Die heilige Katharina von Siena, Benincasa, Nonne, + 29.4.1380 - Fest: 30. April

 

Die heilige Katharina, nach ihrer Vaterstadt Katharina von Siena genannt, hieß mit dem Familiennamen Benincasa. Der Vater war ein Wollfärber, ein angesehener Bürger, der später verarmte. Aus dem Leben seiner jüngsten Tochter wird viel Sonderbares und Wunderbares berichtet.

 

Sonderbar zum Beispiel war es, dass Katharina, die sich als Kind in der Wiege kaum jemals rührte, immer unruhiger wurde, wenn die Mutter nach dem Empfang der heiligen Kommunion aus der Kirche heimkehrte. Mit sehnsuchtsvollem Blick streckte ihr die Kleine beim Eintritt die Ärmchen entgegen und war erst zufrieden, bis die Mutter sie aus dem Bettchen nahm. Dann drückte sie den Kopf fest an das Herz der Mutter und lächelte vor sich hin. Ob sie wohl die Gegenwart von Jesus gespürt hat? Wer kann das sagen? Möglich ist es schon, denn früh begnadete Kinder hat es schon immer gegeben.

 

Als Schulkind war Katharina ein munteres Mädchen. Die Mitschüler mochten sie sehr, nicht nur die Mädchen, sondern auch die Jungen. Und wenn man „Räuber und Gendarm“ spielte, erhielt Katharina stets den Oberbefehl, entweder bei den Räubern oder bei den Gendarmen. Und wenn nach langem Gefecht schließlich alle Räuber von den Gendarmen gefangen waren, zog Katharina mit allen Kindern zum nächsten Feldkreuz, alle knieten sich hin, und Katharina betete vor. Dabei geschah regelmäßig wieder etwas Sonderbares, denn kaum hatte die Vorbeterin einige Worte gesprochen, da wurde sie wieder still und schien mit offenen Augen zu schlafen. Die anderen Kinder mussten sie am Ärmel zupfen, bis sie langsam zu sich selbst zurückkam. Und wenn die anderen sie fragten, wo sie gewesen sei, so gab sie ohne zu zögern die Antwort, sie sei im Himmel gewesen.

 

Sonderbar verlief übrigens Katharinas ganzes Leben. Früh wollte sie der Vater, dessen Geschäft von Tag zu Tag schlechter ging, an einen reichen Bewerber verheiraten, um aus den Schulden herauszukommen. Das wollte der Vater, aber Katharina wollte nicht. Was sie denn wolle, fragte man sie. Ob sie denn ins Kloster gehen wolle? Nein, das wollte sie ebenfalls nicht, sie wolle Ordensschwester in der Welt werden.

 

Über diese und ähnliche Antworten schüttelten die Eltern den Kopf und hatten Angst um den klaren Verstand der Tochter. Um sie daher von den Träumereien, wie sie es nannten, abzulenken, übertrugen ihr Vater und Mutter viele unterschiedliche Arbeiten und ließen sie wie eine Magd schuften, so dass sie kaum zur Besinnung kam. Anfangs litt Katharina unter diesem Zustand, und sie klagte darüber vor Gott im Gebet. Da gab ihr Jesus selbst den Rat, sich im Herzen geistiger Weise ein Kämmerchen zu bauen und bei allen Arbeiten darin aufzuhalten. Sofort handelte Katharina nach dem Rat, und von da ab störte sie die äußere Beschäftigung nie mehr beim Gespräch mit Gott. Sie schien zu arbeiten, und in Wirklichkeit betete sie hochbeglückt immerwährend.

 

Mit achtzehn Jahren ging Katharina nicht ins Kloster, trat aber in den Dritten Orden des heiligen Dominikus ein, erhielt das weiße Ordenskleid und war dadurch, wie sie es immer gewollt hatte, eine Ordensschwester in der Welt geworden. Sie sorgte für die Armen, betreute die Kranken, nahm sich trotz Spott und Hohn der verfolgten Juden an, trug Verwundete aus dem Kriegsgetümmel, pflegte ohne Angst vor Ansteckung die Pestkranken, und bei all dem blieb sie stets betend in ihrem stillen Kämmerchen, das auf den Rat von Jesus im Herzen errichtet hatte.

 

Acht Jahre ging das so. Da erhielt Katharina in einer Erscheinung die Weisung, das Herzenskämmerchen und auch die Heimat zu verlassen, von Stadt zu Stadt zu ziehen, vor Papst und Bischöfe, Könige und Fürsten zu treten und alle zu mahnen, dass sie Frieden untereinander schließen sollten. Es war damals eine friedlose Zeit, und der Lärm der Waffen drang bis in die letzten Winkel der Erde. Da hatte Katharina eine schwere Aufgabe erhalten, aber sie hat sich nicht gesträubt. Wie eine gottgesandte Prophetin erschien sie überall dort, wo Streit und Krieg herrschten. Und das ist neben dem Sonderbaren in ihrem Leben das Wunderbare, dass sie auch überall, wo sie auftrat, den Frieden herbeiführte. Und sie war doch nur eine schwache junge Frau, die bereits mit dreiunddreißig Jahren am 29. April 1380 starb.