Der heilige Marzian, Soldat und Martyrer zu Venafro, Italien, + 284 - 305 - Fest: 17. Juni

 

Aus den Akten der heiligen Nicander und Marcianus scheint hervorzugehen, dass sie unter Diocletian und wahrscheinlich in Mösien, einer Provinz Illyriens, unter eben dem Statthalter litten, der auch den heiligen Julius verurteilte. Sie hatten sich im römischen Heer als tapfere Krieger ausgezeichnet, aber, nachdem sie zur Erkenntnis des Heils geführt worden waren, den Dienst und alle Ehren der Welt verlassen, um unter der Fahne des Gekreuzigten das Himmelreich zu erobern. Dies wurde ihnen als Verbrechen angerechnet und Maximus, der Statthalter der Provinz, ließ sie verhaften und vor seinen Richterstuhl bringen. Er redete sie an: „Ihr kennt die Verordnungen der Kaiser, welche euch gebieten, den Göttern zu opfern? Kommt also und fügt euch denselben!“ Nicander entgegnete: „Dieser Befehl kann die Christen nichts angehen, weil ihnen durch ihr Gesetz verboten ist, den unsterblichen Gott zu verachten, um Holz und Steine anzubeten.“ Daria, Nicanders Gemahlin, die zugegen war, ermutigte ihren Mann zur Standhaftigkeit und sprach: „Tu ja nicht, was der Statthalter verlangt – hüte dich, unseren Herrn Jesus Christus zu verleugnen!“ Maximus unterbrach sie und rief: „Was für ein abscheuliches Weib, das seines Mannes Tod verlangt!“ Daria erwiderte: „Du irrst dich; ich will nur, dass er in Gott lebe, um nicht ewig zu sterben.“

 

Maximus: „Deine Absicht ist leicht zu durchschauen; du willst diesen los werden, um einen anderen zu heiraten.“

 

Daria: „Wenn du so von mir denkst und so Niedriges mir zutraust, so töte mich zuerst um meines christlichen Bekenntnisses wegen.“

 

Der Statthalter, der die Frauen betreffend keinen Befehl hatte, weil sich seine Vollmachten nur auf das Kriegsheer erstreckten, ließ die heldenmütige Frau in das Gefängnis abführen. Aber man gab ihr bald wieder die Freiheit. Sie kam in den Gerichtssaal zurück, um den Ausgang des Kampfes zu sehen, den ihr Gatte bestehen musste. Maximus wendete sich jetzt wieder zu Nicander und sagte: „Ich gebe dir einige Bedenkzeit, um zu überlegen, ob es besser sei zu leben oder zu sterben.“ Nicander antwortete: „Dieser Aufschub ist unnütz, da mein Entschluss schon gefasst ist; ich verlange nur mich zu retten.“ Maximus, der diese Worte in einem falschen Sinn verstand und glaubte, der Bekenner wolle, um sein Leben zu erhalten, den Göttern opfern, wünschte sich schon Glück zu dem erhaltenen Sieg über das Christentum, und äußerte sich in diesem Sinn gegenüber seinem Beisitzer Suetonius. Allein Nicander zog ihn bald aus dem Traum, indem er mit lauter Stimme zu dem Gott der Christen flehte, dass er ihn vor dem Verderben und der Versuchung dieser Welt bewahre. Hierüber wurde der Statthalter betroffen und sprach: „Wie, in diesem Augenblick schienst du leben zu wollen und nun verlangst du wieder den Tod?“ Hierauf Nicander: „Das Leben, nach dem ich mich sehne, ist ewig und von dem gegenwärtigen ganz verschieden. Deswegen überlasse ich meinen Leib deiner Gewalt; tu mit ihm, was du willst. Ich bin und bleibe ein Christ.“

 

Maximus nahm sich jetzt den anderen Bekenner vor und sagte zu ihm: „Was ist nun mit dir?“ Marcianus erwiderte: „Ich habe dieselbe Gesinnung und dasselbe Bekenntnis, wie mein Gefährte.“ „So sollt ihr denn auch“, rief der Statthalter, „miteinander ins Gefängnis wandern!“ Zwanzig Tage lagen die Heiligen im Kerker, bis sie Maximus zu einem zweiten Verhör vorführen ließ. Er empfing sie mit den Worten: „Ihr habt nun hinreichend Zeit gehabt, euch zu entschließen, den Verordnungen der Kaiser Folge zu leisten. Wohlan nun, opfert den Göttern und werdet wieder frei!“ Marcianus entgegnete: „Mit allen deinen Bemühungen wirst du uns nie dahin bringen, dass wir den wahren Gott verlassen; wir sehen ihn hier durch den Glauben gegenwärtig und wissen, wohin er uns ruft. Wir beschwören dich, die ewige Glückseligkeit uns nicht länger vorzuenthalten. Eile, uns zu dem hinüberzusenden, den ihr lästert, wir aber verehren und anbeten.“ Der Statthalter gestand ihm seine Bitte zu und verurteilte die beiden Bekenner zur Enthauptung, mit dem Beisatz: „Mir habt ihr nichts zu Leide getan und ihr werdet auch nicht durch mich verfolgt, sondern durch die Verordnungen der Kaiser. Ich bin rein und unschuldig an eurem Blut.“ Die Martyrer dankten ihm und bekannten, dass sie sehr menschenfreundlich von ihm behandelt worden seien. Lobsingend dem Herrn gingen sie zur Richtstätte und die Freude, von der sie durchdrungen waren, leuchtete aus ihren Gesichtern.

 

Nicander wurde begleitet von seiner glaubensstarken Frau und seinem Söhnlein, den Papinianus, der Bruder des heiligen Martyrers Pasikrates, auf den Armen trug. Dieser wünschte ihm fortwährend Glück zu seinem nahen Heil. Nicht so leicht wurde Marcianus der letzte Gang gemacht; er musste noch einen harten Kampf gegen Fleisch und Blut bestehen. Seine Frau, ganz anders gesinnt als Daria, hatte zum Zeichen ihrer tiefen Trauer die Kleider zerrissen, weinte und jammerte und suchte die Standhaftigkeit ihres Gatten durch alles, was ihr der Schmerz nur Rührendes eingeben konnte, zu erschüttern. Bald zeigte sie ihm das Kind, das sie ihm geboren hatte, bald hielt sie ihn am Gewand, um ihn zurückzuziehen. Er konnte sich ihres ungestümen Verhaltens nicht anders erwehren, als dass er einen der ihn umgebenden Freunde bat, sie mit Gewalt zurückzuhalten. Erst als er auf dem Richtplatz angekommen war, ließ er sie wieder in seine Nähe kommen, gab ihr den Abschiedskuss und sprach: „Entferne dich jetzt im Herrn, weil du doch den Mut nicht hast, mich sterben zu sehen.“ Daraufhin nahm er sein Söhnlein auf die Arme und hob es gen Himmel empor, sagend: „Herr, unser aller Vater, sorge du für dieses Kind!“ Jetzt fielen die beiden Heiligen einander sich um den Hals und traten sodann jeder auf den Platz, wo er den Todesstreich empfangen sollte. Da bemerkte Marcianus, dass die Gattin seines Gefährten sich herandrängte, aber wegen der Volksmenge nicht zu ihrem Gemahl kommen konnte. Sogleich ging er auf sie zu, reichte ihr hilfreich die Hand und führte sie zu ihrem Mann, der zu ihr sprach: „Gott sei mit dir!“ Sie stellte sich neben ihn und sagte: „Sei guten Mutes – zeige dich stark im Kampf. Zehn Jahre habe ich zu Hause ohne dich gelebt, als du im Krieg abwesend warst, und während dieser ganzen Zeit flehte ich unaufhörlich zu Gott um die Gnade, dich wieder zu sehen. Jetzt habe ich dich gesehen und bin so glücklich, die Frau eines Martyrers zu sein. Gib Gott Zeugnis, damit du auch mich vom ewigen Tod errettest.“ Der Scharfrichter verband hierauf den beiden Blutzeugen die Augen und enthauptete sie. Sie vollendeten ihr heldenmütiges Opfer im Jahr 303.