Die heilige Pelagia von Antiochien, Jungfrau und Martyrin, + um 306 – Festtag: 9. Juni

 

Die morgenländische Kirche verehrt drei Jungfrauen mit dem gleichen Namen Pelagia an einem Tag, dem 8. Oktober. Doch nur von einer lässt sich noch das leuchtende Lebensbild einigermaßen aus dem Dunkel der Geschichte und dem Gewirr der Legende herausstellen. Es ist die heilige Jungfrau und Martyrin Pelagia von Antiochien.

 

Ihr Leidenstod fällt in die furchtbare Heimsuchung, die die diokletianische Christenverfolgung, die blutigste, längste und ausgedehnteste unter allen, über die Kirche Gottes heraufführte. Hatte auch die Verfolgung im Abendland nach der Abdankung des Kaisers im Jahr 305 unter dem milderen Herrscher Konstantius Chlorus, dem Vater Konstantins des Großen, ein rasches Ende gefunden, so wütete sie um so heftiger noch Jahre lang unter den Kaisern Galerius und Maximinus Daza durch alle Kirchen des Morgenlandes. Die Zahl der Opfer war außerordentlich groß. Zu den gefeiertsten unter ihnen zählt die fünfzehnjährige Pelagia. Der heilige Chrysostomus, der gleich ihr aus Antiochien gebürtig war, ehrte ihr Andenken in zwei noch erhaltenen Lobreden. Der heilige Ambrosius setzte ihr sowie ihrer heiligen Mutter und ihren jungfräulichen Schwestern ein nicht weniger würdiges Denkmal im dritten Buch seiner Abhandlung über die Jungfrauen.

 

Der geschichtliche Vorgang ihres Martyriums war kurz folgender: Als der Verfolgungssturm über Antiochien hereinbrach, wurde Pelagia von den Häschern aufgegriffen und sollte um ihres Glaubens willen vor Gericht geschleppt werden. Furchtlos sah sie dem Tod ins Auge. Um so mehr glaubte sie aber für ihre Unschuld fürchten zu müssen. „Denn zu Qualen, Martern und Peinen,“ versichert der heilige Chrysostomus, „war sie wohl bereit, aber vor dem Verlust der Krone der Jungfräulichkeit bangte ihr.“ „Hätte sie beides, die Jungfräulichkeit und die Krone des Martyriums, zugleich wahren können, würde sie keinesfalls dem Gang zum Gericht ausgewichen sein.“ Welchen Plan fasste sie nun? Oder vielmehr welchen Entschluss gab ihr der Seelenbräutigam innerlich ein? Denn ob auch äußerlich von Mutter und Schwester getrennt, „war sie doch innerlich nicht allein,“ wie wiederum der heilige Chrysostomus hervorhebt, „sondern hatte Jesus zum Berater. Er stand ihr bei, er rührte ihr Herz, er stärkte ihren Mut und bannte die Furcht. Nicht ohne Grund ließ die Martyrin sich zu jenem Beginnen fortreißen; sie hatte sich vielmehr zuvor seines Beistandes würdig erwiesen.“ Unter dem Vorgeben, den Brautschmuck zum Todesgang anlegen zu wollen, erbat sie sich von den Schergen die Erlaubnis, sich für einige Augenblicke ins Innere des Hauses zurückziehen zu dürfen. Doch statt zurückzukehren, enteilte sie über die Treppe nach oben und stürzte aus der Höhe in die Tiefe, um so mit dem Leben zugleich ihre Unschuld in die Hände ihres Schöpfers und Erlösers zurückgeben zu können. Vor die Wahl zwischen Tod und Tod gestellt, wählte sie auf inneren Antrieb jenes Martyrium, das ihr in der gegebenen Notlage als das gottwohlgefälligere dünkte, indem es zwei Siegeskronen zugleich vereinigte, die des Glaubens und der Jungfräulichkeit. „Es wäre in ihren Augen recht töricht gewesen, nur nach einer Siegeskrone auszulangen, da beide erreichbar schienen.“

 

Mutter und Schwestern, letztere ebenfalls Jungfrauen, folgten ihr in den selbstgewählten Leidenstod. Des heiligen Ambrosius Lobrede enthält hierüber Folgendes: „Sobald die verächtlichen Häscher der keuschen Beute sich verlustig sahen, fingen sie an nach der Mutter und den Schwestern zu fahnden. Noch erreichten diese indes, wie auf geistigen Schwingen der Keuschheit, das freie Feld. Da sahen sie sich plötzlich von der einen Seite durch die nahenden Verfolger, von der anderen durch einen reißenden Fluss von der Flucht abgeschnitten, oder vielmehr schon eingeschlossen, um die Siegeskrone zu verdienen. Was bangen? sprechen sie, seht, da ist Wasser! Wer hindert uns, dass wir getauft werden? (Apg 8,36) Auch das ist eine Taufe, durch die die Sünden vergeben, das Himmelreich erworben wird. Auch das ist eine Taufe, nach der niemand mehr sündigt. Möge das Wasser uns aufnehmen, das die Wiedergeburt bewirkt . . ., den Himmel öffnet, die Wehrlosen deckt, den Tod birgt, Martyrer schafft! Dich, o Gott, Schöpfer der Dinge, bitten wir, dass die Flut selbst unsere Leiber nicht trennen möge! . . . Nein, die gleiche Standhaftigkeit, der gleiche Tod und das gleiche Grab einige uns! So sprachen sie und schürzten das Gewand, um die Schamhaftigkeit zu wahren und doch den Gang nicht zu behindern, die Hände wie zum Reigen geschmiegt. So schritten sie in die Mitte des Strombettes vor. Wo die Strömung am reißendsten, wo die Tiefe am jähesten war, dahin lenkten sie den Schritt. Keine zog den Fuß zurück, keine hielt den Gang inne . . . Da hätte man die besorgte Mutter sehen sollen, wie sie mit krampfhafter Hand die Lieblinge umschlang. Diese Opfer, betete sie, bringe ich dir dar, Christus: Hüterinnen der Keuschheit, Führerinnen des Weges, Genossinnen des Leidens . . .! Die Flut,“ so schließt der Heilige, „entblößte ihre Leichen nicht, die reißende Strömung trug sie nicht fort. Noch hielt die heilige Mutter, obschon der Sinne beraubt, die Kinder in Liebe umfangen und löste das fromme Band, das sie geschlungen, selbst im Tode nicht. Wie sie der Gottesverehrung ihren schuldigen Tribut geleistet hatte, so sollte im Tod der Mutterliebe das Erbe bleiben. Noch im Tod durfte sie die Kinder, die sie zusammen ins Martyrium geführt hatte, in ihre Arme aufnehmen.“

 

Fast noch ein Kind, ging die fünfzehnjährige Pelagia als Sieghafte Streiterin der Keuschheit, als heldenmütige Martyrin „ins Haus ihrer Ewigkeit“, ein leuchtendes Vorbild jungfräulicher Seelen. Der schönste Nachruf steht auch von ihr zu lesen im Buch der Weisheit, Kapitel 4: „O, wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanz! Unsterblich ist sein Andenken, und bei Gott und den Menschen ist es anerkannt. Ist es da, ahmt man ihn nach; entzieht es sich dem Blick, sehnt man sich danach. Und ewig triumphiert es mit der Siegeskrone und trägt den Kampfpreis unbefleckter Reinheit davon.“