Der heilige Martin (aus Ungarn), Bischof und Bekenner von Tours, Frankreich, + 11.11.400 - Fest: 11. November

 

In der Jahreszeit, in der wir den heiligen Martin feiern, kann es schon sehr kalt sein. Auf hohen Bergen liegt bereits Schnee, stellenweise schon bis tief ins Tal. Der Winter ist nicht mehr fern, und wer noch keine wärmere Kleidung angezogen hat, der wird es bald tun, damit er nicht krank wird.

 

Warme Kleidung besitzen allerdings nicht alle Menschen. Es gibt arme Leute, die im Winter frieren müssen, weil sie nur wenig Warmes anzuziehen haben. Damit wir diese Menschen nicht vergessen, kommt in jedem Jahr zu Beginn des Winters ein Reiter auf seinem Pferd, Sankt Martin, um uns daran zu erinnern, den Armen zu helfen. Zur ganzen Christenheit kommt er am Abend des 11. November, von vielen fröhlichen und singenden Kindern begleitet, und wiederholt in spielerischer Weise an einem Bettler diese Tat der Nächstenliebe, die ihn für alle Zeit berühmt gemacht hat.

 

Bevor aber die Tat erzählt wird, muss erst berichtet werden, wer Martin war und woher er kam.

 

Martin wurde in der Stadt Stein am Anger in Ungarn als Kind nichtchristlicher Eltern geboren. Der Vater, der es mit verbissener Zähigkeit vom einfachen Söldner bis zum Regimentskommandeur gebracht hatte, war mit Leib und Seele Soldat. Und dass unter diesen Umständen des Obersten Sohn mit fünfzehn Jahren ebenfalls die Uniform anzog, war eine Selbstverständlichkeit. Jahrelang war Martin einmal hier und einmal da in der Garnison an der Donau, am Rhein und in Frankreich. In Frankreich holte sich der Achtzehnjährige dann jene Berühmtheit, die ihn in der ganzen Christenheit unsterblich gemacht hat.

 

Martin war damals Taufschüler und besuchte den christlichen Unterricht. Eines Tages erklärte der Priester das Gebot der christlichen Nächstenliebe. Das war etwas ganz Neues, denn Martin hatte durch seine nichtchristliche Erziehung nicht die leiseste Ahnung von dem, was christliche Barmherzigkeit ist, die ja erst Jesus Christus auf die Erde gebracht hat. Martin verließ froh und glücklich die Unterrichtsstunde über das Hauptgebot, und gerade wie er darüber nachdachte, auf welche Weise er die Nächstenliebe ausüben könne, stand am Weg ein Bettler, in Lumpen gehüllt, frierend und zitternd, und bat den Reiter um eine milde Gabe. Martin griff in die eine Tasche, in die andere Tasche, in die dritte und vierte Tasche, aber alle Taschen waren leer, nicht ein Geldstück hatte er bei sich.

 

Martin überlegte, und im Überlegen kam ihm ein guter Gedanke. Von der Schulter nahm er den langen, dicken, wolligen Offiziersmantel, bat den Bettler, die eine Ecke hochzuhalten, während er die andere hielt, zog den scharfen blanken Säbel, schnitt ritsch-ratsch den Mantel von oben bis unten entzwei, schenkte lachend dem Bettler die größere Hälfte und ritt davon.

 

In der Kaserne ist am gleichen Abend viel über den jungen Offizier gewitzelt worden, der mit halbem Mantel vom Ausgang heimkehrte. Aber in der folgenden Nacht erschien dem jungen Mann Jesus Christus, angezogen mit der verschenkten Mantelhälfte. Er lobte ihn wegen des guten Werkes und sagte ihm, dass jede gute Tat, die man selbst dem geringsten Menschen tut, ihm erwiesen sei.

 

Niemand kann froher sein, als es Martin damals war. Bald darauf wurde er getauft, und weil er sich ausschließlich dem Dienst Gottes widmen wollte, hing er den Offiziersrock an den Nagel und wurde der Reihe nach Einsiedler, Mönch, Abt und schließlich Bischof. Sehr alt starb er im Jahr 401, aber am 11. November in jedem Jahr reitet er auf dem Pferd durch die ganze Christenheit und mahnt zu guten Werken für die Armen in der Winterszeit.

 

Auf Bildern sieht man den heiligen Martin meistens mit dem Bettler dargestellt, dem er gerade die Mantelhälfte schenkt. Manchmal sieht man Sankt Martin aber auch in bischöflicher Kleidung, und neben ihm steht eine Gans. Das ist die Martinsgans. In vielen Gegenden begann früher nämlich gleich am Tag nach dem Martinsfest bereits der Advent mit strengem Fasten. Deshalb aßen sich die Leute am Abend vorher noch einmal gründlich satt. Und weil in dieser Jahreszeit die Gänse am fettesten sind, verzehrte man eben eine Gans, die Martinsgans.