Der heilige Konrad Nantovin, Pilger und Martyrer zu Wolfratshausen, + 7.8.1286 – Fest: 7. August

 

Zur Zeit Rudolfs, des Sohnes Ludwig des Strengen, kam ein unbekannter Pilger in die Gegend von Wolfratshausen in Oberbayern. Niemand wusste, woher er stamme, ob er nach Rom pilgere oder von dort zurückkehre. Obwohl er nur wenig Geld bei sich führte, reizte es doch die Habsucht des Ortsrichters Ganterus. Der schuldigte den Fremdling eines schrecklichen Verbrechens gegen die Unschuld eines Jungen und ließ ihn ohne Erbarmen verbrennen, um heimlich das Geld und Pferd des Fremdlings sich anzueignen. Dies geschah am 7. August 1286.

 

Gott verherrlichte bald seinen treuen Diener durch Wunder. Als der ungerechte Richter Ganter gleich darauf mit seinen Knechten über die Richtstätte Nantovins reiten musste, wo noch seine verkohlten Beine umherlagen, blieb sein Pferd plötzlich stehen und erblindete. In der Bestürzung riet ihm ein Knecht, ein Bein des Heiligen auf die Augen des Pferdes zu legen, und sogleich wurde es sehend, wie zuvor. Auch ein blinder Mann und eine blinde Frau riefen den Heiligen um seine Fürbitte an und erhielten ihr Augenlicht wieder.

 

Diese wunderbaren Ereignisse überzeugten das Volk von der Unschuld des hingerichteten Pilgers, es sammelte die Reste seiner heiligen Gebeine und erbaute über dem Ort ihrer Beisetzung ein Kirchlein. Zahllose Kranke, Blinde, Lahme und die mit einem Gebrechen des Leibes oder der Seele Erkrankten drängten sich zum Grab des Heiligen und die Wunder mehrten sich in dem Maße, dass Papst Bonifaz VIII. nach sorgfältigster Prüfung kein Bedenken trug, den unschuldigen Diener Gottes im Jahr 1297 unter die Zahl der Heiligen aufzunehmen.

 

Im Jahr 1624 wurde über der Marterstelle des heiligen Konrad Nantovin eine schöne Kirche erbaut, in der seine heiligen Reliquien ruhen. Seine Hirnschale und sein Pilgerfläschlein kamen zur Zeit der Kirchenplünderung in die Hände eines Privatmannes, ebenso seine eisernen Fesseln. Als sie einmal ihr Eigentümer freventlich zu profanem Gebrauch verwenden wollte und sie in die Schmiede trug, wurde er vom Wahnsinn befallen. Noch heute steht das Häuschen und der Kerker, in dem der Heilige gefangen war, ehe er zum Scheiterhaufen geschleppt wurde. Wolfratshausen wurde öfters von Bränden heimgesucht, aber jenes Häuschen und der Kerker blieben jederzeit unverletzt.