Der heilige Linus, Papst und Martyrer von Rom, + 23.9.76 - Fest: 23. September

 

In der Reihenfolge der Päpste, die mit Petrus, Linus, Kletus, Klemens, Evaristus, Alexander, Sixtus beginnt und sich mit immer neuen Namen seitenlang bis in unsere Zeit fortsetzt, steht Linus an zweiter Stelle, gleich hinter dem Apostelfürsten und ersten Papst Petrus.

 

Linus, nach der Legende ein Beamtensohn, in der Umgebung von Rom geboren, durch den heiligen Petrus unterrichtet, getauft, zum Priester und später zum Bischof geweiht, übernahm als zweiter Papst in stürmischer Zeit die Leitung der Kirche. Vier Jahre vorher war unter dem berüchtigten Kaiser Nero die erste der zehn römischen Christenverfolgungen ausgebrochen. Ein römischer Schriftsteller aus dieser Zeit berichtet, dass damals eine zahllose Menge von Gläubigen zu Tod kam.

 

Vier Jahre lang wütete die Verfolgung, grausam und unmenschlich. Am 29. Juni des Jahres 67 nach Christi Geburt erreichte sie durch die Hinrichtung der Apostelfürsten Petrus und Paulus den Höhepunkt. Da wurde die Kirche an einem einzigen Tag zweimal haupt- und führerlos in einem Augenblick, wo alles auf eine sichere Leitung ankam. Wie muss doch dieser Schicksalsschlag die kleine Herde der Christen niedergeschmettert haben!

 

Linus war es, der damals die Gläubigen wieder aufrichtete. Wie die Legende erzählt, hat Linus dem heiligen Paulus am Vorabend des Martyriums in den Felsenkerker die heilige Kommunion gebracht. Am Tag darauf stand Linus dann unerkannt in der Menge, die bei der Kreuzigung des heiligen Petrus dabei war. In diesen harten Stunden wurde auch die Seele des zweiten Papstes so gefestigt, dass sie stark und fähig war, in schwerster Zeit elf Jahre, zwei Monate und dreiundzwanzig Tage lang die Kirche Gottes zu leiten und trotz der wütenden Verfolgung weiter auszubreiten. Auch er gab im Jahr 79 nach Christi Geburt im Martertod sein Leben für den Glauben hin.

 

Wie Petrus, der erste Papst, so ist also auch Linus, der zweite Papst, ein Martyrer geworden, und alle ihre nächsten Nachfolger waren mit sehr wenigen Ausnahmen ebenfalls Martyrer, drei Jahrhunderte lang.

 

Zehnmal ging damals wie eine schwere Walze, alles niederreißend und vernichtend, die Verfolgung über die junge Kirche hin. Kaiser und Statthalter, Dichter und Gelehrte, die Gerichte und das Militär und alle gewaltigen Hilfsmittel, die ein mächtiger Staat zur Verfügung hat, wurde gegen die Christen in Bewegung gesetzt. Auch Lüge und Verleumdungen wurden gegen sie aufgeboten und eigene Gesetze der Verfolgung gegen sie erlassen.

 

Wer Christ war, galt ohne weiteres als rechtlos und vogelfrei. Verhaftung, Geldstrafen, Beschlagnahmung des Vermögens, Ausweisung und Zwangsarbeit, Zuchthaus und Folter, Galgen und Rad, Feuer und Schwert, all das ist über die damalige Christenheit hereingebrochen. Aber die Kirche ist nicht untergegangen. Während der gewaltige Römerstaat wie eine Seifenblase zerplatzte und auseinander fiel, blieb das Reich Jesu Christi, die Kirche, bestehen. Die Kaiser starben aus, und die Päpste leben noch, leben immer noch, obwohl alle Jahrhunderte hindurch eine Verfolgung die andere ablöste bis auf den heutigen Tag. Die Päpste leben immer noch von Petrus über Linus und fast dreihundert andere bis auf den Papst heute und auch über diesen hinweg bis zum letzten Nachfolger des heiligen Petrus, der erst in der Stunde das Leben beschließen wird, wenn das Ende dieser Welt gekommen ist und Jesus Christus wiederkommt mit allen Engeln und Heiligen.

 

„Du bist Petrus, der Fels“, hat der Herr gesagt, „auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“