Der heilige Olaf II., König und Martyrer von Norwegen, + 29.7.1028 - Fest: 29. Juli

 

König Olav von Norwegen wurde im Jahr 995 geboren. Die Eltern waren heidnische Normannen. Olav bekam eine Erziehung, die allein darauf abzielte, den Körper für Kampf und Krieg stark und hart zu machen. Mit Sport hatte die Erziehung schon gar nichts zu tun. Sicherlich soll besonders die Jugend Sport treiben und im Turnen und Laufen und Rennen und Rudern und Springen und Ringen den Körper stärken und kräftigen, aber jeder weiß auch, dass der Sport nicht viel wert ist, wenn nicht anständig und ehrlich und fair gespielt wird. Auch muss der Sport immer in vernünftigen Grenzen bleiben.

 

So war es bei den Normannen nicht. Wer sich beispielsweise einem einzelnen Feind gegenübersah, durfte sich nicht von einem anderen helfen lassen. Gegen zwei Feinde hatte man sich zu wehren, gegen drei durfte man nicht weichen, erst bei einem Kampf gegen vier war die Flucht keine Schande. Wer nicht ohne Klage die Schmerzen der Wunden ertrug, war kein Mann. Nie durfte der Pfeil das Ziel verfehlen. Den Speer musste man mit der Linken geradeso gut führen können wie mit der Rechten. Und das Schwert war so schnell zu schwingen, dass es schien, es blitzten viele Schwerter zugleich in der Luft. In voller Rüstung musste man so hoch springen können, wie man groß war. Im Laufen galt es, gleichen Schritt mit dem schnellsten Pferd zu halten, und im Schwimmen musste man wendig sein wie ein Fisch.

 

So wurden bei den Normannen die Jungen einseitig und allzu hart erzogen. Die Königssöhne unter ihnen, wie Olav einer war, hatten es noch schwerer als die anderen, denn nur derjenige wurde als König anerkannt, der an Kraft und Stärke alle übertraf.

 

Olav war der Beste von all seinen Altersgenossen. Keiner reichte an ihn heran. Und als man seinen Vater hinterrücks erschlug, wurde er mit jungen Jahren König. Olav war ein kriegerischer König, den es kaum zu Hause hielt. Mit pfeilschnellen Wikingerboten befuhr er nach Normannenart die Meere, enterte die Schiffe und brandschatzte die Städte an den Küsten des Festlandes. Bis Köln und bis Paris fuhren die Normannen die Flüsse hinauf, raubten und plünderten, und weil sie das Kreuz, das sie nicht kannten, hassten, scheuten sie sich nicht, die Altäre zu entweihen, die Gotteshäuser in Ställe umzuwandeln und die Priester zu erschlagen.

 

Olav wusste es nicht anders, denn so war es ihm von den Vorfahren überliefert worden. Von christlicher Heiligkeit kann also bei dem jungen Olav keine Rede sein.

 

Da griff Gott ein. In einem Krieg verlor König Olav Thron und Land und flüchtete über das Meer nach Frankreich. Dort gingen ihm in christlicher Umgebung Augen und Herz für die Schönheit des wahren Glaubens auf. Er ließ sich taufen. Und wie einst aus dem Christenverfolger Saulus ein Apostel Paulus, so ähnlich wurde aus dem heidnischen Wikinger Olav ein christlicher Held, der, als er später wieder in die Heimat zurückkehren konnte, alles daransetzte, den Glauben an Christus in Norwegen einzuführen.

 

An vielen Orten erbaute Olav Kirchen und Kapellen. Von England ließ er christliche Priester kommen. Mit eigener Hand zerschlug er die Götzenbilder, kämpfte gegen Trunksucht und Zauberei, verbot den Seeraub und strafte alle, die Unrecht taten, ob sie Herren oder Knechte waren, ohne Ansehen der Person nach Recht und Gerechtigkeit. In wenigen Jahren, so schien es wenigstens, wurden unter dem Einfluss des Christentums aus den wilden Wikingern gesittete Menschen.

 

Doch es schien nur so. Die Großen des Landes, die sich in ihren Rechten beeinträchtigt glaubten, hetzten so lange, bis das Volk sich gegen den König erhob. In der Nähe von Drontheim kam es zum entscheidenden Kampf. Allzu ungleich waren die Kräfte verteilt. König Olav verlor Schlacht und Leben. Das Heidentum hatte über das Christentum gesiegt. Und dann siegte trotzdem das Christentum über die anderen, denn bereits an der noch warmen Leiche des gefallenen Helden erhielt ein Blinder das Augenlicht wieder. Von der Stunde an versiegte der Strom der Wunder nicht mehr, die sich an dem Königsgrab zu Drontheim ereigneten, um davon zu berichten, dass derjenige, der im Grab ruhte, ein Heiliger war.

 

Vor dem Strom der Wunder vom Königsgrab zu Drontheim zog sich das Heidentum zurück, und der wahre Glaube, vom Blut des christlichen Heldenkönigs befruchtet, eroberte für immer das Land und die Leute, die Häuser und die Herzen.