Der heilige Leopold III. Babenberg, Markgraf von Österreich, + 15.11.1136 - Fest: 15. November

 

Der heilige Leopold, von seiner Jugend an „der Fromme“ genannt, war ein Sohn Leopolds III., des Schönen, und Ithas, Kaiser Heinrichs III. Tochter, und wurde am 29. September 1073 zu Melk an der Donau geboren. Schnell entwickelte er die Früchte der guten Erziehung, die ihm seine Eltern angedeihen ließen. Jedermann bewunderte an dem fürstlichen jungen Mann die Fülle der Tugenden, die ihn zierte, seine Nüchternheit, Keuschheit, Zurückgezogenheit, Bescheidenheit, Selbstbeherrschung, Gebetsliebe und Freude am Lesen geistlicher Bücher, besonders der Heiligen Schrift, und versprach sich großen Segen für das Vaterland, wenn er einmal zur Regierung gelangen würde. Er war erst vierundzwanzig Jahre alt, als die schwere Bürde des Herrscheramtes auf seine Schultern gelegt wurde. Im Gefühl der menschlichen Schwäche flehte er zum Himmel um Segen und Erleuchtung, und diese Gaben wurden ihm reichlich zuteil. Er waltete im vollen Sinn des Wortes mit Gott, und sein Hof wurde der Sitz der Gerechtigkeit, Wohltätigkeit und jeder christlichen Tugend. Die Geschichtsschreiber jener Zeit entwerfen ein schönes Bild von dem Glück, das Österreich unter dem Zepter Leopolds genoss. Doch so sorgsam er auch seinen Fürstenpflichten nachkam, verlor er bei der Leitung der zeitlichen Geschäfte doch nie das Ewige aus dem Auge. Es gibt nicht mehr als ein göttliches Gesetz für die Hohen und Niederen der Erde, und beide können nur auf ein und demselben Weg zur Seligkeit gelangen. Diese wichtige Erkenntnis bewog ihn, sein Leben nach der für alle Menschen gegebenen Richtschnur zu regeln. Er wohnte fleißig dem Gottesdienst bei, empfing oft die heiligen Sakramente und hielt treu an der damals hart bedrängten Kirche. Agnes, die Tochter des Kaisers Heinrich IV., mit der er sich in seinem dreiunddreißigsten Jahr vermählt hatte, war ihm eine gleichgesinnte, eifrige Teilnehmerin an allen Werken der Gottseligkeit. Sie hielten miteinander häufig eine Andacht, auch bei der Nacht, trugen Sorge, dass jeder an ihrem Hof das Leben nach den Vorschriften der christlichen Religion einrichtete, und gingen überall mit dem besten Beispiel voran. Ihre Ehe wurde mit neunzehn Kindern gesegnet, von denen elf am Leben blieben und in der Furcht des Herrn erzogen zu hohen Würden, teils geistlichen, teils weltlichen gelangten. Der Eifer für Gottes Ehre beseelte das fromme fürstliche Paar in dem Grad, dass es auf seine Kosten fast alle baufälligen Kirchen im Land wieder herstellte, auch zwei herrliche Klöster neu gründete, das zu Neuburg am Kahlenberge und das zum heiligen Kreuz im Tal Sattelbach. Von der Demut, dieser Grundlage aller Heiligkeit, gab Leopold vielfältig Beweise. Recht augenfällig trat diese Tugend an ihm hervor, als 1125 auf dem Tag zu Mainz die Kurfürsten ihn zum Kaiser erwählen wollten. Denn da bat er kniefällig und unter vielen Tränen, einem anderen, tauglicheren Fürsten diese Würde zu übertragen. Bei aller Frömmigkeit, bei aller Milde und Güte zeigte er aber gleichwohl Heldenkraft, wo es galt, sein Land und sein Recht gegen feindliche Angriffe zu verteidigen. Vierzig Jahre hindurch hatte der treffliche Fürst sein Volk ruhmvoll beherrscht, als er im Herbst 1136 schwer erkrankte und nach würdiger Vorbereitung am 15. November des Todes verblich. Sein Hintritt erfüllte Österreich mit unsäglicher Trauer. Die Leiche wurde im Kloster Neuburg feierlich beigesetzt, und schon in den ersten Tagen erfolgten beim Grab zahlreiche Wunder an Kranken und Presshaften. Die Heiligsprechung Leopolds unternahm Papst Innocenz VIII. im Jahr 1484. Österreich ehrt ihn als seinen ersten Landespatron.