Der heilige Maximilian von Theveste, Numidien, Märtyrer, + 12.3.295 - Fest: 12. März

 

Dieser selige Märtyrer, von dem uns echte Akten erhalten sind, gehörte der ruhmreichen nordafrikanischen Kirche an und wird Maximilian von Theveste, einer Bischofsstadt Numidiens, genannt, zum Unterschied von dem uns bekannten Maximilian von Lorch, dem Apostel von Steiermark. In seiner Person bewundern wir ein Beispiel der Festigkeit, die einem Christen eigen sein soll in der Ablehnung und Zurückweisung alles dessen, was das Gewissen verbietet. Die Gewissenhaftigkeit und Glaubenstreue des überdies noch ganz jugendlichen Maximilian sind umso höher zu werten, als sie sich in einer Sache betätigten, deren Unerlaubtheit nicht so ganz unzweifelhaft feststand. Der christliche Glaube verbot seinen Anhängern an sich nicht die Teilnahme am Soldatenstand und dem Kriegshandwerk. Auch in diesem Stand kann man gut christlich leben. Der Dienst der Waffen unter den heidnischen Bannern in der römischen Kaiserzeit hatte aber doch für den Christen viele Gewissensbeschwernisse im Gefolge. Ganz abgesehen von dem Fahneneid, musste der Soldat oft heidnisch-religiösen Veranstaltungen beiwohnen, vor Götzentempeln Wache stehen, den Tag des Herrn entheiligen, er musste mit einem Wort die Standarte eines Jupiter, eines Mars, einer Pallas Athene und anderer Kriegsgötter ehren und anerkennen, denen er bei der Taufe feierlich entsagt hatte. Obwohl nun unter jenen Verhältnissen eine Bewahrung des christlichen Glaubens mit dem Heeresdienst schier unvereinbar schien, beschränkten sich doch die Lehrer der Kirche darauf, zu erklären, dass jene, die schon vor ihrer Bekehrung dem Heer angehörten, darin verbleiben könnten, dass es dagegen einer gewissen Preisgabe des christlichen Glaubens gleichkomme, sich nach der Taufe unter die heidnischen Fahnen einreihen zu lassen (Tertullian).

 

Das war die allgemeine Anschauung der Gläubigen, als im Jahr 295, im elften der Regierung Diokletians, auf dem öffentlichen Platz von Theveste ein Christ namens Fabius Viktor mit seinem Sohn Maximilian vor dem Statthalter, dem Prokonsul Dion, zur Verantwortung gezogen wurde. Der Aushebungskommissar Pompejan brachte vor, Viktor, der Vorsteher einer gewissen Soldatenabteilung, sei zur Rekruteneinstellung verpflichtet, habe aber versäumt seinen eigenen Sohn, der im Waffenfähigen Alter stehe, einzureihen. Er beantragte, den jungen Mann zu messen, um ihn in die kaiserlichen Truppen aufzunehmen. Bei den Römern waren nämlich die jungen Leute, besonders jene, deren Väter dem Soldatenstand angehörten, verpflichtet, eine gewisse Zeit zu dienen. Bei ihrer Stellung wurden die größten und tauglichsten ausgewählt und zu diesem Behuf zuvor gemessen. Das sollte nun auch mit Maximilian geschehen. Schon auf die erste Frage des Prokonsuls nach seinem Namen antwortete der junge Mann mit dem festen Bekenntnis des christlichen Glaubens. „Es ist ohne Belang, meinen Namen zu wissen. Ich bin ein Christ und als solcher nicht in der Lage, die Waffen zu führen.“ Man stellte ihn ans Maß, an einen in die Erde eingerammten Pfahl, der die Maße enthielt. Wieder beteuerte er: „Ich kann nicht Soldat sein. Ich will nichts Unrechtes tun und nicht gegen mein Gewissen handeln. Ich bin Christ.“ Die Messung ergab indessen, dass er hinreichend groß wäre und so befahl der Prokonsul, ihn zu bezeichnen. Man brannte nämlich dem Rekruten ein Zeichen in die Haut ein und verpflichtete ihn, eine Erkennungsmarke, eine bleierne Münze mit dem Namen des Kaisers, auf den der Soldat eingeschrieben wurde, um den Hals zu tragen. Eine solche Zeichnung sah der gewissenhafte Maximilian schon als eine Art Bekenntnis zum heidnischen Leben und Wesen an. Deshalb sträubte er sich mit aller Macht, diese Zeremonie an sich vornehmen zu lassen. „Ich nehme das Zeichen nicht an. Ich habe schon das Zeichen Christi, meines Gottes, empfangen“, war die entschiedene Ablehnung des charaktervollen jungen Mannes. Dion: „Das wünsche ich, dass du es tust; das wäre mein Glück, mein Ruhm.“

 

Der Prokonsul befahl nun den Beamten, den Rekruten gewaltsam zu zeichnen. „Ich nehme das Zeichen der Welt nicht an“, widerstrebte dieser wieder. „Und wenn du es mir dennoch gibst, so verwische ich es wieder, weil es für mich nichts gilt. Ich bin ein Christ, ich darf kein Zeichen an mir tragen neben dem Zeichen des Heils meines Herrn Jesus Christus, des Sohnes des lebendigen Gottes, den du nicht kennst, der für unser Heil gelitten, den Gott für unsere Sünden dahingegeben hat. Diesem dienen wir Christen alle, diesem Fürsten des Lebens, diesem Urheber des Heils folgen wir.“ Doch Dion ließ nichts unversucht. Er forderte den Vater Viktor auf, seinem Sohn zuzureden. „Mein Sohn besitzt Urteil genug, er weiß, was ihm gut ist“, war die Antwort des christlichen Vaters. Da redete Dion dem jungen Mann mit aller Güte zu, er möge doch nicht seine große Jugend zugrunde richten, im Gefolge der kaiserlichen Herren Diokletian und Maximian seien die besten Christen und leisteten ohne Gewissensbedenken Kriegsdienste. Er möge doch nicht solch ehrenhaften Dienst verachten. So bedrängte die Versuchung den mutigen Sohn eines tapferen Kriegsmannes. Auch ihm schlug das jugendliche feurige Herz für Ehre und Ruhm, die Treue gegenüber dem kaiserlichen Herrn war ihm nicht minder heilig. Aber ein höherer Kriegsherr verlangte Treue und Gefolgschaft. Ihm zu dienen, war ungleich größere Ehre, erhabenerer Ruhm. Danach allein verlangte Maximilian, nichts machte ihn wankend. „Jene Kriegsmannen der Kaiser werden wissen, was sich für sie schicke, ich bin ein Christ, ich kann mich nicht zu einer unrechten Tat entschließen. Ich kann sterben, aber zugrunde gehen kann mein junges Leben nicht. Denn wenn ich aus der Welt scheide, wird meine Seele ewig leben mit Christus meinem Herrn.“ Einundzwanzig Jahre erst zählte dieser zielbewusste Streiter Christi, Jahre, in denen der Drang und die Sehnsucht nach Lebensbetätigung sich erst zu entfalten beginnt. Doch seine Erkenntnis vom Zweck des Erdenlebens, als des Kampffeldes zur Erringung des ewigen Lebens, war vollgereift wie die eines Mannes von vieljähriger Erfahrung. Unverrückt schaute er nach dem letzten Ziel aus.

 

Als der Prokonsul sah, dass es ihm nicht gelingen werde, die Überzeugung Maximilians zu brechen, ließ er seinen Namen wieder aus der Einschreiberolle löschen und verurteilte ihn, anderen zum abschreckenden Beispiel, weil er in Ungehorsam den Dienst im Heer verweigerte, zum Tod durch Enthauptung. Ein freudiges „Gott sei Dank“ aus tiefem Herzen war die Bekräftigung des Urteilspruches seitens des christlichen Helden. Auf dem Weg zum Richtplatz rief er seinen Führern zu: „Eilet, meine lieben Brüder, eilet aus allen Kräften, um bald den Herrn schauen zu können! O, dass er auch euch eine gleiche Krone verleihe!“ Frohbewegt wie einer, dem ein großes Glück begegnet, sprach er zu seinem Vater: „Gib dem Scharfrichter das neue Gewand, was du mir für den Krieg hast fertigen lassen. Ich werde auf dich in der anderen Welt in heiliger Gemeinschaft warten, dann können wir zusammen uns freuen in der Glorie mit dem Herrn.“ So bot er sein Haupt dem Richterbeil.

 

Eine Frau, Pompejana mit Namen, erwarb den Leichnam des heiligen Märtyrers, brachte ihn nach Karthago und bestattete ihn unter dem Hügel bei dem Märtyrer Cyprian. Sein Vater aber war glücklich, dass er dem Herrn ein solches Opfergeschenk vorausschicken durfte, dem er bald selbst nachfolgen sollte. Man glaubt, dass Fabius Viktor bald danach mit der Märtyrerpalme geschmückt worden ist. Nur weiß man nicht, welcher von den vielen Märtyrern mit dem Namen Viktor, deren Andenken in der afrikanischen Kirche in Ehren gehalten wurde, dieser Viktor ist.

 

Durch die Taufe sind wir Glieder Christi geworden. Bei der Firmung aber hat uns der Bischof in besonderer Weise das Zeichen Christi auf die Stirn gedrückt und dadurch in die Scharen der Streiter Christi eingereiht. Daraus erwächst für uns die Pflicht, jeden anderen Dienst in der Welt, der dem Seelenheil Gefahr bringt oder den Dienst Gottes unmöglich macht, abzuweisen und zu fliehen. Man kann nicht zwei Herren dienen. Festigkeit und Beharrlichkeit in den christlichen Grundsätzen ist oberstes Erfordernis des dem göttlichen Herrn geschworenen Fahneneides. „Ich bezeichne dich mit dem Zeichen des Kreuzes und stärke dich mit dem Chrisam des Heils“, lautet die sakramentale Formel bei der Spendung der Firmung. Auch der Ritterschlag des Bischofs deutet auf ein „offenes, freimütiges, herzhaftes, tapferes und unerschrockenes Bekenntnis des christlichen Glaubens.“