Die heilige Liedwina, Jungfrau von Schiedam in Holland, + 14.4.1433 - Fest: 14. April

 

Nach menschlichem Ermessen dürften wenig Christen gefunden werden, die mit solcher Liebe, mit solcher Geduld und Beharrlichkeit, mit solchem Vertrauen ein solches Leiden so lange ertragen haben, als die gottselige Lidwina. Schon der Name, den sie in der heiligen Taufe empfing, deutet, wie ihr Lebensbeschreiber, der ehrwürdige Thomas von Kempis, bemerkt, auf ihre Bestimmung hin; denn Lidwina heißt so viel als: die vor Leid Weinende. Die auserwählte Braut Christi wurde zu Schiedam in Holland den 18. März 1380 geboren. Ihr Vater, Peter, war von Adel, aber aus göttlicher Fügung so arm geworden, dass er zur Zeit des Herzogs Wilhelm in der Stadt den Nachtwächterdienst versehen musste, um sich und seine Familie zu erhalten. Die Mutter hieß Petronilla und galt als eine sehr gottesfürchtige, ihrem Hauswesen treu vorstehende Frau. Sie gebar ihrem Mann acht Kinder, von denen Lidwina das fünfte war.

 

Frühzeitig gab die Kleine schon eine besondere Andacht zu der Mutter der Reinigkeit zu erkennen, indem sie nie unterließ, wenn sie ihren Brüdern das Essen in die Schule brachte, vor dem Marienbild in der Kirche, an welcher sie der Weg vorüberführte, den englischen Gruß zu beten. Als sie eine junge Frau wurde, sah man an ihr die herrlichsten Vorzüge der Seele mit vollendeter Schönheit des Körpers vereinigt, und daher wurden ihr bald die lockendsten Heiratsanträge gemacht. Doch Lidwina hatte sich schon ihrem Heiland verlobt und erklärte mit Festigkeit, dass sie nie einen sterblichen Menschen ehelichen, ja, wenn man sie weiter mit Anträgen beunruhige, Gott bitten werde, sie so zu entstellen, dass jedem die Lust vergehe, sie auch nur anzublicken. Täglich betete sie zu Gott, dass er alle fleischliche Liebe ihr aus dem Herzen nehme, damit sie ihn allein mit reinem Herzen lieben könne. Und Gott erhörte ihre Bitte, und zwar nach seiner wunderbaren Weisheit, indem er bei ihr schwere körperliche Leiden zuließ, den Worten Jesu gemäß: „Einen jeden, der Frucht bringt, wird mein Vater reinigen, auf dass er noch mehr Frucht bringe.“

 

Um Lichtmessen des Jahres 1395 ging Lidwina, damals fünfzehn Jahre alt, mit ihren Freundinnen auf das Eis, wie denn in Holland das Schlittschuhlaufen allgemeine Volksbelustigung ist. Da kam eines der Mädchen im schnellen Lauf an ihr vorbei und versuchte sich an ihr festzuhalten. Durch den Anprall aber verlor Lidwina das Gleichgewicht und fiel so unglücklich auf einen Haufen Eisstücke, dass sie sich eine Rippe brach. Das war der Anfang ihres namenlosen Leidens. Es bildete sich innerlich ein Geschwür, das allen Heilmitteln trotzte und immer mehr um sich fraß, die Kranke dem Tode nahe bringend. Schließlich platzte es nach einer heftigen Bewegung, die die Leidende machte, und entleerte sich durch den Mund. Von da an folgte eine ununterbrochene Kette von Krankheiten für die ganze Lebenszeit. Drei Jahre lang wurde Lidwina zur Osterkommunion in die Kirche getragen; sonst kroch oder schob sie sich mühsam an einem Stock fort, da sie weder gehen noch stehen konnte. Im vierten Jahr nahm das Übel dermaßen zu, so dass die Kranke sich überhaupt nicht mehr rühren konnte, und man musste, wenn man sie von der Stelle bringen sollte, ihre Schultern mit einer Binde umwickeln, damit sich der Körper nicht auseinander renkte. Nur dem Kopf und einem Arm blieb etwas Beweglichkeit und so lag Lidwina, eine halbe Leiche, bis an den Tod auf dem Rücken. Ein Arzt aus Delft, Meister Andreas genannt, der sie gleich in den ersten Jahren der Krankheit sah, erklärte ihren Eltern, dass sie auf keine Weise mehr gesund werden würde. Doch sollten sie dies für kein Unglück halten, denn Gott würde so viele und große Dinge an Lidwina wirken, dass er für eine solche Tochter gerne so viel Geld geben wollte, als ihr Kopf schwer sei.

 

Immer weiter griff die Krankheit um sich und keine Arznei schlug mehr an. An einzelnen Stellen des Körpers erstarb das Fleisch und ging in Fäulnis über, die wiederum Würmer erzeugte, doch keinen üblen Geruch verbreitete. Dazu gesellte sich ein Brand im Leib, den die Ärzte Antoniusfeuer zu nennen pflegen, und der all ihre Glieder jämmerlich zerfraß. Das Licht ihres Auges verschwand, ihr Kopf wurde von unaufhörlichem Stechen, als würde er mit Nadeln und Messern gestochen, ihr Mund von folternden Zahnschmerzen, ihr Hals mit fast unerträglicher Bräune gepeinigt. Geblütsfülle drang ihr oft aus Nase, Mund und Ohren. Nebenbei hatte sie beständiges Erbrechen, anhaltendes Seitenstechen und ein tägliches Fieber. Auch die Elemente verstärkten ihre Schmerzen. In dem strengen Winter von 1408, wo die Fische im Wasser gefroren, litt die Kranke so unter dem Frost, dass ihre Glieder schwarz und die Tränen ihrer Augen zu Eis wurden. So qualvoll war oft ihr Leiden, dass die natürlichen Tränen versiegten und blutige hervorquollen. Zu dem heftigen Fieber, das sie bald mit Glut verbrannte, bald wieder mit Eiseskälte schüttelte, kam zuletzt eine allgemeine Wassersucht. Als die Pest in Schiedam ausbrach, wurde auch Lidwina damit befallen und kurz vor ihrem Tod überdies noch von der schmerzhaften Steinkrankheit heimgesucht. An der Stirn hatte sich in Folge der Krankheit ein Bruch gebildet, der bis auf die Mitte der Nase reichte, ebenso war die untere Lippe und das Kinn gespalten, so dass sie deshalb kaum reden konnte. Anfangs nahm sie täglich einige Apfelstückchen mit einem Bissen Brot und einem Schluck Bier oder einem Löffel süßer Milch zu sich, später trank sie bloß Wasser aus der Mosel und in den letzten Jahren nahm sie weder Speise noch Trank zu sich. Von Schlaf war ohnehin keine Rede. Der vielen Wunden wegen, die ihren Leib bedeckten, konnte sie kein Federbett ertragen. Jahrelang lag sie auf Stroh und schließlich mit bloßem Rücken sogar auf einem harten Brett, das aus dem Boden eines Fasses genommen war. Niemand konnte sie, die lebendige Ausstellung aller Krankheiten, ohne das innigste Mitleid ansehen, und sie durfte mit Recht ausrufen: „Ihr alle, die ihr vorübergeht, schaut her und sagt, ob ein Schmerz dem meinen gleicht!“

 

Die ersten vier Jahre wollte sich Lidwina nicht recht in ihre Lage fügen; sie klagte oft über ihre Schmerzen und suchte bei den Menschen Hilfe und Erleichterung oder stieß, bitterlich weinend, jeden Trost zurück. Endlich schickte ihr Gott einen frommen Priester, namens Johannes Pot, der sie belehrte, wie sie sich verhalten solle. Er riet ihr vor allem, ihre Gedanken ganz auf das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi zu wenden, ein Geheimnis desselben nach dem andern andächtig zu betrachten und dabei zu erwägen, was der Heiland ihr zu Liebe gelitten habe. Dann solle sie bedenken, was die Heiligen Gott zu Liebe ausgestanden hätten, und schließlich sich fleißig erinnern an den großen und ewigen Lohn, den der Herr für das irdische Leiden verheißt. Um aber von Gott die Gnade der Geduld zu erlangen, solle sie öfters die heilige Kommunion empfangen und in ihren Schmerzen der sogenannten Stoß- oder Schussgebete sich bedienen. Lidwina folgte ihrem ehrwürdigen Beichtvater aufs Pünktlichste und spürte bald eine gänzliche Umänderung ihres Gemütes. Die Begierde, wieder gesund zu werden, die Mutlosigkeit, das Verlangen nach menschlicher Hilfe waren auf einmal verschwunden. Man hörte kein Wort der Ungeduld mehr von ihr, man sah kein Zeichen der Unzufriedenheit. Sie ergab sich vollkommen dem göttlichen Willen und lobte den Herrn in den größten Schmerzen, ja verlangte gar noch mehr zu leiden.

 

So arm sie selber war, gab sie doch von dem Wenigen, was sie hatte, den Armen und teilte mit ihnen das Almosen, das ihr fromme Leute reichten. Freigebig war die gottselige Jungfrau auch mit geistlichen Almosen. Trotz der Unzahl von Krankheiten, die ihren Leib zermarterten, hatte sie Sinne, Vernunft, Gedächtnis und alle Geisteskräfte wohl beisammen und konnte allen, die sie besuchten, Trost, Rat und Belehrung erteilen. Den Ordensleuten empfahl sie freudigen, pünktlichen Gehorsam und warnte vor dem Müßiggang, welcher der Pflegevater alles Bösen sei. Witwen und Waisen ermunterte sie zum Vertrauen auf Gottes Güte und zur Geduld im Ertragen ihrer Entbehrungen. Wollte jemand sie selbst wegen ihrer Armut bedauern, so antwortete sie: „Wer mit dem, was er hat, zufrieden ist, der hat Überfluss.“ Besonderes Mitleid hatte sie mit den Sündern und den Seelen im Reinigungsort und sie pflegte zu ihren Vertrauten zu sagen, sie wollte gern noch doppelt so viel erdulden, wenn sie damit einen Sünder bekehren oder eine Seele aus dem Fegfeuer erlösen könnte.

 

Neben ihren Krankheiten hatte Lidwina auch andere Trübsale zu leiden. Der Tod entriss ihr ihre Mutter, von der sie bisher, so viel es die Umstände erlaubten, sorgsam gepflegt worden war, und sie fiel der Barmherzigkeit der Anverwandten anheim. Diese gingen nicht immer am Liebreichsten mit ihr um. Besonders hart wurde sie von der Gattin ihres Bruders, einer eigensinnigen, zänkischen und rohen Frau, behandelt. Sie aber setzte den Misshandlungen nur Sanftmut und Geduld entgegen und antwortete auf die Frage, warum sie zu allem schweige: „Die Gebrechlichkeiten und Unvollkommenheiten überlästiger Menschen muss man mit ruhigem Gemüt ertragen, damit sie durch das Beispiel fremder Geduld gebessert werden. Die mir Böses tun, geben mir Gelegenheit, meine Verdienste zu vermehren und machen mich zu ihrer Schuldnerin.“ Es fehlte auch nicht an Leuten, die sie für eine Heuchlerin und Betrügerin hielten und mit Verleumdungen und Schmähungen überschütteten. Zur Zeit, als Herzog Philipp von Burgund die stolzen holländischen Städte mit Krieg überzog (1428), kam eine Abteilung seiner Truppen auch nach Schiedam, und einigen Offizieren und Feldärzten, die von Lidwinas wunderbarem Leiden gehört hatten, fiel es ein, sie in ihrer Hütte aufzusuchen. Anstatt aber von dem kläglichen Zustand der Kranken gerührt zu werden, trieben sie allen möglichen Mutwillen mit ihr, rissen ihr die Decke vom Leib, forderten sie höhnisch zum Tanz auf und gingen in ihrer Ruchlosigkeit sogar soweit, sie mit Stöcken zu schlagen und ihren ohnehin zerfleischten Leib an drei Stellen zu verwunden. Das Blut strömte herab und man musste es mit einem Waschbecken aus dem Bett schöpfen. Die kleine Petronilla, das kleine Cousinchen der Kranken, die seit dem Tod der Mutter ihre Wärterin war, schleuderten die Unmenschen, als sie sich gegen sie wehren wollte, so heftig gegen einen Betschemel, dass sie ihr Leben lang hinkte. Das alles litt Lidwina mit engelgleicher Geduld. Ihre Rache aber hatte ein Stärkerer auf sich genommen, denn alle, die an diesem Verbrechen teilgenommen hatten, starben noch in demselben Jahr eines gewaltsamen Todes.

 

Aber noch hatte Lidwina die höchste Stufe der Trübsal nicht erreicht. Es musste auch Petronilla, das treue Cousinchen, sterben und sie damit das letzte Wesen verlieren, das sich ihrer mit Liebe angenommen hatte. Tiefe Betrübnis nahm darüber ihr Herz ein, und weil sie sich dieser zu sehr hingab, entzog ihr der Herr den inneren Trost, so dass sie mit dem Erlöser rufen konnte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ In dieser peinvollen Lage suchte sie Hilfe im Empfang der heiligen Kommunion. Der Genuss der himmlischen Speise war es immer, der das ersterbende Leben des Geistes in ihr wieder mächtig anfachte und in der letzten Zeit sogar die Stelle jeder irdischen Nahrung vertrat. Ein halbes Jahr nach Petronillas Tod, am Tag der Heimsuchung Mariens, neigte sich der Herr endlich wieder zu seiner Braut und flößte ihr solch süßen Trost ein, dass sie zehn Tage wie abgestorben für alles Zeitliche dalag, mit verklärtem Gesicht, voll seliger Freude. Es war jetzt die Zeit gekommen, wo Gott ihr Leiden, ihre Geduld und Liebe belohnte. Er erquickte sie mit himmlischen Gesichten: Engel erschienen ihr, nannten sie Schwester und verkündeten ihr die Krone der Herrlichkeit. Ja der Heiland selbst besuchte sie mit der allerseligsten Jungfrau und anderen Heiligen, und ihr sonst dunkles Kämmerlein erschien oft von überirdischem Licht erhellt und mit himmlischem Duft erfüllt. Eines Tages zeigte ihr der Herr einen schönen Blumenkranz, der aber noch nicht ganz fertig geflochten war, mit den Worten: „Meine Tochter, dieser Kranz muss bald vollendet werden.“ Lidwina verstand wohl, dass sie noch eine Zeitlang werde leiden müssen, aber nur bis ans Ende auszuharren habe, um den Kranz zu gewinnen. Schon früher, von der Zeit an, da sie nach den Ermahnungen ihres Beichtvaters das Kreuz willig auf sich genommen und es fortan ohne Murren getragen hatte, waren ihr viele übernatürliche Gaben verliehen worden, besonders die Gabe hohen beschaulichen Gebetes, die Gabe, das Verborgene der Herzen zu erkennen, die Gabe der Weissagung.

 

Zur gänzlichen Reinigung sandte der Herr seiner Dienerin im letzten Jahr ihres Lebens noch eine neue Krankheit, deren Schmerzen die aller anderen Übel überstieg, an denen sie zu leiden hatte. Es bildeten sich nämlich Steine in ihrem Körper, und an diesem bitteren Kelch musste sie trinken von Lichtmessen bis Ostern. Endlich wurde der frommen Dulderin der Tag geoffenbart, der sie mit ihrem himmlischen Bräutigam für alle Ewigkeit vereinigen sollte. Sie rüstete sich durch den Empfang der heiligen Sakramente, nahm von allen, die sich bei ihr befanden, rührenden Abschied und bat dann, allein gelassen zu werden. Darauf versenkte sie sich in tiefes Gebet, nach dessen Beendigung sie ein heftiges Erbrechen befiel, das nach kurzer Agonie ihrem Leben ein Ende machte. Lidwina starb am 14. April 1433, dreiundfünfzig Jahre alt, nach achtunddreißigjährigem Martyrium auf dem Krankenbett. Man fand nach dem Tod ihre Lenden von einem Bußstrick umgürtet, als hätte sie an den Schmerzen ihrer Krankheiten noch nicht genug gehabt. Und nun zeigte der Herr, wie er seine Heiligen verherrlicht. Nicht tot schien die Hingeschiedene, man konnte eher sagen, sie sei neugeboren. Ihr Gesicht glänzte, wie von einem innerlichen Licht, und ihr ganzer Körper war so weich, heil und rein, als wäre er nie von einer Krankheit berührt worden. Von den Geschwüren und Wunden, die ihn bei Lebzeiten verunstaltet hatten, war keine Spur mehr zu sehen. Der Ruf dieser übernatürlichen Erscheinung zog Tausende von Menschen aus ganz Holland herbei. Durch Berührung ihrer Leiche und ihres Bußgürtels erhielten viele Kranke ihre Gesundheit wieder. Thomas von Kempen führt mehrere dieser Wunder an, von denen er Augenzeuge gewesen ist.

 

Man errichtete ihr ein Grabmal von Marmor in der Pfarrkirche von Schiedam, die seit dem Jahr 1434 nach ihrem Namen genannt wird. Das Haus ihres Vaters wurde in ein Kloster der grauen Schwestern vom dritten Orden des heiligen Franziskus verwandelt. Die Calvinisten haben später die Kapelle zerstört und das Kloster in ein Waisenhaus umgeschaffen. Die Gebeine der Seligen wurden gerettet und nach Brüssel gerettet, wo sie in dem Kollegiatstift der heiligen Gudula ehrenvoll aufbewahrt werden.

 

Die heilige Lidwina leidet 38 Jahre lang viele große und recht schmerzliche Krankheiten. 38 Jahre ist schnell gesagt, aber in Wahrheit eine lange Zeit. Aber was ist diese lange Zeit gegen die Ewigkeit? Die 38 schmerzvollen Jahre haben bei der heiligen Lidwina ein Ende genommen. Wird auch die pein- und schmerzvolle Ewigkeit der Verdammten ein Ende nehmen? Ach niemals, niemals wird sie ein Ende nehmen, sonst wäre sie ja keine Ewigkeit.

 

Nun frage dich: Wenn du sicher wärest, dass du gleich nach der ersten Todsünde mit einer 38jährigen Krankheit, ja nur mit einem 38stündigen Zahn- oder Kopfschmerz von Gott bestraft werden solltest, würdest du diese Sünde dann begehen? Sicher nicht. Und warum sündigst du denn doch so oft und so keck, obwohl du weißt, dass nicht nur ein 38jähriger, sondern ein ewiger Schmerz in der Hölle auf dich wartet? Welche Dummheit ist es also, dich durch eine Sünde der Gefahr auszusetzen, in die ewige Hölle gestürzt zu werden. Willst du vernünftig handeln, so entschließe dich im Ernst, die Qualen der Hölle recht zu betrachten und die Sünde zu meiden.

 

Die heilige Lidwina hält sich in beständiger Geduld durch Betrachtung des bitteren Leidens Jesu Christi, durch Erinnerung dessen, was die Heiligen gelitten, durch Vorstellung der höllischen Peinen und durch das Andenken an die ewigen Freuden des Himmels. Dieses sind die kräftigsten Mittel gegen alle Ungeduld in deinem Leiden, wie es auch immer beschaffen ist. Denke bei dir oder rede dir selbst zu: „Mein Jesus hat weit mehr mir zu Liebe gelitten. Die heiligen Martyrer und die heiligen Bekenner haben ungleich mehr ausgestanden des Himmels wegen. Was ich leide, ist ja nichts gegen das, was die Verdammten in der Hölle leiden und was ich schon so oft wegen meiner Sünden zu leiden verdient habe. Mein Leiden, so schwer es auch immer ist, so lange es auch immer dauert, ist doch kurz und gering im Vergleich mit dem unermesslichen und ewigen Lohn, den mir Gott im Himmel verspricht.“

 

Mit diesen Gedanken hat die heilige Lidwina, wie andere Heilige, sich in ihrem Leiden zur Geduld ermuntert. Folge darin nach. Vor allem berücksichtige die Liebe und das Beispiel des Herrn. „Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt, wollen auch wir alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen. Lasst uns“, schreibt der heilige Paulus, „mit Geduld in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. Denkt an den, der von den Sündern solchen Widerstand gegen sich erduldet hat; dann werdet ihr nicht ermatten und den Mut nicht verlieren.“ (Hebr 12,1-3) Und der Heilige Bernhard schreibt: „Wirst du zur Ungeduld gereizt, so denke, was dein Heiland für dich gelitten hat.“