Der heilige Perpetuus, Bischof und Bekenner von Tours in Frankreich, + 8.4.491 - Fest: 8. April

 

Perpetuus, den man als den ersten Bischof von Tours, seit dem heiligen Gatian angibt, entstammte aus einer Senatorenfamilie, und besaß in verschiedenen Provinzen beträchtliche Güter: allein er verwandte seine Reichtümer zum Vorteil der Kirche und zur Unterstützung der Armen. Er war nicht sobald auf den bischöflichen Sitz von Tours erhoben, als er mit allen Kräften das Aufblühen der Gottesfurcht in seiner Diözese beförderte. Er hielt mehrere Synoden, worin sehr weise Satzungen abgefasst wurden. Der Heilige schrieb darin die Art und Weise vor, wie man die Vorabende der großen Festtage in den verschiedenen Kirchen der Stadt begehen musste. Er verordnete das Fasten an den Mittwochen und Freitagen, ausgenommen von dem Tag des heiligen Johannes des Täufers bis zu Ende des Augusts, von Weihnachten bis zum 14. Januar, und während der ganzen österlichen Zeit. Auch befahl er, noch an einem dritten Tag der Woche zu fasten, von dem Fest des heiligen Martinus bis Weihnachten: man glaubt, dies sei der Montag gewesen. Dem sei nun, wie ihm wolle, dieser Tag beweist das Altertum des Adventes. Diese Verordnungen wurden noch Zeit beobachtet, als der heilige Gregorius seine Geschichte schrieb, d.h. 120 Jahre nach dem Tod des heiligen Perpetuus.

 

Dieser große Diener Gottes hatte eine besondere Hochachtung für die Heiligen: er verehrte ihre Reliquien, verzierte ihre Einfassungen, und schmückte die unter ihrer Anrufung stehenden Kirchen. Jene des heiligen Martinus, die von Bricius erbaut worden war, schien ihm zu klein für die von allen Seiten dahin strömenden Gläubigen. Er ließ daher eine größere und prachtvollere aufführen. Als sie beendigt war, und er sie eingeweiht hatte, übertrug er den Leichnam des heiligen Martinus dahin am 1. Juli 473.

 

Nichts beurkundet mehr seine Liebe zu den Armen, als sein Testament, das bis zu uns gekommen ist, und das er am 1. März 475, 15 oder 16 Jahre vor seinem Tod unterzeichnete. Zuerst lässt er seinen Gläubigern alles, was sie ihm schuldig sein könnten, nach, dann vermacht er seine Büchersammlung und noch andere Gegenstände seiner Kirche, und setzte zuletzt die Armen als seine Erben ein. Der Anfang davon lautet wie folgt: „Im Namen Jesu Christi. Amen. Ich, Perpetuus, Sünder und Priester der Kirche von Tours, wollte nicht sterben, ehe ich meine letzte Willensmeinung bekannt gemacht habe, aus Furcht, die Armen möchten bei Verteilung meiner Güter vergessen werden.“ Weiter unten fährt er so fort: „O ihr, die ich in meinem Herzen trage, meine geliebten Brüder, meine Krone, meine Freude, meine Gebieter, meine Kinder, o ihr, Arme Jesu Christi, die ihr in Dürftigkeit lebt, die ihr euer Brot bettelt, Kranken, Witwen und Waisen, ich erkläre euch, nenne euch, setze euch als meine Erben ein. Mit Ausnahme dessen, worüber ich oben verfügt habe, gebe ich euch alles, was ich besitze, Felder, Triften, Wiesen, Wälder, Weinberge, Häuser, Gärten, Bäche, Mühlen, Gold, Silber, Kleider und alles. Ich will, dass gleich nach meinem Tod alle diese Güter veräußert, und der Erlös in drei Teile zerlegt werde, wovon zwei, nach der Anweisung des Priesters Agrarius und des Comes Agilo, unter die armen Männer vergeben werden, den dritten soll man der Jungfrau Dadolena einhändigen, um ihn unter die Witwen und Armen des weiblichen Geschlechtes zu verteilen.“ Der Heilige fügt noch zärtliche Mahnungen zur Eintracht und Frömmigkeit bei. Dann vermachte er noch seiner Schwester Fidia Julia Perpetua ein kleines goldenes Kreuz nebst Reliquien. Auch vermachte er Verschiedenes seinen Freunden und Priestern, dem einen ein silbernes Reliquienkästchen, dem anderen goldene oder silberne Kreuze und Kelche, und beschwur sie sämtlich, seiner eingedenk zu sein in ihren Gebeten.

 

Der heilige Perpetuus starb am 30. Dezember 490, oder am 8. April 491. Florus und andere alte Martyrologien geben den ersten Tag an. Usuard und das römische Martyrologium aber den zweiten. Dieser heilige Bischof hatte das Bistum Tours 30 Jahre regiert. Er wurde in der Kirche des heiligen Martinus beigesetzt. Der Verfasser seiner Grabschrift und der heilige Sidonius Apollinaris erteilten ihm die herrlichsten Lobsprüche. Der erste stellt ihn dem großen heiligen Martinus gleich, und der zweite sagt, er habe dessen Tugenden getreulich nachgeahmt.