Die heilige Margareta, Maria Alacoque, Jungfrau, Nonne, Frankreich, + 17.10.1690 - Fest: 17. Oktober

 

Wie ein breiter länderverbindender und völkerbeglückender Strom, so zog gestern Sankt Hedwigs Leben an unserem staunenden Blick vorüber. Ganz anders ist die Geschichte der dritten aus dem Dreigestirn heiliger Frauen, das über diesen Tagen im Kirchenjahr glänzt, denn das Leben der heiligen Margareta Maria Alacoque ist wie das schwache Licht einer Kerze, die vor dreihundert Jahren irgendwo in Frankreich vom lieben Heiland selbst entzündet wurde, dann aber die Welt in Brand steckte und heute noch ungezählte Herzen erleuchtet und erwärmt, beglückt und beseligt.

 

Irgendwo in Frankreich wurde 1647 ein schwächliches Mädchen geboren. Der Vater, seines Standes Richter und Notar, starb früh und hinterließ fünf unmündige Kinder, für die sich eine gute Mutter von früh bis spät abrackerte, um sie für das Leben zu versorgen. Eines der Kinder, Margareta Maria, wurde einem klösterlichen Erziehungsheim übergeben, in dem sie sich glücklich fühlte. Doch nur zwei Jahre verblieb das Mädchen im stillen Frieden unter den gottgeweihten Frauen. Margareta Maria erkrankte, Lähmungserscheinungen traten auf, die Mutter holte sie heim, und vier weitere Jahre lag das Kind krank im Bett, kaum dass es die Glieder rühren konnte. Es war ein Jammer, der allen ins Herz schnitt, so dass auch die liebe Mutter Gottes Mitleid hatte und das Mädchen gesund machte, als es gelobte, sich dem Dienst Gottes im Kloster zu weihen.

 

Irgendwo in Frankreich lebte ein junges Mädchen, das sich vor Jahren auf dem Krankenbett Gott versprochen hatte. Es war ein schönes, anmutiges, liebreizendes junges Mädchen, das die Freuden der Welt, selbstverständlich in Ehren, mit vollen Zügen trank und davon nie genug bekommen konnte. Spiel und Scherz und Tanz und Lachen und Singen füllten die Tage aus, und wie wenig Klostergedanken Margareta Maria hegte, ersah man daraus, dass sie mit einem reichen jungen Mann verkehrte, und schon suchten Verwandte und Nachbarn im Kalender nach dem baldigen Hochzeitstag; da besann sich das junge Mädchen, das bei aller Lebenslust oft und manchmal stundenlang vor dem Tabernakel in der heimatlichen Dorfkirche knien und beten konnte, da besann sich also das Mädchen auf sein Gottesgelöbnis, und über Nacht ging Margareta Maria ins Kloster.

 

Irgendwo in Frankreich betete zur nächtlichen Stunde eine Ordensfrau vor dem Allerheiligsten in der Klosterkapelle. Es war eine schwächliche, kränkliche Ordensfrau, ungeschickt auch zu jeder Arbeit. Weil sie jedoch sehr fromm war, ernannten die Oberen sie zur Meisterin der jungen Schwestern. Als aber bekannt wurde, dass Schwester Margareta Maria Erscheinungen habe, wurde man misstrauisch, und die Mutter Priorin nahm die Zarte hart zwischen die Finger und drückte sie fest und befahl ihr, das Spinnen gefälligst zu unterlassen, dafür solle sie weniger fasten und besser essen, damit sich die Nerven wieder kräftigten, und als trotzdem die Erscheinungen weiterzugehen schienen, redete man allgemein im Haus von Einbildungen, Theater und höllischen Trugbildern. So schnell sind oft die Menschen mit dem Urteil fertig.

 

Irgendwo in Frankreich betet also zu nächtlicher Stunde eine Ordensfrau vor dem Allerheiligsten in der Klosterkapelle, und plötzlich steht vor ihr der Heiland in sichtbarer Gestalt und zeigt ihr, von Flammen umloht, von Dornen umwunden, vom Kreuz überragt, in der Mitte mit dem tiefen Lanzenstich sein heiligstes Herz. „Siehe da das Herz“, so redet der Herr die Begnadete an, „das die Menschen so sehr geliebt hat, dem aber von den meisten, selbst solchen, die besondere Beweise seiner Liebe empfingen, nur Kälte, Gleichgültigkeit und Undank zuteil wird.“ Und weiter sagt der Heiland zu der Seherin, dass er in der liebearmen Welt einen neuen Frühling der Hingabe an ihn durch die Verehrung seines Herzens, des Sinnbildes und des Sitzes der Erlöserliebe, wolle aufblühen lassen und sie, Margareta Maria, solle „den unergründlichen Reichtum Christi verkünden und allen die Verwirklichung des Geheimnisses aufdecken, das von ewigen Zeiten her verborgen war in Gott, dem Schöpfer des Alls.“

 

Irgendwo in Frankreich spricht die Novizenmeisterin Schwester Margareta Maria mit heller Begeisterung hinreißend schön von der Liebesglut des Heilandsherzens, und selbst in Brand, entzündet sie auch die Seelen der Novizinnen und steckt allmählich alle im Hause an, und weiter greift der Brand auf andere Klöster, auf ganze Länder, auf die gesamte katholische Welt. Leuchtend und wärmend steht seitdem die Sonne des Herzens Jesu über der Kirche, und ein neuer Frühling der Liebe ist erblüht. Die Herz-Jesu-Verehrung ist mit dem Herz-Jesu-Fest, mit der Sühnekommunion am ersten Monatsfreitag, mit der Heiligen Stunde und anderen gemütstiefen Übungen zur Lieblingsandacht all jener geworden, die dem Herrn zugetan sind.

 

Irgendwo in Frankreich glühte und verglühte vor dreihundert Jahren eine Kerze, welche die ganze Welt in Brand gesteckt hat und heute noch Ungezählte erleuchtet und erwärmt, beglückt und beseligt.