Der heilige Pankratius, Junge und Martyrer von Rom, + 12.5.304 - Fest: 12. Mai

 

Dreier Martyrer und einer heiligen Jungfrau gedenkt heute die Kirche. Nereus, Achilleus, Pankratius und Domitilla heißen sie. Es ist eine ganze Prozession, und mit Recht singt man bei ihrem Anblick: „Dich lobpreist, Herr, der Martyrer strahlendes Heer.“

 

Von den vier Tagesheiligen soll hier jener näher beschrieben werden, der mit vierzehn Jahren sein Blut im Martertod für den wahren Glauben vergossen hat. Es ist der heilige Pankratius.

 

Pankratius war nach der Legende in Kleinasien daheim. Dort erblickte er als Spross eines reichen Hauses im Jahr 290 das Licht der Welt. Heidnisch wie die Eltern war auch er. Früh starben dem Jungen der Vater und die Mutter weg. Ein Onkel nahm sich des Verwaisten an, und eines Tages packten beide, der Onkel und der Neffe, die Koffer und wanderten hinaus in die weite Welt nach Rom, der reichen herrlichen Kaiserstadt an den Ufern des Tiber.

 

Wie es jedem ergeht, der vom Land in die Großstadt kommt, so erging es damals auch dem vierzehnjährigen Pankratius. Die Augen liefen ihm über vom Schauen. Alles war schön in Rom, alles ohne Ausnahme: die Kaiserburg mit dem goldenen Dach, die Paläste der Millionäre, die Tempel, das große steinerne Ringtheater und so weiter. Am meisten Gefallen fand Pankratius an den Soldaten, denen er auf Schritt und Tritt begegnete, und wenn gar die kaiserliche Garde mit klingendem Spiel vorüberzog, so geriet der Junge rein aus dem Häuschen.

 

Bald darauf brachte es eine Gelegenheit mit sich, dass Pankratius mit einem der Gardeoffiziere, mit dem prächtigsten von allen, Bekanntschaft machte und Freundschaft schloss. Sebastian hieß der Offizier. Es war ein lieber Mensch, der interessant zu erzählen verstand, von Christus, der Mensch wurde und Gott blieb, der den Menschen Erlösung brachte, der heilig und groß war im Leben, wunderbar in seiner Lehre und über alles hoch und erhaben in seinem Sterben. Am dritten Tage sei er glorreich von den Toten auferstanden, sei vierzig Tage später in den Himmel aufgefahren, und von dort werde er am Ende der Welt zurückkehren, um zu richten die Lebendigen und die Toten.

 

Das alles und noch vieles andere, was Jesus tat und lehrte, erzählte der Gardeoffizier Sebastian dem jungen Freund, und dabei redete er mit einer Glut der Begeisterung, die einfach mitriss. Bald sprachen die beiden Freunde, sooft sie sich trafen, nur noch von Christus. Pankratius erhielt Unterricht im christlichen Glauben, und am darauffolgenden Karsamstag befand auch er sich in der Reihe der Täuflinge. Sebastian war sein Pate. Ein heiliger Schauer durchrieselte den Jungen, als man ihm nach der Taufe das lange weiße Taufkleid überwarf und die mahnenden Worte zurief: „Nimm hin das weiße Kleid und bringe es unbefleckt vor den Richterstuhl unseres Herrn Jesus Christus, damit du das ewige Leben habest.“ Im gleichen Augenblick und mehr noch kurz danach beim Empfang der ersten heiligen Kommunion im Osteramt nahm sich Pankratius fest vor, die Taufgnade und die Taufunschuld unversehrt zu bewahren, und ganz und gar entsprach es seiner Überzeugung, was er im Verein mit den anderen Täuflingen und Erstkommunikanten sang:

 

Mit dem Herzen, mit dem Munde

Schwören wir in dieser Stunde,

Jesus ewig treu zu sein.

Nimmer werde je gebrochen,

Was wir Jesus heut versprochen,

Ewig treu uns ihm zu weih´n.

 

An Ostern fand die hehre Feierstunde statt, und wenige Wochen später bereits kam für Pankratius die Stunde der Bewährung. Herrlich hat er sich bewährt. Nachdem erst sein Pate, der heilige Sebastian, glorreich das Martyrium bestanden hatte, kam die Reihe an Pankratius. Der Kaiser selbst bemühte sich, ihn vom Glauben abzubringen, tätschelte ihm die Wange und versprach ihm goldene Berge. Pankratius jedoch entgegnete ihm: „Spare dir deine Mühe! Wenn ich auch erst vierzehn Jahre alt bin, meinen Jesus lasse ich nicht. Das habe ich ihm geschworen, und meinen Eid halte ich heilig.“ So sprach der jugendliche Held und erlitt kurz darauf den Martertod durch Enthauptung. Man schrieb damals den 12. Mai 304.

 

Pankratius hat also seinen Treueschwur gehalten.