Der heilige Libentius, Erzbischof von Hamburg und Bremen, + 4.1.1013 - Fest: 4. Januar

 

Unter den Erzbischöfen von Bremen war einer der tüchtigsten und ausgezeichnetsten der heilige Libentius. An ihm ragte eine solche Herzensreinheit hervor, dass er nur selten in Gegenwart einer Frau erschien; seine Enthaltsamkeit war so groß, dass sein Angesicht von strengem Fasten erblasste und einschrumpfte, seine Demut und Liebe gewann ihm die Herzen seiner ihm untergebenen Ordensgenossen. Noch viele andere Tugenden übte er mit unermüdlichem Streben nach Vollkommenheit. Seine ganze Sorge wandte er an, die ihm anvertraute Herde zur genauesten Beobachtung der Ordensregeln anzuhalten und zum Himmel zu leiten.

 

Wegen seiner hervorragenden Geistes- und Herzenseigenschaften übertrug ihm Kaiser Otto III. das Erzbistum Bremen, Papst Johann XV. beschenkte ihm mit dem Pallium, und von seinen Suffraganbischöfen wurde er konsekriert. Als höchst wissenschaftlicher und tugendreicher Gottesmann war er einst aus Italien dem Bischof Adalgar zum deutschen Norden gefolgt, hatte sich nach dessen Lehre und Leben gebildet und längere Zeit der Kirche zu Hamburg vorgestanden, bis er zur bischöflichen Würde erhoben wurde.

 

Als Erzbischof setzte Libentius seine Fürsorge für Arme und Kranke fort, bediente selbst die Elenden und übertrug seinem Neffen Libentius das Krankenhaus zur steten Beaufsichtigung. Solange noch Friede im Land herrschte, besuchte er häufig sein geliebtes Hamburg und die slawischen Völker jenseits der Elbe.

 

In jener Zeit verfolgte der dänische König Sueno die Christen. Der Erzbischof Libentius schickte Gesandte an den grausamen Verfolger, um ihn durch reichliche Geschenke zur Milde gegen die Christen zu bewegen, der aber ließ von seiner Grausamkeit und Treulosigkeit nicht ab. Deshalb traf ihn die göttliche Strafe; denn er wurde von den Slaven in der Schlacht völlig geschlagen, gefangen genommen und in die Sklaverei fortgeführt. König Herik überflutete mit seinem unzählbaren Heer Dänemark, schlug Sueno zu Wasser und zu Land und setzte den Wüterich ab.

 

Eine schwere Prüfung kam über die Christen durch den Einfall der Normannen in die Länder zwischen Elbe und Weser. Das unbedeutende Heer der Sachsen stellte sich den räuberischen Eindringlingen entgegen, wurde aber geschlagen und aufgerieben. Der Markgraf Sigfried, der Graf Thiaderich und viele andere ausgezeichnete Männer wurden an Händen und Füßen gekettet auf die Schiffe geschleppt und die ganze Provinz verwüstet. Als es dem Markgrafen Sigfried gelang, bei Nacht zu entfliehen, schnitten die erbosten Seeräuber allen Gefangenen die Hände und Füße und Nasen ab und warfen sie halbtot ans Land. Später rächte Herzog Benno und Markgraf Sigfried diese Gräueltat an den besiegten Piraten, indem sie 20.000 von ihnen in die Sümpfe trieben und alle bis auf einen niedermetzelten.

 

Um die Stadt Bremen gegen die häufigen Einfälle der räuberischen Normannen zu schützen, umgab sie der Erzbischof Libentius mit einer starken Mauer, brachte die Kirchenschätze in Sicherheit und sprach den Bannfluch über die Seeräuber aus. König Sueno, von Gott und den Seinigen verlassen, irrte unstet umher, wurde von den Normannen und Engländern abgewiesen, und endlich aus Barmherzigkeit vom König von Schottland aufgenommen.

 

In seiner väterlichen Sorge, die Dänen und Schweden, die gleich ihrem König Herik noch dem Heidentum ergeben waren, für den christlichen Glauben zu gewinnen, weihte Libentius mehrere Bischöfe, die mit kaiserlichen Schutzbriefen versehen, das Evangelium Christi im heidnischen Norden verkündeten. Einer dieser Sendboten, der heilige und weise Missionar Poppo, bewies die Göttlichkeit seiner Heilslehre, indem er ein glühendes Eisen in seiner Hand trug, ohne sie zu verletzen. Ein anderes Mal hüllte er sich in ein wachsgetränktes Gewand und ließ es in Gottes Namen in Brand stecken. Die Augen und Hände zum Himmel gerichtet, pries er mit heiterem Gesicht seinen Herrn und blieb völlig unverletzt, während das Kleid rings um ihn zu Asche verbrannte. Die Zuschauer erkannten die Macht des Gottes der Christen und viele Tausende ließen sich taufen. Einen sehr reichen und angesehenen Dänen, namens Odinckar, weihte Libentius zum Bischof von Ripe und gewann durch ihn viele Norweger für die Religion Jesu Christi.

 

Unter Genehmigung des Erzbischofs Libentius gründete der Graf Heinrich in Rosafeld eine Propstei, die der Erzbischof einweihte. Jütland teilte er in zwei Bistümer, zu den Slaven schickte er den Bischof Folkquard, dann den Reginbert, die segensreich unter den Schweden und Norwegern wirkten und mit Freuden heimkehrten.

 

Nach diesen glücklichen Errungenschaften für das Reich Gottes starb der heilige Erzbischof Libentius am 4. Januar 1013 und wurde in der Mitte des Chores seiner Kathedralkirche vor den Stufen zum Allerheiligsten begraben. Der im Leben seinem Heiland so treu gedient hatte, sollte auch im Tod ihm nahe bleiben.