Der heilige Makarius, Erzbischof von Antiochia, + in Gent, Belgien, + 10.4.1012 - Fest: 10. April

 

Der heilige Macarius war das Kind edler und reicher Eltern aus Armenien. Der damalige Bischof von Antiochia, sein naher Verwandter, hob ihn aus der Taufe und nahm ihn noch sehr jung zu sich unter seine fromme Obsorge. Macarius zeigte bald viele Fähigkeiten, scharfen Verstand, ausgezeichnete Gelehrigkeit und ein zu allem Guten geneigtes Gemüt. Er machte daher unter der Anleitung seines Paten große Fortschritte, sowohl in den Kenntnissen, als auch in der Tugend und Frömmigkeit, so dass der Bischof nicht zweifelte, es habe Gott ihn zu einem vorzüglichen Werkzeug seiner heiligen Kirche erkoren. Demnach weihte er ihn, als er herangewachsen war, mit Freuden zum Priester. Wunderbar wirkten jetzt in Macarius die Gnaden, die ihm der Heilige Geist bei Erteilung der Priesterwürde gespendet hatte. Seine andauernde Liebe zum Studieren und zur Einsamkeit, sein heiliger Lebenswandel und sein großer Seeleneifer machten ihn zum wahren Muster der Geistlichkeit. Darum wurde er auch nach dem Tod des Bischofs einmütig zu dessen Nachfolger erwählt und geweiht. So unwürdig er sich selbst dieses hohen apostolischen Berufes hielt, so vollkommen entsprach er demselben. Wie ein Licht auf den Leuchter gesetzt, legten sich seine Tugenden erst jetzt vor den Menschen recht an den Tag. Sein größtes Streben ging dahin, treu seinem Hirtenamt, möglichst viele unsterbliche Seelen für Christus zu gewinnen und seinem himmlischen Schafstall zuzuführen. Er unterrichtete und predigte fast täglich, besuchte die Kranken persönlich, gab den größten Teil seiner Einkünfte den Armen und lebte sehr einfach in strenger Abtötung seiner selbst. Nichts war für ihn so schmerzlich, als wenn er sah, dass Gott durch böses Tun beleidigt werde; daher wendete er allen Fleiß an, die Sünde bei anderen zu verhindern. Seine eigenen Fehler, obwohl sie nur gering waren, bereute er täglich und weinte über sie und opferte Gott dafür und für die Sünden anderer viele Bußwerke auf. Seine Andacht beim Gebet war so groß, dass er es selten verrichtete, ohne dabei Tränen zu vergießen. Da er die Tränen mit einem eigenen Tüchlein abzutrocknen pflegte, ergriff dieses, wie man erzählt, eines Tages ein mit einem scheußlichen Aussatz Erkrankter und berührte damit vertrauensvoll seine Geschwüre. Und siehe, im gleichen Augenblick war die Krankheit verschwunden und der ganze Leib heil und rein. Dieses Wunder wurde bald in der ganzen Stadt bekannt und es kamen viele andere Kranke zu dem heiligen Bischof und erhielten durch sein Gebet die Gesundheit wieder. Dadurch wurde sein Name in der Nähe und Ferne immer größer und ihm von den Menschen immer mehr Ehre zu Teil. Aber dem demütigen Gottesmann, der nur für seine eigenen Fehler Augen hatte und sich für den armseligsten der Sünder hielt, fiel eine solche Auszeichnung sehr lästig, und bald wurde sie ihm ganz unerträglich. Um dem auszuweichen, beschloss er, seine bischöfliche Würde niederzulegen, übertrug sein Hirtenamt einem gottseligen Priester, mit Namen Eleutherius, teilte seine Habe unter die Armen aus und verließ dann ganz in der Stille, nur von einigen Geistlichen begleitet, Antiochia.

 

Er nahm den Weg in das gelobte Land und besuchte dort als büßender Pilger andächtig die heiligen Orte. Damals war Palästina zum größten Teil unter der Gewalt der mohammedanischen Sarazenen und Macarius fand daher vielfach Gelegenheit, dem Evangelium Jesu Christi Zeugnis zu geben und dessen heiligsten Namen zu verkünden. Und er tat das mit apostolischer Unerschrockenheit und mit solchem Eifer und Nachdruck, dass viele der Ungläubigen durch ihn zum Christentum gebracht wurden. Hierdurch zog er sich aber große Prüfungen und Leiden zu. Denn die Sarazenen, ärgerlich über den Abfall der Ihrigen, verfolgten ihn von Ort zu Ort, brachten ihn schließlich in ihre Gewalt und warfen ihn in den Kerker. Weil er aber auch da nicht aufhörte, die christliche Wahrheit zu predigen, so spannten sie ihn, zur Verspottung seiner Lehre vom gekreuzigten Heiland, auf der Erde kreuzweise aus, hefteten ihm Hände und Füße mit Stricken an eingeschlagene Nägel und legten ihm einen durchglühten Stein auf die Brust, um ihn so eines langsamen Todes sterben zu lassen. Der Heilige ertrug diese grausame Marter mit unerschütterlicher Standhaftigkeit und der Herr, der die Seinen aus aller Not zu retten vermag, war wunderbar mit ihm. In der Nacht wurde der Kerker mit himmlischem Glanz erfüllt und ein Engel löste ihn aus den Banden, wie einst den heiligen Petrus, und gebot ihm, seinen Pilgerstab, wie ihn der Herr führen werde, weiter zu setzen. Zu gleicher Zeit öffnete sich die Tür des Gefängnisses und Macarius verließ es und die Stadt, ungehindert von den zahlreichen Wachen.

 

Gott gab ihm ein, sich in Richtung Abendland zu wenden. Er ging nach Italien, durchwanderte dieses Land und kam, über die Alpen steigend, nach Bayern, überall seinen Weg mit himmlischem Segen und Wunderwerken bezeichnend. In Bayern entwendeten ihm die Diener eines Edelmannes, bei dem er wohnte, sein Schweißtüchlein, weil sie hofften, damit Wunder wirken und sich schweres Geld verdienen zu können. Bals aber empfanden sie die Strafe Gottes, denn sie erkrankten plötzlich schwer und erhielten ihre Gesundheit nur durch das Gebet des Heiligen wieder. Auch nach Köln kam Macarius und befreite hier seinen Wirt und der Fallsucht. Zu Mecheln löschte er durch das bloße Zeichen des heiligen Kreuzes eine Feuersbrunst. In Cambrai öffneten ihm, so wird berichtet, die Engel selber die Tür der Kirche. Traf er in den Orten, wo er einkehrte, Unruhe und Zwietracht, so bot er alles auf, Versöhnung und Frieden zu stiften, und manche Stadt, in welche er durch sein Gebet und seine weise Vermittlung Ruhe gebracht, segnete noch lange danach sein Andenken. Überall besuchte er die Gräber und Reliquien der Heiligen. Die Heiligen selbst verehrte und rief er täglich in allen Vorfällen an, und er erlangte auch immer von Gott, was er durch die Fürbitte der Heiligen erbat.

 

Von seinen Gefährten lebten noch drei und mit denen gelangte er im Jahr 1011 in die Stadt Gent. Er begab sich in das Kloster des heiligen Bakon und wurde von Abt Erembold lieb und gastfreundlich empfangen. Ein volles Jahr verbrachte er hier und wurde durch seine Tugenden die Erbauung und das Vorbild aller Mönche. Im Frühling des nächsten Jahres gedachte er wieder heim zu ziehen in das Morgenland. Aber es war der Ratschluss Gottes, dass er seine Heimat nie mehr sehen sollte. Der Heilige hatte schon den Weg angetreten, als eine heftige Krankheit ihn ergriff und ihn zwang, sich wieder in das Kloster zurücktragen zu lassen. Nach wenigen Tagen wurde er wie durch ein Wunder wieder gesund, und es wird auch behauptet, es habe ihn eine Erscheinung vom Himmel geheilt. Als er sich aber ein weiteres Mal reisefertig machte, wurde er von einer pestartigen Seuche angesteckt, die damals in jener Gegend wütete. Er sollte gleichsam das Opfer für die übrigen Bewohner sein; denn er selbst sagte voraus, dass bei seinem Tod die Pest aufhören werde. Und so geschah es auch. Macarius starb am 10. April 1012. Da an seinem Grab viele Wunder geschahen, wurde fünfzig Jahre danach sein heiliger Leib mit großer Feierlichkeit erhoben. Er wird zu Gent noch jetzt in hoher Verehrung gehalten.