Die heilige Kreszentia von Kaufbeuren, Nonne, Oberin, + 5. April 1744 – Fest: 5. April

 

„Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhebt die Demütigen. Siehe, er hat herabgesehen auf die Niedrigkeit seiner Magd!“ So pries die demütigste und begnadete aller Jungfrauen ihr Glück, zur Würde der Gottesmutter erhoben zu sein. Wie wir es bei der allerseligsten Jungfrau sehen, erwählt der weise Ratschluss Gottes gar oft aus dem niedrigsten Stand Personen, um sie mit außerordentlichen Gnaden zu erfüllen und sie in seinem Reich hoch zu stellen. Eine dieser hochbegnadeten und hochangesehenen war die heilige Kreszentia.

 

Sie war die Tochter eines armen Leiwebers, Matthias Höß, in Kaufbeuren, und doch verkehrten mit ihr die gekrönten Häupter. Die Kaiserin Amalia, die Brüder des Kaisers, die Herzogin von Savoyen, der Kurfürst von Köln, die fürstliche Familie von Sigmaringen, die Kirchenfürsten von Salzburg und Augsburg, der Kurfürst von Sachsen und die königliche Familie von Polen unterhielten einen fortwährenden Schriftwechsel mit der Weberstochter und reisten zu ihr hin. Noch heute hat ihr Name in Schwaben und allen deutschen Ländern guten Klang und zahlreiche Scharen pilgern zu ihrem Grab.

 

Maria Kreszentia wurde am 20. Oktober 1682 von sehr armen, aber auch sehr frommen Eltern geboren und zeigte schon als Kind eine außerordentliche Vorliebe für das Gebet und fromme Übungen. Oft fand man die Kleine in einem Winkel des Hauses auf den Knien betend, manchmal litt sie Hunger und Durst oder nahm etwas Bitteres in den Mund aus Liebe zum Heiland, der mit Essig und Galle getränkt wurde.

 

Zur jungen Frau herangewachsen, hegte sie keinen sehnlicheren Wunsch, als in das Frauenkloster zu Kaufbeuren einzutreten, indes konnte sie wegen ihrer Armut nicht aufgenommen werden, weil die Vermögensverhältnisse des Klosters sehr zerrüttet waren. Dennoch besuchte sie gern das Kloster und betete vor dem Kruzifix im Gang mit tiefer Inbrunst. Einst war es ihr, als ob sie vom Kreuz deutlich die Worte hörte: „Hier wird deine Wohnung sein.“ Aber alle ihre Bitten um Aufnahme fanden keine Erhörung.

 

Schon war Kreszentia 22 Jahre alt und noch immer zeigte sich keine Aussicht, dass sich ihr sehnlichstes Verlangen jemals erfüllen werde, aber Gottes Vorsehung schaffte Rat. Neben dem Kloster stand ein Wirtshaus, wo von Gästen Tag und Nacht viel gelärmt wurde, so dass die Klosterfrauen in ihrer Andacht und nächtlichen Ruhe fortwährend gestört wurden. Gern hätte das Kloster das Wirtshaus gekauft, aber es konnte die Kaufsumme nicht erschwingen. Da brachte es der Bürgermeister Matthias Wörle durch seinen Einfluss dahin, dass der Wirt für eine geringe Summe seine Wohnung dem Kloster überließ. Zugleich bat er die dankbaren Klosterfrauen, sie möchten Kreszentia aufnehmen, indem er die Worte hinzufügte: „Es wäre schade, wenn solch ein Engel in der Welt verdorben würde.“

 

Kreszentia trat nun im Jahr 1704 in das Frauenkloster vom Dritten Orden des heiligen Franziskus, aber man ließ sie im Kloster fühlen, dass sie kein Vermögen mitgebracht habe, selbst die Dienstboten nannten sie manchmal ein Bettelmädchen. Die demütige Jungfrau ertrug alle Schmähungen mit himmlischer Geduld, unterdrückte jeden hochmütigen Gedanken und betete für ihre Beleidiger. Anfangs erhielt Kreszentia eine eigene Zelle, als aber eine Novizin kam, die Vermögen mitbrachte, musste sie ihre Zelle abtreten und täglich die eine oder andere Klosterfrau bitten, dass sie in ihrer Zelle auf dem Boden übernachten dürfe. Später wurde ihr ein dunkler, feuchter Winkel zur Schlafstelle angewiesen.

 

In ihrem Noviziat musste Kreszentia die niedrigsten Dienste verrichten und wurde wegen ihrer Frömmigkeit oft noch als Heuchlerin gescholten. Nach ihrem Probejahr wurde sie als Pförtnerin angestellt, später musste sie die Küche besorgen. Bald sahen jedoch die Mitschwestern ein, dass sie der tiefreligiösen Kreszentia Unrecht getan hatten, sie bereuten ihr liebloses Benehmen und wählten sie einstimmig zur Vorsteherin des Klosters, sie nahm in ihrer Demut diese Würde jedoch erst an, als sie vermöge des Gehorsams vom Kirchenoberen dazu verpflichtet wurde.

 

In ihrer Würde verdoppelte Kreszentia ihr eifriges Streben nach Vollkommenheit. Sie pflegte zu sagen: „Wenn ich nur einen Tropfen Blut oder eine Faser an mir wüsste, die Gott nicht liebte, so müsste ich sie herausreißen.“ Wenn sie andere sagen hörte, es sei genug, wenn man sich von Sünden enthalte, dieses oder jenes gute Werk brauche man nicht zu tun, dann vergoss sie bittere Tränen. Sie flehte zu Gott, er möge ihr lieber alle Krankheiten des Leibes, Geistesdürre und Kreuz und Leiden schicken, als dass er sie in eine Sünde fallen lasse. Wo sie Gelegenheit fand, anderen Gutes zu tun, freute sie sich königlich. Besonders liebte sie jene, die sie verachtet und Verspottet hatten. Hörte sie jemand über die Fehler der Mitmenschen sprechen, so verteidigte sie die Abwesenden mit aller Entschiedenheit. Eine besondere Fürsorge hegte sie zu den Kranken und sie scheute sich nicht, die ekelhaftesten Geschwüre auszusaugen. Bei Tisch begnügte sie sich mit Suppe und gab ihren übrigen Anteil den Armen. Um Mitternacht pflegte sie aufzustehen und ihre Andacht zu verrichten, und die Glut ihrer Andacht ließ sie die bitterste Winterkälte nicht fühlen. Ihre Seele versenkte sich so tief in das Leiden Christi, dass allmählich die Wirkung davon auf ihren Leib überging. An jedem Freitag von 9 Uhr bis nachmittags 3 Uhr litt sie unsägliche Schmerzen und zur Zeit der Sterbestunde Christi fiel sie oft in Ohnmacht.

 

Ihren Leib kasteite Kreszentia in vielfacher Weise. In ihren letzten Lebensjahren genoss sie mittags nur etwas Suppe und Gemüse, abends nichts. Sie schlief nur drei Stunden und zwar auf einem Brett, die übrige Zeit widmete sie frommen Übungen. Ihre Demut ließ den jüngeren Klosterfrauen den Vorrang und verrichtete selbst die niedrigsten Hausgeschäfte. Musste sie eine Rüge erteilen, so bat sie vorher die Schuldige um Vergebung. Noch über ihr Kloster hinaus ging ihre segensreiche Wirksamkeit, indem sie Feinde miteinander versöhnte, Frieden in entzweiten Familien stiftete, verhärtete Gewohnheitssünder bekehrte.

 

Reich an Verdiensten und Tugenden, hochverehrt und geliebt von allen, die sie kannten, starb Kreszentia gottselig und im Ruf der Heiligkeit in der Nacht vom 4. Auf den 5. April 1744. Papst Pius VII. erklärte sie in einem Breve vom 2. August 1801 selig. Papst Johannes Paul II. sprach Kreszentia von Kaufbeuren am 25. November 2001 heilig.