Die heilige Maria Goretti, Jungfrau und Martyrin von Conca, Italien, + 6.7.1902 - Fest: 6. Juli

 

Maria Goretti, eine Italienerin, wurde am 16. Oktober 1890 geboren. Die Eltern waren arm, kleine Pächter auf einem unfruchtbaren Hof in Sumpf und Moor, zwölf Stunden südlich von Rom. Von Überarbeitung früh krank, starb der Vater im Jahr 1900 und hinterließ der Witwe sechs kleine Kinder, von denen das älteste, Maria, gerade zehn Jahre alt war.

 

Das Mädchen, mit Verstand und sehr geschickt, besorgte nach dem Tod des Vaters, so gut es ging, die Hausarbeiten. Die Mutter musste dagegen draußen auf dem Feld doppelt schwere Arbeit verrichten.

 

Früh am Morgen begann für Maria Goretti die Arbeit, denn für arme Leute zählte jede Minute des Tages. Zuerst musste sie die Hühner füttern, die Ziege melken und den Stall ausmisten. Dann musste sie Kaffee kochen, und weil es selten Brot im Hause gab, musste sie den Maisbrei herrichten. Inzwischen krochen die jüngeren Geschwister aus dem Nest und wurden von ihr gewaschen und angezogen. Anschließend machte Maria die Betten und fegte die Kammer und die Küche. Dann kochte sie das Mittagessen für die große Familie, und am Nachmittag musste sie putzen, waschen, bügeln, stopfen und nähen. Den ganzen Tag über gab es für sie nicht einen Augenblick Ruhe.

 

Brauchte Maria Goretti denn nicht zur Schule? Nein, das brauchte sie nicht, denn erstens gab es in dem armseligen Nest keine Schule, und woher sollte sie zweitens auch die Zeit dafür hernehmen? So kam es, dass das junge Mädchen weder lesen noch schreiben lernte. Nur arbeiten lernte es und vor allem beten. Dafür sorgte die gute Mutter. Die täglichen Gebete wurden von der ganzen Familie gemeinsam verrichtet. Außerdem betete Maria besonders in den letzten Wochen ihres kurzen Lebens oft und in inniger Andacht den Rosenkranz. Durch ihre guten Gedanken am Morgen machte sie außerdem die ganze Arbeit des Tages zu einem immerwährenden Gebet.

 

Zur ersten heiligen Kommunion ging Maria Goretti verhältnismäßig spät, erst einige Wochen vor ihrem Tod. Der Grund dafür ist wiederum in der Armut der Familie zu suchen, denn sie hatten kein Geld, um Kleid und Schuhe zu kaufen. Man kann sich heute diese Armut kaum mehr vorstellen, so groß war sie. Insgesamt hat Maria nur fünfmal Jesus Christus in der heiligen Kommunion empfangen. Das war bei der Erstkommunion, bei drei weiteren Kommunionen und schließlich als Wegzehrung auf dem Sterbebett. Wie aber ist nun Maria Goretti gestorben?

 

Es lebte mit der Familie Goretti auf dem Hof noch ein zweiter verwitweter Pächter, der einen zwanzigjährigen Sohn mit Namen Alexander hatte. Alexander war bisher eigentlich vernünftig gewesen, dann aber kam er durch schlechten Einfluss auf Abwege und stellte Maria nach, um sie zu missbrauchen. Er war für Maria ein gefährlicher Junge. Und Maria versuchte ihm auszuweichen, wo sie nur konnte. Sie lebte in beständiger Angst vor ihm, und leider hat sie sich nicht getraut, es der Mutter zu sagen, was für Kinder immer der richtige Weg ist, wenn sie in eine ähnliche Lage geraten. Hätte Maria nicht geschwiegen, so hätte sich das Schreckliche, was am 5. Juni 1902 geschah, wohl nicht ereignen können.

 

An diesem Tag nämlich benutzte Alexander einen Augenblick, da sich Maria allein im Haus befand, und fiel mit Gewalt über sie her. Mit Händen und Füßen wehrte sich das Mädchen und schrie in heller Angst, dass er sie doch in Gottes Namen in Ruhe lassen solle. Sie schrie: „Weg da! Weg da! Gott verbietet es...“ Doch da zog der Mann einen Dolch und stach zu. Maria blieb trotzdem Siegerin, und als die Mutter, die das Geschrei gehört hatte, ins Zimmer trat, war der Mörder schon geflüchtet. Die Heilige aber, die lieber in den Tod ging, als dass sie die Unschuld preisgab, lag, von Messerstichen verletzt, halbtot in ihrem Blut.

 

Am Abend des gleichen Tages flüsterte im Krankenhaus die sterbende Heldin im Fieberwahn angsterfüllt immer wieder vor sich hin: „Weg da! Weg da! Gott verbietet es...“ Noch einmal kam die Sterbende zu sich, beichtete, und als sie der Priester, die heilige Kommunion bereits in der Hand, fragte, ob sie dem Mörder verzeihe, gab sie zur Antwort: „Gewiss, ich habe schon für ihn gebetet, und im Himmel will ich erst recht für ihn beten, damit er einmal neben mir seinen Platz erhält.“

 

Tags darauf, am 6. Juli 1902 starb Maria Goretti. Und nicht ganz fünfzig Jahre später, am 24. Juni 1950, hat sie Papst Pius XII. in Gegenwart der noch lebenden Mutter als eine Martyrin der Unschuld heiliggesprochen, damit sie für immer vielen Menschen ein Vorbild und Beispiel sei.