Die heilige Koleta (Nicolette) Boilletta, Nonne (Klarissin) und Ordensstifterin von Gent, + 6.3.1447 - Fest: 6. März

 

Diese Heilige war schon ein Gnadenkind unmittelbar durch ihre Geburt, denn sie wurde ihrer Mutter geschenkt, als diese bereits 60 Jahre zählte und bisher überhaupt jeder Aussicht auf Kindersegen entbehrt hatte. Der Geburtsort Koletas aber war die Stadt Corbie in Flandern. Schon als Kind legte sie einen ungewöhnlichen Ernst an den Tag und befliss sich der Nächstenliebe, des Gebetes und der Enthaltsamkeit. Als sie, älter geworden, sich dessen bewusst wurde dass sie ein schönes Angesicht habe, bat sie Gott, er möge es entstellen, damit es niemand Anlass zur Sünde sein. Andererseits aber bat sie den Herrn auch in ihrem vierzehnten Lebensjahr, er möge ihrem Körper, der im Wachstum zurückgeblieben war, die erforderliche Größe verleihen und siehe, beide Bitten fanden Erhörung. Noch in der Welt befindlich, wurde sie doch schon himmlischer Verzückungen und Erscheinungen gewürdigt. Nach dem Tod ihrer Eltern verteilte sie ihr Vermögen unter die Armen und trat in den Dritten Orden des heiligen Franziskus ein, wo sie noch viel mehr als bisher ein Leben der Selbstverleugnung und Bußstrenge führte. Indes war ihr von der göttlichen Vorsehung eine ganz eigenartige Aufgabe zugewiesen: nämlich den Klarissenorden (Orden der heiligen Klara), dessen Zucht und Strenge da und dort nachgelassen hatte, zu reformieren. Eine schwierige und heikle Sache! Und wie sollte gerade Koleta, die doch nur dem Dritten Orden angehörte, dazu berufen sein? Daher zögerte sie auch zunächst, sich dieser Aufgabe zu unterziehen. Als sich aber der Wille Gottes wiederholt und in unzweideutiger Weise kundgab, ging sie mutig ans Werk.

 

Koleta trat nun vor allem selbst in den Klarissenorden über und legte im Jahr 1406 zu Nizza vor Kardinal de Luna Profess ab. Von ihm erhielt sie alle nötigen Vollmachten zu der beabsichtigten Reform. Sie führte diese auch ungeachtet aller Schwierigkeiten mit bewunderungswürdiger Klugheit und Tatkraft durch. Es entstand auf Grund dieser Tätigkeit Koletas sogar ein neuer Zweig des Klarissenordens, der nach ihr den Namen Koletinerinnen bekam und hauptsächlich in ihrer Heimat selbst, in Frankreich, Verbreitung fand. Dem Tugendleben der Heiligen tat aber dieses arbeitsreiche äußere Wirken keinen Eintrag. Sie beobachtete die strengste Armut – ganz im Geist des heiligen Franziskus und der heiligen Klara – und war stets voll der Liebe den Nächsten gegenüber, voll Geduld, Demut und Sanftmut. Dafür war sie aber auch so erleuchteten Geistes, dass sie zukünftige Dinge voraussagen und über die Glaubenswahrheiten in wunderbar tiefsinniger Weise sprechen konnte. Schon im Jahr 1412 war sie Äbtissin (zu Besancon) geworden und in dieser Stellung starb sie auch wohlvorbereitet, geduldig und bußfertig, jede Erleichterung in ihrer Krankheit von sich weisend, zu Gent in Flandern am 6. März 1447. Papst Pius VII. hat sie im Jahr 1807 unter die Zahl der Heiligen versetzt.

 

Die heilige Koleta war in ihrer Jugend auf ihre körperliche Schönheit nicht nur nicht eitel, sondern trat ihr sogar feindlich entgegen. Wohl sind auch die Vorzüge der Natur Gaben Gottes, für die man ihm danken und die man gut anwenden muss, aber im Vergleich zur unsterblichen Menschenseele und zum Seelenheil kommt ihr Wert kaum in Betracht. Da dürfen sie dann auch zurückgesetzt, missachtet und bekämpft werden, besonders wenn sie uns etwa direkt Anlass zur Sünde wären. Das ergibt sich aus den Worten des Heilandes: „Wer sein (natürliches) Leben gewonnen hat, wird es verlieren, und wer es verloren hat um meinetwillen, wird es gewinnen.“ (Mt 10,39) Ja, es ist keineswegs unser Schaden, wenn wir die Natur um des Seelenheiles willen zu kurz kommen lassen: Wir werden überreich dafür im Himmel entschädigt werden.