Die heilige Ositha (Osgith), Äbtissin und Martyrin von Chich, England, + 7.10.870 - Fest: 7. Oktober

 

Die heilige Ositha, eine Prinzessin von England, ist wahrscheinlich im Anfang des neunten Jahrhunderts auf die Welt gekommen. Friedebaldus und Wilteberga, ihre Eltern, weil sie selbst zu aller Andacht geneigt waren, haben ihre Tochter frühzeitig in ein Kloster geschickt, damit sie dort gottesfürchtig erzogen würde. Die heilige Editha, eine leibliche Schwester des Königs Alfridus, stand diesem Kloster, in dem die kleine Ositha sich aufhalten sollte, als Oberin vor. Gleichwie sie nun selbst einen heiligen Lebenswandel führte, so bemühte sie sich, auch Ositha zu aller Tugend anzuweisen. Ositha zeigte sich bereit zu allem, und ließ schon in ihren zarten Jahren einen solchen Eifer verspüren, dass man von einer erwachsenen Klosterfrau kaum mehr hätte erwarten können. Das Beispiel ihrer heiligen Oberin und anderer gottgeweihten Frauen stand ihr beständig vor Augen, und nach diesem versuchte sie ihr Leben einzurichten.

 

Nach einigen Jahren wurde sie vom Vater aus dem Kloster an den Hof berufen. Sie vermerkte dort sehr viele Gefahren, ihre Unschuld zu verlieren, wusste sich aber dem entsprechend zu verhalten, so dass sie allen Gefahren widerstand. Die Mittel, die sie dazu gebrauchte, waren vor allem Gebet, Betrachtung und der häufige Empfang der heiligen Kommunion. Auf dem Weg der Tugend, den sie im Kloster zu gehen angefangen hat, blieb sie standhaft, und ließ sich keineswegs durch die Ausgelassenheit des Hoflebens einnehmen.

 

Mit der Zeit geschah es, dass Sigerius, ein mächtiger Beherrscher der Sachsen, Ositha zur Ehe begehrte. Die Eltern willigten ohne weitere Bedenken ein; Ositha aber, die sich schon vorher durch ein Gelübde mit dem jungfräulichen Leben verbunden hatte, konnte durch alle möglichen Zureden und Versprechungen nicht zur Einwilligung gebracht werden. Schließlich gebrauchten die Eltern Gewalt und Ositha wurde gezwungen das Jawort zu geben. Die Hochzeit wurde mit königlicher Pracht vollzogen. Die königliche Braut aber sandte ihre Seufzer zu Gott und bat inständig um mächtigen Schutz ihrer Jungfräulichkeit. Gott gab ihr auch besondere Gnade, dass sie ihren Gemahl unter allerhand Vorwand abhielt von dem, wodurch ihr Gelübde verletzt werden konnte. Es ereignete sich auch unversehens ein Zufall, der Sigerius an einen anderen Ort berief. Kaum hatte er sich entfernt, da lief Ositha heimlich vom Hof weg, floh in ein Kloster, ließ sich dort die Haare abschneiden und ein geistliches Kleid anlegen. Dann nahm sie ihre Zuflucht mit größerer Zuversicht zu Gott, demütigst bittend, er möge das Herz ihres Mannes so leiten, dass sie von dem, was sie aus Liebe zur Jungfräulichkeit getan hatte, nicht mit Gewalt hinfort geholt werde. Das Gebet ist erhört worden; denn als Sigerius alles vernahm, was sich zugetragen hatte, zeigte er zwar einen heftigen Schmerz über den Verlust seiner so liebenswürdigen Gemahlin, wollte sie aber nicht von ihrem Vorhaben abhalten, sondern wünschte ihr Glück zu dem Stand, den sie erwählt hatte. Er baute ihr sogar ein besonderes Kloster und unterhielt es dann auch mit reichlichen Einkünften, damit sie dort mit allen, die ihrem Beispiel folgen wollten, Gott dem Herrn desto ruhiger dienen könnte. Das Vergnügen, mit dem das Herz der keuschen Ositha deswegen ganz erfüllt wurde, war größer, als dass man es mit Worten erklären könne.

 

In dem neu erbauten Kloster führte die heilige Ositha ein mehr engelhaftes, denn menschliches Leben so lange, bis ein dänischer Seeräuber mit etlichen Schiffen in der Nähe ihres Klosters angelandet und mit seinen Kumpanen an Land gestiegen ist. Die ganze Gegend, wo der Barbar hinkam, wurde durch Rauben und Plündern, durch Feuer und Schwert verheert. Die größte Wut ergoss sich über das das Kloster. Der Seeräuber, als er eingedrungen war und die heilige Ositha zu Gesicht bekommen hatte, ließ sich von ihrer außerordentlichen Schönheit ganz einnehmen. Und als er hörte, dass sie von königlicher Herkunft war, verlangte er sie zur Ehe. Die keusche, Gott verlobte Jungfrau, beteuerte ohne jede Zaghaftigkeit, dass sie sich niemals mit ihm in eine Ehe einlassen könnte noch wollte, sowohl weil sie eine Christin und er ein Heide sei, als auch weil sie sich schon mit dem himmlischen Bräutigam vermählt hätte. Der Barbar wollte nicht weichen, setzte ihr mit Liebkosen und Versprechen lange Zeit zu. Da er aber merkte, dass dies umsonst wäre, verkehrte er die Liebe in eine Raserei und verlangte mit vielen Drohungen: wenn sie sich nicht mit ihm verehelichen wollte, so sollte sie wenigstens den Glauben Christi verlassen, sonst würde sie keine Stunde mehr zu leben haben. Die heilige Ositha, ganz erfreut über die Gelegenheit, Christus zu Liebe ihr Leben zu lassen, rief ganz unerschrocken, dass sie bereit wäre, eher nicht nur einmal, sondern hundertmal zu sterben, als von dem Glauben Christi abzuweichen. Einen so unerwarteten Heldenmut konnte der Unmensch nicht ertragen, sondern zog voller Wut sein Schwert aus der Scheide und schlug der keuschen christlichen Heldin mit eigener Hand das Haupt ab. Mit einem so glorreichen Ende beschloss die heilige Ositha ihr unschuldiges Leben. Gott hat ihr Grab durch viele Wunderwerke bei der Nachwelt herrlich gemacht.

 

Der Christ ist stark, aber nur in Gott. Je näher mit Gott verbunden, desto stärker wird er. Darum seufzen fromme Seelen so sehr nach der Liebe Gottes, nach der Vereinigung mit Gott; darum lieben sie die Andacht, die zu Gott hinauf zieht, die Einsamkeit, die Gottes Gegenwart in der Seele vor Zerstreuung bewahrt. Die öftere Kommunion ist den liebenden Seelen die Vereinigung mit Gott und die Quelle aller Gnade, aller Stärke, alles Trostes und allen geistigen Lebens; denn in Christus sind alle Schätze der Gnade und des Lebens verborgen.