Die selige Maria Droste zu Vischering, + 8.6.1899 - Fest: 8. Juni

 

Kurz bevor das 19. Jahrhundert durch das 20. Jahrhundert abgelöst wurde, hat Papst Leo XIII. im Juni 1899 nach dreitägigen glanzvollen Feiern, die auf dem ganzen katholischen Erdenrund stattfanden, die gesamte Menschheit dem göttlichen Herzen Jesu geweiht. Nur die wenigsten Menschen wussten damals, dass die Anregung zu der Weihe von einer deutschen Ordensfrau ausgegangen war, die am Tag vor der dreitägigen Feier, am 8. Juni 1899, in der portugiesischen Stadt Porto das Zeitliche segnete. Der bürgerliche Name der Ordensfrau lautete Gräfin Maria Droste zu Vischering.

 

Maria Droste zu Vischering erblickte an einem Liebfrauenfest, am 8. September 1863, zu Münster in Westfalen das Licht der Welt und erhielt gleich nach der Geburt die Nottaufe, weil sie in Lebensgefahr schwebte. Damals hat wohl niemand geahnt, dass sich aus dem schwächlichen Kind ein Unband von einem Mädchen entwickeln werde, an dem scheinbar ein Junge verlorengegangen war. Maria war für jeden Streich zu haben, und je toller es zuging, desto lieber war es ihr. Das größte Leid ihrer Kindheit bestand darin, dass sie während der Schulstunden stillsitzen musste. War aber der Unterricht vorüber, so tollte und stürmte sie über Wiesen und durch Hecken wie ein Füllen, das zum ersten Mal auf die Weide geführt wird. Die kleine Gräfin wurde auch leicht zornig und neigte zu Rechthaberei und zu Eigensinn.

 

Wie indessen jeder Mensch, so hatte auch Maria Droste ihre guten Seiten. Nie trug sie nach. Bei jedem Streit bot sie zuerst die Hand zur Versöhnung. Armen Kindern teilte sie gern von dem mit, was sie selbst besaß. Auch ging sie geradezu darauf aus, den Eltern, den Geschwistern und den Dienstboten des Hauses eine überraschende Freude zu machen. Dazu zeigte sich bei dem Wildfang mit der Zeit ein ausgesprochener Zug zum Heiland im Tabernakel. Oft schlich sich das Mädchen heimlich in die Schlosskapelle. Mit Hingabe und Liebe sammelte Maria Blumen für den Schmuck des Altars, und der Tag der ersten heiligen Kommunion galt ihr zeitlebens als der beglückende Höhepunkt der ganzen Kindheit. Bald darauf empfing sie auch das heilige Sakrament der Firmung, und bei dieser Gelegenheit erhielt sie die hohe Gnade der Berufung zum Ordensstand. Wer aber meint, die junge Gräfin sei daraufhin eine Duckmäuserin geworden, der irrt. Nach wie vor blieb Maria Droste sich gleich, spielte und sprang weiter, ritt mit dem Vater und den Brüdern aus und bedauerte nur, dass sie kein Junge war, um als Missionar zu den „Menschenfressern“ zu gehen.

 

Darüber verstrich die Zeit, und nachdem Maria Droste erst noch eine langwierige Krankheit überstanden hatte, ging sie ins Kloster. Zu Münster trat sie in den Orden vom Guten Hirten ein, deren Mitglieder sich mit vieler Liebe jener armen Mädchen annehmen, die den guten Namen verloren haben. Da war die junge Gräfin endlich am Ziel der Sehnsucht, aber man kann durchaus nicht sagen, dass ihr das Klosterleben in der ersten Zeit leicht fiel. Im Gegenteil, sie bekam es mit dem Heimweh zu tun, verlor zeitweilig fast den ganzen Mut, Gewissensängste stiegen in ihr auf, und gar sehr litt sie unter der Widerspenstigkeit ihrer bedauernswerten Pfleglinge. Es war eine harte Zeit, aber die geprüfte junge Ordensfrau gehörte zum Glück zu jenen herrlichen Menschen, die, wenn sie einmal A gesagt haben, auch B sagen, auf die Zähne beißen und durchhalten. Schließlich musste alles auch so kommen, damit Schwester Maria vom Heiligsten Herzen, wie der Klostername lautete, von sich selbst loskam, um allein dem lieben Heiland anzugehören. Endlich war auch das soweit. Der liebe Heiland zog Schwester Maria als eine Begnadete an sein Herz.

 

Sechs Jahre nach dem Eintritt in den Ordensstand wurde Schwester Maria von den Vorgesetzten als Oberin nach Portugal versetzt. Trotz schmerzvoller Krankheit hat sie dort in wenigen Jahren Großes gewirkt. Dort empfing sie vom lieben Heiland den eingangs erwähnten Auftrag für Papst Leo XIII., dass er die ganze Menschheit seinem heiligsten Herzen weihen solle, und als es geschah, war ihre Lebensaufgabe erfüllt. Am 8. Juni 1899 starb die große Verehrerin des Herzens Jesu, um an diesem Herzen für alle Ewigkeit auszuruhen.