Die heilige Lucia Filippini, Stifterin der "Frommen Lehrfrauen Filippini", + 25.3.1732 - Fest: 25. März

 

Ein Stand, der eigentlich nie die ihm gebührende und von ihm reich verdiente Anerkennung erntet, ist jener unserer katholischen Lehrerinnen. Die Menschen schauen eben mehr auf das Äußerliche. Was eine gute katholische Lehrerin aber leistet, das ist meist verborgen in den Tiefen einer Mädchenseele. Es ist stilles, unauffälliges Wachstum, das sie fördert; ihre Erfolge lassen sich gerade in ihrem besten Teil nicht zählen und wägen. Darum wird der Beruf einer Lehrerin und ihre Arbeit von vielen nicht genügend geschätzt. Die Lehrerin kann nur dann die Last ihres Berufes mit Freude tragen, wenn sie recht um Gottes willen ihre Lehrtätigkeit ausübt und nicht über all dem freigebigen Spenden an andere Seelen das innerste Leben der eigenen Seele zu pflegen und zu entwickeln vergisst. Der heutige Tag stellt uns das Bild einer solchen Lehrerin vor Augen, die beides wohl miteinander zu vereinigen verstanden und dadurch zum Berg der Heiligkeit emporgestiegen ist. Es ist die am 22. Juni 1930 zur Ehre der Altäre erhobene heilige Lucia Filippini, die Stifterin der „Frommen Lehrfrauen Filippini“.

 

Die heilige Lucia erblickte das Licht der Welt am 13. Januar 1672 zu Corneto Tarquinia als die Tochter des Genuesen Filippo und der Magdalena Picchi Falsacappa, einer edlen Conetanerin. Das zarte Kind schien mehr ein Gewächs aus dem Himmel statt von der Erde zu sein; denn Demut, Bußgeist, außergewöhnliche Liebe zu Gott und den Mitmenschen schienen zu seiner Natur zu gehören. Gott nahm ihr früh die guten Eltern. Wollte er sie schon damals ganz als sein eigen erklären? Bei Verwandten wurde das Mädchen aufgezogen mit aller Liebe. Aber ihr Sinn stand einzig auf Gott. Die Spiele ihrer Altersgenossinnen verschmähend, besuchte sie fleißig die Kirche und betete viel. Durch eifriges Anhören des Wortes Gottes und durch besinnliches Erwägen desselben machte sie bald solche Fortschritte in der Frömmigkeit und der Kenntnis der christlichen Lehre, dass sie, obwohl erst 10 Jahre alt, vom Pfarrer auserwählt wurde die Kinder im Katechismus zu unterrichten. Es war sonntags immer ein schönes Bild, wenn eine große Zahl von Mädchen um Lucia herumsaß und von ihren Lippen begierig die Wahrheiten und Geheimnisse unseres heiligen Glaubens aufnahm, die sie mit so viel Salbung und Klarheit, mit solchem Nachdruck und Feuer auszulegen verstand, dass auch zuhörende Erwachsene zu tiefst ergriffen und bis zu den Tränen erschüttert wurden.

 

Der Einfluss, den Lucia auf ihre Kameradinnen ausübte, war nur ein Vorspiel zu ihrem Beruf als Lehrerin, der erste Beginn ihrer apostolischen Arbeit, worauf sie die göttliche Vorsehung allmählich vorbereitete. Eines Tages hielt der Bischof von Montefiascone, Kardinal Barbarigo, Pfarrvisitation in Corneto. Voll Staunen sah er, mit welcher Bescheidenheit und Geschicklichkeit die kleine Lucia den Kindern den Katechismus beibrachte. Das war kein gewöhnliches Mädchen! Mit dem hatte die Vorsehung ihre Pläne! Nach Rücksprache mit ihren Pflegeeltern nahm er sie mit nach Montefiascone, wo er sie den Klarissen zur Ausbildung übergab. In kurzer Zeit war die Heilige für alle Nonnen eine Lehrmeisterin der Weisheit und Güte. Auch nach außen verbreitete sich der Wohlgeruch ihrer Tugend und gerne kamen die Damen der Stadt ins Sprechzimmer, um sich an den liebenswürdigen Umgangsformen des Mädchens zu entzücken und vom Zauber seiner Rede sich fesseln zu lassen.

 

Der seeleneifrige Oberhirte aber schritt nunmehr zur Ausführung seiner Reformpläne. Wohl erwägend, welch schwere Schäden die religiöse Unwissenheit des Volkes im Gefolge habe, gedachte er in seiner Diözese Schulen einzurichten, und zwar mit Hilfe der Jungfrau Lucia Filippini. Diese suchte sich zuerst dem schwierigen Auftrag zu entziehen – sie dachte ja von sich selbst sehr gering. Aber nachdem sie den Willen Gottes erkannt hatte, nahm sie bereitwillig die Aufgabe an. Vom Kardinal selbst empfing sie das Kleid einer frommen Lehrerin und machte sich mit bewundernswertem Eifer ans Werk. Die reichsten Früchte lohnten bald die Mühe der demütigen Gründerin, zum süßen Trost für den heiligmäßigen Bischof, der in seinen Familien wieder Glauben, Gottesfurcht und gute Sitte aufblühen sah. Unter der Leitung der heiligen Lucia wuchsen die Mädchen heran bescheiden, gelehrig, voll Liebe zu Gebet und Arbeit. Ihre Schulen waren Tempel, wo jederzeit der Allmächtige angebetet und verherrlicht wurde. Der Eifer der Heiligen war aber nicht auf die Schule beschränkt, sie hielt auch wahrhaftige Missionen ab für die gesamte Frauenwelt. Zu Pitigliano, Scansano, Montemarano und anderswo erzielte sie so wunderbare Ergebnisse, wie sie größer auch ein heiliger Leonhard von Porte Mauritio nicht erreichte. Von Seeleneifer glühend und von einem wahrhaft apostolischen Geist durchweht, begehrt von Bischöfen, Pfarrern und Gebietsherren, zog sie nach dem Beispiel des göttlichen Lehrers unter vielfachen Mühen und Beschwerden von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt, um die Sünder zu Gott zu bekehren, um im Volk das christliche Leben zu erneuern, um ihr Institut auszubreiten. Und niemand vermochte der Macht ihres Wortes und ihres Beispiels zu widerstehen. Ihre Rede nahm unwillkürlich gefangen, ihr ganzes Auftreten bezauberte. Um sie hören zu können, deckten die Leute schließlich das Dach des Hauses ab, wo sie gerade Exerzitien gab.

 

Papst Klemens XI., der durch Kardinal Barbarigo über die wunderbaren Erfolge der Schulen Lucias unterrichtet war, berief die Heilige nach Rom. Im Mai 1707 kam sie in der Ewigen Stadt an und gründete in der Pfarrei S. Lorenzolo ai Monti ihre erste Schule. Bald bot sich auch hier das gewohnte Bild. In Scharen strömten die Mädchen herbei und ernteten reichen Nutzen in Tugend und Wissen. Die Schule Lucias, so schreibt ihr Beichtvater, schien ein kleines Paradies zu sein. Hier sprach man nur von Gott, arbeitete nur für Gott. Jungfräuliche Züchtigkeit begleitete alle Handlungen dieser Mädchen, die miteinander im Streben nach vollkommener Tugend wetteiferten. Ein Wink aus den Augen ihrer Lehrerin – und sie gehorchten ohne alle Widerrede. Jeden Samstag führte Lucia die eifrigsten ihrer Schülerinnen in die Spitäler, damit sie den armen kranken Frauen dienten und sich in christlicher Liebe und Demut übten. In ganz Rom erhob sich deshalb großes Rühmen über die Tugend der „heiligen Lehrerin“, wie man sie allgemein nannte.

 

Während so das Werk der Heiligen in Rom unter dem Segen des Himmels sichtlich gedieh, wurden ihre ersten Gründungen in Montefiascone auf eine harte Probe gestellt. Viele Lehrerinnen wurden krank. Auch sonst gab es Schwierigkeiten. Die Töchter riefen nach der Mutter. Und sie kam, und siehe, mit einem Schlag ging es wieder aufwärts. Überall wollte man Schulen haben. Lucia wollte gern der ganzen Welt helfen und oft rief sie in heißem Verlangen aus: „O, wenn ich mich nur vervielfältigen könnte! In jeden Erdenwinkel wollte ich es hineinschreien und allen Leuten wollte ich es zurufen: Liebt Gott! . . . O, mein Gott, warum machst du nicht, dass aus mir so viele Lucien werden, dass ich überall deine Ehre verbreiten kann?“

 

Aber Gottes Werke werden nur gefestigt und fruchtbar im Schatten des Kreuzes, wenn sie benetzt werden vom Tau blutiger Tränen. Schon bei Gründung und Ausbreitung ihres Instituts hatte Lucia genug zu leiden, Verdruss, Verachtung, Verleumdung. Sogar ihre Glaubensehre griff man an, indem sie mehrmals bei der Inquisition als Anhängerin des Michael Molinos angeklagt wurde. Die Heilige verlor inmitten aller Widerwärtigkeiten nie ihre Seelenruhe und gewohnte Heiterkeit. Sie dankte Gott und suchte ihren Widersachern Gutes zu tun.

 

Zu diesen mehr inneren Leiden gesellte sich die letzten fünf Jahre ihres Lebens ein schmerzvolles Krebsleiden, das die Heilige zur Martyrin der Geduld, zu einer Heldin der Ergebung in Gottes Willen machte. Die Glut ihrer Liebe vermochten die Wasser der Trübsal nicht auszulöschen. Wie eine zweite heilige Teresa von Jesus hörte sie, von beständigem Fieber geschüttelt und die Brust von dem schaudervollen Krebsleiden zerfoltert, nicht auf die Kleinen zu unterrichten, den Frauen die Betrachtungspunkte zu geben und die Häuser ihrer Genossenschaft zu besuchen. Erst die letzten vier Monate bannte sie eine Nervenlähmung gänzlich ans Schmerzensbett. Schließlich blieb nur ein Glied noch frei und beweglich, ihre Zunge, damit konnte sie Gott noch loben. Während der heftigsten Krämpfe hörte man aus ihrem Mund die Worte: „Herr, ich danke dir! Herr, erbarme dich meiner!“ Dann begann sie wieder zu singen und lud die Schwestern ein, mit ihr Gott in einem feierlichen Tedeum dafür zu danken, dass sie etwas aus Liebe zu ihm leiden dürfe. Am Fest Mariä Verkündigung (25. März 1732), als eben die Mittagsglocken die Menschwerdung Christi in die Welt hinausläuteten, hauchte die heilige Lucia mit einem fröhlichen Lächeln über ihren Zügen ihre jungfräulich reine Seele aus.

 

Papst Pius XI. nahm Lucia Filippini am 22. Juni 1930 unter die Heiligen auf.

 

Das Werk der heiligen Lucia Filippini überdauerte die Jahrhunderte. Die nach ihr benannten Lehrfrauen, die in Rom ihr Mutterhaus haben, leiten Schulen in mehreren Provinzen Italiens und in Amerika. Möge Gott auf die Fürbitte der heiligen Lucia hin recht tüchtige und seeleneifrige Lehrerinnen uns schenken, Ordensschwestern sowohl wie weltlichen Standes, die uns dann christliche und heilige Mütter erziehen und so zur Erneuerung der Familie beitragen!