Der heilige Kasimir, Prinz und Bekenner von Polen, + 4.3.1484 - Fest: 4. März

 

Schön ist es und auch recht erbaulich, dass fast jedes christliche Land durch einzelne Frauen oder Männer aus fürstlichem Geblüt im Heiligenkalender vertreten sind, Deutschland beispielsweise durch den heiligen Kaiser Heinrich und die heilige Kaiserin Kunigunde. Frankreichs Zierde ist der heilige König Ludwig. Norwegen stellt den heiligen König Olaf, Böhmen den heiligen König Wenzel, Ungarn den heiligen König Stephan und so weiter.

 

Zu den Heiligen aus fürstlichem Haus gehört auch der heutige Tagesheilige Sankt Kasimir, Prinz von Polen, Herzog von Litauen und erwählter König von Ungarn. Von ihm sagt lobend die Epistel: „Selig der Mann, der ohne Makel erfunden wurde, der dem Golde nicht nachging und nicht auf Geld und Reichtum seine Hoffnung setzte.“

 

Man muss sich wundern, dass dem heiligen Kasimir solche Weisheit nachgerühmt wird, denn als er am 4. März 1484 an der Auszehrung starb, war er gerade vierundzwanzig Jahre alt. Gewöhnliche Menschen kommen sonst erst viel später und manche überhaupt nie dahinter, dass Geld und Reichtum nur eitel Schein und Blendwerk sind und dass allein ein Gott wohlgefälliges Leben den Menschen für Zeit und Ewigkeit glücklich machen kann. Kasimir gehörte zu denen, die schon mit jungen Jahren klug werden. Zwei Dinge waren es besonders, die ihn auszeichneten, nämlich die Liebe zum gekreuzigten Heiland und die Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria.

 

Als der kleine Kasimir zum ersten Mal von dem bitteren Leiden und Sterben Jesu Christi erfuhr, erging es ihm, wie es bei diesem Anlass jedem Kind ergeht, in dessen Brust ein warmfühlendes Herz schlägt. Die Tränen liefen dem Prinzen die Wangen hinunter, und fest nahm er sich vor, jede Sünde zu meiden, weil die Sünden die bittere Ursache der Schmerzen des Heilandes sind. Darüber hinaus verzichtete Kasimir, sooft es unauffällig geschehen konnte, gern auf den vollbesetzten Tisch im königlichen Elternhaus. Süßigkeiten schlug er fast immer aus. Zuweilen geschah es auch, dass er anstatt im warmen Bett auf dem kalten Fußboden schlief. All diese Opfer nahm der jugendliche Prinz auf sich, um dadurch das bittere Leiden und Sterben des lieben Heilandes zu ehren und ihm so sein schweres Kreuz tragen zu helfen.

 

Empfindungen und Vorsätze dieser Art drängen sich uns gern auf, wenn wir die Leidensgeschichte des Herrn lesen oder hören. In solchen Augenblicken ist die Gnade ganz in der Nähe, und wenn wir da dem Ruf der Gnade folgen und wie der Polenprinz dem Heiland durch kleine Opfer unsererseits das schwere Kreuz auf dem bitteren Kreuzweg tragen helfen, so kann es geschehen, dass wir ebenfalls Heilige werden.

 

Neben der Nachfolge des gekreuzigten Heilandes zeichnete den heiligen Polenprinzen Kasimir eine innige Verehrung der lieben Mutter Gottes aus. Als man hundertzwanzig Jahre nach dem Tod das Grab des Heiligen öffnete, fand man unter dem Kopf des unverwesten Leichnams ein Schriftstück, auf das Kasimir eigenhändig ein Marienlied niedergeschrieben hatte, das er im Leben immer wieder mit Vorliebe zum Lob und Preis der lieben Mutter Gottes gesungen und gebetet hatte. Es ist eins der schönsten Marienlieder überhaupt und beginnt mit den Worten: „Alle Tage sing und sage Lob der Himmelskönigin...“ Schön und sinnreich wäre es, wenn man das liebe Lied gleich im Anschluss an die heutige Legende im Gesangbuch suchen und es durch alle Strophen bis zum Ende singen würde; denn ein Marienlied ist ein Labsal für die Seele und tut dem katholischen Herzen wohl. Eigentlich sollte man doch jeden Tag ein Marienlied singen!