Der heilige Paternus, Inkluse von Abdinghof bei Paderborn, + 10.4.1058 – Fest: 10. April

 

Überzeugt von der segensreichen Wirksamkeit des Benediktinerordens, baute der heilige Bischof Weinwerk in Paderborn das prächtige Kloster Abdinghof, dessen Grundstein im Jahr 1015 gelegt wurde, das aber mit dem Tempel erst 1031 vollendet und am 2. November feierlich eingeweiht wurde. Unter den ersten Insassen dieses Klosters wird rühmlichst genannt der Mönch Paternus, der seine Heimat in Schottland verließ und voll Liebe zu beständiger Einsamkeit sich die Gnade erbat, neben Abdinghof eine kleine Zelle zu bauen, um völlig getrennt vom Umgang mit Menschen, mit Gott allein in Gebet und Betrachtung zu verkehren. Hier lebte er viele Jahre in seiner Klause.

 

Vom göttlichen Geist erleuchtet und ermahnt verkündete er eins nicht nur dem Bischof, sondern auch der ganzen Stadt, Paderborn würde, wenn es nicht durch schleunige und aufrichtige Buße den Zorn Gottes besänftige, innerhalb dreißig Tagen durch eine furchtbare Feuersbrunst zugrunde gehen; es sei Zeit, dass sich die Einwohner ihrer Frevel enthielten und sich unverzüglich mit reuigen Herzen zu Gott wendeten. Es sei kein anderer Weg, um die drohenden Strafgerichte von ihrem Nacken fern zu halten. Die Übermütigen verlachten solche Drohungen und meinten, der Einsiedler leide am Wahnsinn. Die alten lasterhaften Gewohnheiten dauerten fort, man dachte nicht an Besserung der Sitten, bis der von Gott angekündigte, verhängnisvolle Tag kam – es war der 10. April, am Freitag vor Palmsonntag des Jahres 1058. Da brach an sieben Stellen der Stadt zugleich ein mörderisches Feuer aus, verbreitete sich mit Riesenschritten über alle Häuser und Gebäude, ergriff die Domkirche zugleich mit dem benachbarten Kloster Abdinghof und beraubte sie des Daches, während Meinwerks fester Steinbau unverletzt blieb. Das Kloster aber flammte mit seinem Gebälk und seiner inneren Einrichtung bis auf geringe Reste auf; nur das Haus- und Kirchengerät, das auf den Rat des heiligen Paternus vorher in Sicherheit gebracht wurde, wurde gerettet.

 

Schon züngelte die gierige Flamme um die kleine Zelle des heiligen Klausners. Die Ordensbrüder baten und beschworen ihn, schleunigst den Flammen zu entfliehen und sein Leben zu retten, er aber, auf seiner Matte kniend und inbrünstig zu Gott betend, ließ sich nicht bewegen, sein Gott gemachtes Gelübde zu brechen, und vertraute, Gott werde ihm seine Klausur erhalten oder, wenn es sein heiliger Wille ist, ihm in den reinigenden Flammen einen seligen Tod verleihen. In wenigen schrecklichen Minuten verzehrten die Flammen die Klause samt seinem Bewohner.

 

Dass Gott dieses Brandopfer christlichen Heldenmutes und heiligen Gelübdes nicht missfallen habe, geht aus dem wunderbaren Umstand hervor, dass die Flammen zwar die ganze Zelle mit dem heiligen Klausner verzehrten, aber die Strohmatte, auf der Paternus vor seinem Altärchen zu knien pflegte, völlig unversehrt ließen. Sechzehn Tage nach dem furchtbaren Brand kam der Schriftsteller Marianus Scotus von Köln nach Paderborn und kniete zwischen den Trümmern betend auf der Matte, auf der der heilige Paternus den Tod des Verbrennens erlitten hatte. Und durch dieses augenfällige Wunder wurde er so gerührt, dass er sogleich ein gleiches Einsiedlerleben begann, und zuerst zehn Jahre zu Fulda, darauf siebzehn Jahre zu Mainz im St. Martinskloster als Eingeschlossener lebte.

 

Der heilige Paternus

 

Schwarze Wolkenberge jagen

Vor dem jähen Wirbelsturme,

Donner rasseln, Blitze züngeln

Auf den Dächern, auf dem Turme.

 

Weh! Soll Paderborn vergehen

Heut‘ in Rauch und Feuerflammen?

Glocken schmilzen und des Domes

Dach fällt krachend schon zusammen.

 

Auch in Abdinghof, dem Kloster,

Wälzen sich die Feuersäulen

Riesenhaft von Fach zu Fache

In des Wettersturmes Heulen!

 

Alles flüchtet mit Entsetzen

Von dem Ort der Angst und Schrecken,

Wo die Feuerzungen gierig

Am Gebälk der Zellen lecken.

 

Nur Paternus, Odos Jünger,

Kniet noch in der kleinen Zelle

Vor dem Bildnis des Erlösers

In der Flammengluten Helle.

 

Seine Brüder rufen zitternd:

„Säumst du noch? Fort, dich zu retten,

Ehe dich in jähem Ansturm

Flammenglut und Trümmer betten!“

 

Doch Maternus auf der Matte

Kniend und von Glanz umflossen,

Achtet nicht der Brüder Bitten,

Fleht, in Andacht hingegossen:

 

„Herr des Himmels! Dir gelobt ich,

Nie die Zelle zu verlassen,

Bis des Todes dürre Rechte

Mich erlösend würd‘ erfassen.

 

Willst du mich in Flammen läutern,

Vater, so gescheh‘ dein Wille!

Loht, ihr heil’gen Flammen, lohet

Und verzehrt die nicht’ge Hülle!

 

Was dem Staube ward entnommen,

Mag dem Staube auch verfallen!

Meine Seele wird geläutert

Dann zu ihrer Heimat wallen!“

 

Sprach’s. Da brachen in die Zelle

Dichter Qualm und rote Flammen

Und verzehrten unersättlich

Holz und Halmendach zusammen.

 

Unversehrt vom Feuer blieb nur

Jene strohgeflocht’ne Matte,

Drauf der fromme Klosterbruder

Sterbend noch gebetet hatte.