Der heilige Karl der Große, Deutscher Kaiser, + 28.1.814 - Fest: 28. Januar

 

In der langen Reihe deutscher Herrscher hat keiner den Kaiserthron so sehr geziert und der vollen Blüte des Christentums so eifrig gedient, als der erste deutsche Kaiser, Karl, mit vollem Recht „der Große“ genannt. So eifrig sich die Feinde des Christentums auch bemüht haben, die Verdienste Karls zu schmälern, seinen Lebenswandel zu verdächtigen und seine Taten herabzuwürdigen, so werden sie ihm doch kaum ein zweites Muster eines christlichen Regenten an die Seite stellen können. Hier soll nicht die Rede sein von seiner Weisheit und Festigkeit in seiner Regierung, nicht von seinen Großtaten in Kriegen und Schlachten, nicht von Deutschlands Größe und Machtstellung in der christlichen Welt, deren Gründer er war, vielmehr soll nur das berührt werden, was ihn groß und herrlich gemacht hat in den Augen Gottes.

 

Karl, 742 geboren, war ein Sohn des Frankenkönigs Pipin und der griechischen Prinzessin Bertha. Von seinen Eltern erhielt der reichbegabte Sohn eine sorgfältige Erziehung. Nach dem Tod seines mächtigen Vaters wurde er zum König gekrönt (768). Karls höchstes Ziel war das Glück seines Volkes, und da er erkannte, dass nur im Christentum das wahre Glück der Seelen, Bildung, Kunst und Wissenschaft gedeihen, so strebte er mit allem Eifer nach Ausbreitung der katholischen Kirche, die er wie seine eigene Mutter verehrte.

 

Da die Sarazenen in Spanien die Christen hart bedrängten, unternahm er gegen sie einen Feldzug. Dann wandte er sich gegen die kriegerischen Sachsen, die öfters verwüstend in sein Reich einfielen und die Glaubensboten ermordeten. Der Sachsenkrieg dauerte 32 Jahre und wurde seitens der heidnischen Sachsen mit großer Erbitterung geführt. Nachdem ihr Nationalheiligtum, die Irminsäule, zerstört war und ihr Herzog das Christentum angenommen hatte, pflanzte Karl überall das Kreuz auf und ließ Priester zurück, um das Volk zu unterrichten und mit den Segnungen des Christentums zu beglücken. Zweimal zog Karl mit seiner Heeresmacht über die Alpen, um die Päpste Hadrian I. und Leo III. vor den Bedrängungen der Langobarden zu schützen.

 

Im Jahr 800 feierte Karl das Weihnachtsfest in Rom. Während er, ganz in Andacht vertieft, im Hochamt demütig auf den Knien lag, trat Papst Leo III. vor ihn hin und setzte ihm feierlich die Kaiserkrone aufs Haupt. Der Petersdom widerhallte von dem begeisterten, tausendstimmigen Jubelruf des Volkes: „Leben und Sieg dem von Gott gekrönten Kaiser der Römer!“ War die Kaiserkrone durch die ohnmächtigen und selbstsüchtigen Cäsaren des Morgenlandes entweiht, so sollte sie auf dem Haupt des ersten abendländischen, römisch-katholischen Kaisers neuen Glanz entfalten. Um seinen Untertanen die Segnungen des christlichen Glaubens, der Bildung des Geistes und Herzens zuwenden, und selbst in den sittlichen und bürgerlichen Tugenden befestigt zu werden, berief er fromme und gelehrte Männer aus Italien und England an seinen Hof, errichtete 24 Klöster und stattete sie mit reichlichen Einkünften aus, stiftete zwei Erzbistümer und neun Bistümer, baute 27 neue Kirchen, versah sie mit reichem Schmuck und kostbaren Gefäßen, sorgte für die Würde und den Glanz des Gottesdienstes, führte einen erbaulichen Kirchengesang ein, errichtete zahlreiche Volksschulen, zwei Hochschulen zu Paris und Pavia, ließ viele Bücher abschreiben und errichtete Bibliotheken, wodurch kostbare Schätze der Wissenschaft der Nachwelt erhalten wurden.

 

Mit dem größten Eifer förderte Karl die christliche Lehre und Zucht. Die Bischofswahl legte er in die Hände der Geistlichkeit und des Volkes, die Verordnungen Roms waren für sein ganzes Reich maßgebend, den gregorianischen Kirchengesang verpflanzte er nach Frankreich und Deutschland, die Bischöfe und Äbte hatten Sitz und Stimme in den Reichsversammlungen, die Kirchengüter schützte er als Opfer der Gläubigen und Erbteil der Armen. Sobald sich Irrtümer zu verbreiten drohten, versammelte er die Bischöfe zum Konzil, um die rechte Lehre gegen Ketzerei zu schützen. Auf Zucht und fromme Sitte hielt er mit allem Eifer. Oft besuchte er die Schulen, belobigte die Fleißigen und tadelte die Trägen. Er wollte sein Volk nicht nur zeitlich, sondern auf ewig glücklich machen.

 

Zeigte sich Kaiser Karl als unbesiegbaren Kriegshelden, als weisen und tatkräftigen Herrscher, so glänzte er nicht minder durch seine Tugenden im Privatleben. Er beobachtete in Speise und Trank strenge Mäßigkeit, hielt die Fasten genau wie ein Mönch, trug, außer bei feierlichen Gelegenheiten, ein einfaches Kleid, das ihm seine Gattin Hermengarde gesponnen und gewebt hatte, und unter dem ein härenes Bußhemd. Täglich wohnte er dem Gottesdienst und in der Nacht dem Chorgesang bei, selbst auf seinen Feldzügen mussten ihn immer Geistliche begleiten und das heilige Messopfer im Feldlager halten. Mochte er noch so sehr beschäftigt sein in Staatsdiensten, niemals versäumte er seine religiösen Pflichten. Sehr gern beschäftigte er sich mit dem Lesen geistlicher Bücher, selbst während der Mahlzeit ließ er sich aus dem Werk des heiligen Augustinus, „die Stadt Gottes“, abschnitte vorlesen. Oft saß er zu den Füßen seines Lehrers Alkuin, um von ihm zu lernen. Allen Armen und Hilfsbedürftigen nicht nur in seinem weiten Reich, sondern auch in den fernsten Ländern, teilte er so reiche Almosen aus, dass sein Schatz oft erschöpft war.

 

Die letzten Lebenstage Karls des Großen wurden durch den schmerzlichen Verlust seiner beiden hoffnungsvollsten Söhne, Pipin und Karl, getrübt. Als er seinen baldigen Tod verspürte, ließ er seinen Sohn Ludwig nach Aachen kommen, versammelte die Bischöfe und Großen des Reiches in der prachtvollen, von ihm erbauten Marienkirche, legte seine Kaiserkrone auf den Altar, bestimmte Ludwig zu seinem Nachfolger und legte ihm feierlich seine Regentenpflichten ans Herz mit den Worten: „Liebe Gott und halte heilig seine Gebote! Trage Sorge für die Kirche Jesu Christi und schütze sie alle Zeit gegen Boshafte! Ehre die Priester als deine Väter und liebe die Untertanen wie deine Kinder! Den Klöstern und Armen sei ein Tröster, wähle nur gerechte und gottesfürchtige Richter und betrage dich selbst vor Gott und den Menschen unsträflich!“ Nachdem Ludwig dies zu befolgen mit lauter Stimme versprochen hatte, fuhr er fort: „Nimm nun die Krone vom Altar als aus der Hand Gottes, setze sie dir selbst auf zum beständigen Andenken an dein Gelöbnis!“

 

Nur wenige Monate nach der Krönung Ludwigs ergriff Karl ein heftiges Fieber. Da ließ er den Bischof Hildbold, seinen Vertrauten, rufen und empfing aus seiner Hand die letzte Wegzehrung. Am folgenden Morgen, den 28. Januar 814, fühlte er die Annäherung des Todes. Mit letzter Kraftanstrengung drückte er das Zeichen des heiligen Kreuzes auf Stirn und Brust, legte dann die Hände gefaltet auf der Brust zusammen und sang mit geschlossenen Augen und leiser Stimme: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!“

 

So entschlief der große Mann im zweiundsiebzigsten Lebensjahr, nach einer sechsundvierzigjährigen glorreichen Regierung. In vollem Kaiserschmuck, mit Krone und Zepter, ein goldenes Evangelienbuch auf den Knien, ein Stück des heiligen Kreuzes auf dem Haupt, die goldene Pilgertasche um die Hüfte, auf einem goldenen Stuhl sitzend, wurde er in der Gruft der Münsterkirche zu Aachen feierlich beigesetzt. Noch lange lebte der Name des großen Karl in den Sagen und Liedern des Volkes fort und viele Jahrhunderte hindurch knüpfte man alles Große und Schöne an den Namen Karls des Großen.