Die selige Mechthild von Andechs, Äbtissin von Dießen und Edelstetten, + 31.5.1160 – Fest: 31. Mai

 

„Im Jahr 1468 nach der jungfräulichen Geburt unseres Herrn, am Fest der heiligen Martyrer Gordianus und Epimachuns (10. Mai), wurden die Gebeine der seligen Mechthild unverwest gefunden, gar geziemend eingeschlossen in einem Steinsarg tief unter der Erde. Fleisch und Kleider waren schon gänzlich zerfallen, nur der Schleier, wodurch sie sich einst Christus als Braut geweiht, wurde noch am Haupt befestigt gefunden. Sie lag aber dort im Staub der Erde bereits 308 Jahre.“ So meldet ein alter Chronist über die Erhebung der seligen Mechthild von Dießen. – Das Fleisch war eine Speise der Würmer geworden, die Kleider ein Raub des Moders: aber unvergänglich blieb das Zeichen ihrer Jungfrauschaft, das Zeugnis Christi für seine reine Braut.

 

Mechthild war erst fünf Jahre alt, da wurde sie von ihren Eltern – ihr Vater war der hochmächtige Graf Berthold von Andechs – im Kloster Dießen Gott dargebracht. In Eintracht dienten dortselbst dem Herrn Chorherren und Chorfrauen nach der sogenannten Regel des heiligen Augustin. Wie eine wohlgepflegte Lilie wuchs das Mädchen heran, und als ihr Kelch sich bereits zu vollem Liebreiz entfaltet hatte, bekräftigte sie durch feierliches Gelübde den Weiheakt ihrer Eltern. Genaueres wissen wir über ihr Leben in Dießen nur sehr wenig. Aber wie der Mönch Engelhard von Langheim, der ein Menschenalter nach ihrem Tod das Leben der Seligen beschrieb, erzählt, wollte sie schon bei Lebzeiten nicht das Geringste von ihren Angelegenheiten an die Öffentlichkeit gelangen lassen. Demut und größte Zurückgezogenheit waren immer die besten Schutzmauern jungfräulicher Reinheit. Und alles, was uns aus dem Leben der Seligen an Einzelzügen berichtet wird, ist ein Ausfluss dieser Tugenden. Von der Welt wollte Mechthild nichts wissen. Wenn ihre fürstlichen Brüder sie besuchten, so mussten sie froh sein sie überhaupt zu Gesicht zu bekommen, so schnell huschte sie aus dem Sprechzimmer wieder hinaus. Jene verargten ihr das keineswegs, sondern behandelten sie stets mit größter Ehrfurcht und nannten sie ihre Herrin. Aber das war auch wieder so ein Titel, den die Selige um ihr Leben nicht leiden konnte. Als sie zur Meisterin (Priorin) gewählt worden war, wollte sie durchaus nicht mit domina (Herrin), sondern nur mit soror (Schwester) angeredet werden.

 

Das größte Kreuz schickte Gott ihrem demütigen Sinn, als sie 1143/44 zur Äbtissin des Frauenstiftes Edelstetten berufen wurde, um das zuchtlos gewordene und wirtschaftlich heruntergekommene Kloster wieder in die Höhe zu bringen. Mechthild wollte nicht hören. Da kam von Rom eine Bulle des Papstes Anastasius, abgefasst in gar scharfen Worten. „Es gelangte zu uns die Kunde, dass du die Last der Abtei nicht auf dich nehmen willst, obwohl du kanonisch dazu berufen wurdest; dass du dich weigerst anderen zu dienen, während doch Christus nicht gekommen ist sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen. Weil es also besser ist zu gehorchen als zu opfern, . . . befehlen wir dir, dass du das Joch Christi, nämlich die Verwaltung der Abtei auf keinen Fall zurückweisest und dem Auftrag unseres ehrwürdigen Bruders, des Bischofs von Augsburg, unter keinen Umständen zu widerstreben wagest.“ Einem solchen Schreiben gegenüber blieb der demütigen Mechthild kein anderer Ausweg mehr übrig. Sie übernahm also die Verwaltung des Stiftes ohne sich jedoch die Weihe als Äbtissin geben zu lassen. Sie hoffte dadurch Titel und Ehren einer solchen vermeiden zu können. Erst auf die Vorstellung hin, dass sie sonst die Rechte des Klosters nicht nachdrücklich genug werde vertreten können, willigte sie auch in diese Plage ein. Aus dem gleichen Grund finden wir sie einmal auf einem Reichstag in Regensburg bei Friedrich Barbarossa, obwohl sie sonst nicht aus den schützenden Klostermauern zu bringen war.

 

Bald zeigte sich, dass Edelstetten keine bessere Mutter hätte finden können. Zunächst sorgte die selige Mechthild für die Hebung der regulären Zucht, indem sie die Klausur einführte, die in dem Kanonissenstift bis dahin nur wenig beobachtet worden war. Die vielen Besuche seitens der adeligen Verwandten hörten damit auf, und anstatt mit Rittern und feinen Herren sich zu unterhalten, verkehrten die Schwestern wieder mit Gott und seinen heiligen Engeln. Einige wollten zwar die Reform nicht annehmen, aber die meisten folgten ihrer gewählten Äbtissin auf dem steilen Weg zum Leben. Eigentlich streng war Mechthild ohnehin bloß gegen sich selbst und zwar pflegte sie die Abtötung um so mehr, je höher an Würde sie über die anderen gestellt war. Persönlich äußerst bedürfnislos sorgte sie wie eine zärtlich liebende Mutter für das Wohlergehen der ihr anvertrauten Töchter und gewährte ihnen alle Erleichterungen, die mit den Ordenssatzungen vereinbar waren.

 

Ein besonderes Mittel der Heiligung war für die selige Mechthild die Beherrschung der Zunge. Nur einmal entschlüpfte ihr ein unbedachter Ausruf und den hat sie mit vielen Tränen beweint. Lachen hat man sie während ihres Lebens überhaupt nie gesehen. Aber gerade deshalb hat sich auch an ihr die Seligpreisung des Heilands erfüllt: „Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.“ Das war kurz vor ihrem Sterben. In Todesahnung war sie wieder nach Dießen zurückgekehrt, das durch die reichen Schenkungen ihres Vaters gleichsam zur Familienstiftung geworden war und wo dieser selbst 1151 als Laienbruder das Zeitliche gesegnet hatte. Während nun die Brüder und Schwestern ihr Sterbelager umstanden, schluchzte sie plötzlich laut auf und dann lachte sie bei vollem Bewusstsein ein helles Freudenlachen. Und von da ab lag sie da so fröhlich, als sie schon die Pracht des himmlischen Hochzeitsmahles schaue. Offenbar hat sie die seligste Jungfrau vor sich gesehen, weil sie betete: „Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir!“ Und dann erscholl wieder ihr helles, fröhliches Lachen. Bald darauf entschwebte ihre Seele, die eben noch durch den Empfang des heiligsten Sakramentes gestärkt worden war, in die Umarmung ihres göttlichen Bräutigams. Ihr Leib wurde vor dem Altar des heiligen Johannes des Täufers beigesetzt, am 31. Mai 1160.

 

Gar manche Wunder verherrlichten das Grab der Seligen und gaben von ihrer Heiligkeit Zeugnis. Die Gläubigen riefen ihre Fürbitte vor allem gegen Wetter und Hagelschlag an. Eigentümlich ist, dass man ihre Haare, die sie unter Berufung auf den heiligen Paulus als eine Zierde der Jungfrau während ihres Lebens nie hatte schneiden lassen, gegen heranziehende Gewitter hängte und sie dadurch zum Weichen brachte.

 

„Lasset auch uns die Heilige bitten, dass sie durch die Verdienste ihrer Heiligkeit uns bewahre vor den Wetterstürmen der Versuchungen, uns durch ihre Fürbitte schütze gegen die feurigen Schlingen des Teufels . . . Es erflehe uns die heilige Mechthild die Gnade des Heiligen Geistes, sie vertreibe allen Zorn, sie sänftige den Neid, sie ersticke den Hass, sie drücke nieder den Hochmut . . . Sie vermehre den Glauben, mache reich unsere Hoffnung, lasse wachsen unsere Liebe, damit wir den einst schauen, der die Liebe selbst ist, Gott, der in jener Güte seiner Auserwählten lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. (Gebet des ältesten Lebensbeschreibers.)