Der heilige Leontius II., Bischof und Bekenner von Bordeaux, + 15.11.565 - Fest: 15. November

 

Der heilige Leontius, mit dem Beinamen „der Jüngere“, um ihn von einem anderen Leontius, seinem Vorgänger auf dem bischöflichen Stuhl von Bordeaux zu unterscheiden, wurde um das Jahr 410 zu Saintes geboren. Er stammte aus einem der edelsten Häuser in Aquitanien. In seiner Jugend tat er Waffendienste gegen die Westgoten in Spanien und im narbonnensischen Gallien. Man bewog ihn die Placidina zu heiraten, die unter ihre Vorfahren den heiligen Sidonius und Kaiser Avitus zählen konnte. Wegen seiner unbescholtenen Lebensweise, seiner reinen Sitten, seiner Gerechtigkeitsliebe, seiner Frömmigkeit und seiner Almosen wurde er in späteren Jahren des bischöflichen Amtes würdig erachtet. Das Volk und die Geistlichkeit von Bordeaux erwählten ihn nach dem Tod von Leontius I., oder des Älteren, im Jahr 541 zu ihrem Oberhirten. Von dieser Zeit an betrachtete er seine Gemahlin Placidina nicht mehr anders als eine geliebte Schwester, und sie, ganz der Gottseligkeit ergeben, fand ihre höchste Wonne den gottgeweihten Gemahl in allen guten Werken, so viel sie vermochte, zu unterstützen. Leontius verwendete seine beträchtlichen Güter zum Bau vieler Kirchen, die er auch mit den erforderlichen Einkünften versah, und unter denen auf seinen Gütern besonders bemerkt zu werden verdienen, die zum heiligen Martin von Tours, und zum heiligen Vincentius von Agen; dann die zum heiligen Nazarius, zum heiligen Dionysius und zu der allerseligsten Jungfrau in Bordeaux; endlich die zum heiligen Eutropius von Saintes, in der Stadt dieses Namens.

 

Man findet einen Leontius von Bordeaux unter den Bischöfen des 4. Konzils von Orleans. Es ist wahrscheinlich, dass dies Leontius der Ältere war. Dem sei jedoch wie ihm wolle, unser Heiliger, der dem 5. Konzil eben dieser Stadt nicht beiwohnen konnte, schickte den Priester Vincentius dahin. In eigener Person erschien er aber auf dem 2. und 3. Konzil von Paris, die 551 und 557 gehalten wurden. Im Jahr 565 versammelte er auch ein Konzil aus seiner Provinz zu Saintes, worin Emerius, Bischof dieser Stadt, abgesetzt wurde, da dessen Weihe, weil ohne Zuziehung des Metropoliten, also gegen die Kanons des letzten Konzils von Paris geschehen, gesetzwidrig war. Man wählte an dessen Stelle den Priester Heraklius von Bordeaux. Als jedoch die Urkunde dieser Wahl dem König Charibert vorgelegt wurde, geriet er in großen Zorn, wies den Abgesandten von seinem Angesicht, und schickte ihn in die Verbannung. Er wollte, dass Emerius, obgleich er keinen anderen Rechtsgrund als ein Dekret des Königs Clotar hatte, im Besitz des bischöflichen Stuhls von Saintes verbliebe, und die Bischöfe, die zu dessen Verurteilung mitgewirkt hatten, wurden mit einer Geldstrafe belegt. In der Folge glich sich jedoch die Sache aus, und der heilige Leontius selbst erkannte Emerius als Bischof von Saintes an. Er starb um das Jahr 565, und wird an diesem Tag zu Bordeaux verehrt; allein sein Name steht in keinem Martyrologium. Es scheint nicht, dass Placidina, obgleich sie einen sehr heiligen Lebenswandel geführt hat, jemals in der Kirche öffentlich als Heilige verehrt worden wäre.