseelte. Sein Predigtamt brachte vorzüglich in den Diözesen Tuy und Kompostell bewunderungswürdige Früchte hervor und durch die Wundergabe, die der Herr seinem Diener verlieh, bekamen dessen Worte neue Kraft. Gonzales besaß ungemeine Fähigkeiten, den Armen die Heilswahrheiten vorzutragen und ihnen Liebe dafür einzuflößen. Die Schiffer schienen ihm auch ein würdiger und vorzüglicher Gegenstand seines Eifers zu sein: er suchte sie auf ihren Schiffen auf und hörte nur mit dem Tod auf, sie zu unterrichten.

 

Als ihm eine innere Stimme seinen Sterbetag bekannt machte, verließ er Tuy, um sich nach Kompostell zu begeben, wo er in den Armen seiner Brüder sterben wollte. Aber auf der Hinreise ging es ihm so übel, dass er an den Ort seiner Abfahrt zurückkehren musste. Sein Freund, der Bischof von Tuy, stand ihm in seiner Krankheit und im Sterben bei. Er wurde in der Domkirche beigesetzt. Sein gottseliger Tod erfolgte am 15. Oder 16. April 1246. Seine durch große Wunder berühmt gewordenen Überbleibsel werden in einem prachtvollen silbernen Kästchen im Dom von Tuy aufbewahrt.

 

Papst Innozenz der Vierte sprach 1254 den Diener Gottes selig und erlaubte den Dominikanern von Spanien dessen Tagzeiten zu halten. Dasselbe Vorrecht bekam danach auch die Stadt Tuy. Der gottselige Peter Gonzales wurde indes nie heilig erklärt. Benedikt XIV. gestattete sein Offizium dem ganzen Orden des heiligen Dominikus. Die Schiffer in Spanien und Portugal rufen ihn bei den Stürmen an und schon mehr als einmal haben sie die unzweideutigsten Merkmale seines Schutzes erhalten. Sie nennen ihn St. Telm oder St. Elm.