Der heilige Karl Borromäus, Erzbischof, Kardinal von Mailand, + 3.11.1584 - Fest: 4. November

 

Der heilige Karl Borromäus war ein eifriger Verehrer des heiligsten Altarsakramentes. Schon als Junge war seine liebste Beschäftigung, kleine Altärchen zu errichten und davor Lobgesänge Gottes zu singen, wozu er auch seine Geschwister und andere Kinder aufzufordern versuchte. Als er heranwuchs, begab er sich, während seine Kameraden mit kindlichen Spielen sich beschäftigten, am liebsten in irgendeine Kirche, um dort seinen Erlöser zu besuchen und anzubeten.

 

An der Hochschule zu Pavia, wo er sich auf den geistlichen Stand vorbereitete, lebte er mitten unter den Ausschweifungen der Studenten ganz zurückgezogen; seine Zeit war dem Studium und dem Gebet gewidmet.

 

Zum Priester geweiht, begann er ein noch strengeres Leben als zuvor, gab sich mit noch größerem Eifer dem Gebet hin und wählte sich einen frommen Ordensmann zum Gewissensrat, auf dass er ihm eine gründliche Anleitung zur Ausübung der christlichen Tugenden geben möge.

 

Sein Oheim, Papst Pius IV., erhob ihn zum Kardinal der heiligen römischen Kirche und übertrug ihm zugleich das Erzbistum Mailand. Von Gott ausersehen, in der Zeit der großen Glaubensspaltung der Kirche eine Stütze zu sein, war er unablässig bemüht, dass das Konzil von Trient, das dem Strom der Glaubensneuerung Einhalt tun sollte, fortgesetzt und zum Schluss gebracht wurde. Er war neben dem Papst die Seele dieser großen Kirchenversammlung. Auch veranlasste er, dass ein eigener Katechismus der katholischen Lehre verfasst, dass das römische Messbuch und Brevier verbessert, dass heilsame Beschlüsse für die Kirchenzucht gefasst und verkündet wurden. Und als die Beschlüsse des Konzils zur Ausführung gebracht werden sollten, war er der erste, der damit den Anfang machte.

 

An sich selber übte er die größte Strenge, und alle Zeit, die ihm übrig blieb, verwandte er auf den Besuch der Kirchen; daneben spendete er reichliches Almosen und gab große Summen Geldes hin zum Schmuck seiner Kathedralkirche und führte ein ärmliches Leben. Keinen Morgen ließ er hingehen, ohne das heilige Messopfer darzubringen, zu dem er sich nicht nur durch inbrünstiges Gebet, sondern auch durch die Beichte jedesmal vorbereitete; hielt ihn aber eine schwere Krankheit von der heiligen Messe ab, so empfing er wenigstens die heilige Kommunion. Da er selbst erklärte, dass seine größte Wonne darin bestehe, am Fuß der Altäre vor dem Tabernakel zu verweilen, so brachte er oft ganze Nächte in der Kirche zu, und war mit allen Kräften darauf bedacht, die Kirchen von Mailand und die seines Bistums mit geziemender Pracht auszustatten. Auf die Herstellung des überaus herrlichen Domes zu Mailand verwandte er die größten Summen. Besonders sah er darauf, dass in den Kirchen Reinlichkeit und Ordnung herrschte, und der Gottesdienst mit entsprechender Feierlichkeit gehalten wurde. Wer kann schildern, mit welcher Andacht und inneren Sammlung er die heilige Messe las, und mit welch glühender Liebe er überhaupt das Allerheiligste behandelte? Nach der heiligen Messe blieb er stundenlang vor dem Altar knien, um seine Danksagung zu machen. Wenn er die heilige Kommunion austeilte, war er so ergriffen, das er nichts bemerkte, was um ihn vorging. Die Liebe zum allerheiligsten Altarsakrament gab ihm übermenschliche Kraft für sein apostolisches Wirken. Wie viel Mühe gab er sich, die Gläubigen zum fleißigen und andächtigen Besuch des Gottesdienstes und zum würdigen Empfang der heiligen Sakramente anzueifern! Er führte die Bruderschaft vom allerheiligsten Altarsakrament in seiner Metropolitankirche ein, die das Vorbild für alle anderen in seiner Diözese wurde. Er ordnete das 40stündige Gebet aufs neue und verteilte es an alle Kirchen in der Weise, dass nicht ein Tag im Jahr war, an dem nicht das heiligste Sakrament öffentlich zur Anbetung ausgesetzt worden wäre. Unzählige Kirchen wurden von ihm teils erbaut, teils restauriert.

 

Da die Priester die besonderen Diener des Heiligtums sind, so war seine erste und letzte Sorge, sie von der Erhabenheit ihrer Würde zu überzeugen, in ihnen den Geist des Gebetes und der Wissenschaft anzuregen, sie zu einem reinen Lebenswandel anzuspornen und sie mit Eifer für das Heil der Seelen und die Ehre Gottes zu entflammen.

 

Nachdem er heilige Zucht unter der Geistlichkeit hergestellt hatte, weihte er dem christlichen Volk all seine Kräfte. Jedes Jahr besuchte er die Pfarreien, sogar die entlegensten, hielt selbst Christenlehre und drang unaufhörlich darauf, dass die Priester es am Unterricht des Volkes nicht fehlen ließen.

 

Auch in den Klöstern stellte er den Geist wahrer Frömmigkeit wieder her, nachdem der Weltgeist in sie eingedrungen war.

 

Im schönsten Licht zeigte sich seine Seelengröße zur Zeit, als die Pest in Mailand die fürchterlichsten Verheerungen anrichtete. Er ging in die Pestspitäler, um, von Toten und Gefahren des Todes umgeben, den Sterbenden Trost zuzusprechen und ihnen den Beistand der Religion zu leisten. Furchtlos begab er sich an das Bett der Sterbenden, um ihnen die heiligen Sakramente zu spenden. Diesen Heldenmut hatte er sich vom heiligsten Sakrament geholt. Auch den Priestern, die voll heiligen Eifers sich beeilten, den Sterbenden beizustehen und ihnen die heilige Wegzehrung zu reichen, wusste er gleiche Seelenstärke einzuflößen.

 

Unterdessen griff die Pest immer weiter um sich, und der Heilige sah ein, dass nur mehr der Allmächtige diesem fürchterlichen Übel Einhalt gebieten könne. Es wurden darum öffentliche Bußprozessionen gehalten, an denen der Heilige selbst barfuß mit einem Strick um den Hals teilnahm, und endlich nahm das furchtbare Übel nach und nach ein Ende, wie es der Heilige vorhergesagt hatte.

 

Die heilige Eucharistie war in dieser jammervollen Zeit der Pest sein Trost, seine Zuversicht und Zuflucht.

 

Geschmückt mit den schönsten Tugenden, ausgerüstet mit den herrlichsten Gaben des Himmels, glühend für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen und dabei geleitet von dem Geist christlicher Klugheit, die er im Gebet errungen, voll tiefer Wissenschaft und Weisheit, die er sich durch fortgesetztes Studium zu eigen gemacht, gelang es ihm, Geistlichkeit und Volk umzuwandeln und Tausende für den Himmel zu gewinnen. Der Heilige hielt öfter geistliche Übungen an einsamen Orten, besonders zog ihn an der Berg Varallo, ein Wallfahrtsort im Bistum Novara an der Schweizer Grenze; dorthin begab er sich i Jahr 1584 in dem Vorgefühl des nahen Todes, obgleich er kaum sein 47. Lebensjahr erreicht hatte. Er verdoppelte jetzt seine Gebete und Bußwerke, legte eine Lebensbeichte ab und schien mehr als je in Gott versenkt. Am 24. Oktober befiel ihn ein Fieber. Die Krankheit nötigte ihn, nach Mailand zurückzukehren, wo er am Allerseelentag in einer Sänfte ankam. Die Ärzte erklärten sogleich das Übel für äußerst gefährlich, und der Beichtvater eröffnete ihm, dass die Stunde nahe sei, wo er vor Gott erscheinen müsse. Mit bewunderungswürdiger Ruhe hörte der Heilige diese Kunde; mit der Andacht eines Engels empfing er die heiligen Sterbesakramente, und am selben Tag Abends (4. November) verschied er, den Blick unverwandt auf das Bild des Gekreuzigten heftend, mit den Worten: „Ecce venio cito – Siehe, ich komme bald.“ Seine Heiligsprechung erfolgte 1610 durch Papst Paul V.