Die achtzehn seligen englischen Kartäuser-Märtyrer, Todesjahr 1535 bis 1540 - Fest: 4. Mai

 

Im Jahr 1886, am 29. Dezember, dem glorreichen Todestag des heiligen Thomas, Erzbischofs von Canterbury, wurde in Rom ein Dekret veröffentlicht, in dem 54 Märtyrer selig gesprochen wurden, die unter Heinrich VIII. und Elisabeth in den Jahren von 1535 – 1583 zum Teil unter entsetzlichen Qualen hingemordet worden waren. Unter diesen sind im Dekret achtzehn Kartäuser namentlich aufgeführt, die durch Heinrich VIII., den Abtrünnigen, zur Krone des Martyriums gelangten.

 

Im Jahr 1534 sollten alle Untertanen von 16 Jahren an erklären, dass die Ehe des Königs ungültig und die neue, mit einem Hoffräulein der verstoßenen Königin vollzogene, rechtmäßig sei. Die übergroße Mehrzahl gab befriedigende Antwort, wie es ja „in jenem überaus verdorbenen Jahrhundert beinahe ein Wunder war, für Christus zu sterben“, sagt der Kartäuser Mauritius Chauncy, der die Leiden seines Priors und Mitbruders Johannes Houghton beschrieben hat. So kamen denn auch in die Kartause von London königliche Kommissäre und verlangten Zustimmung zu des Königs Vorgehen. Und da die Antwort des Priors, er habe über des Königs Tun und Lassen nicht zu richten, nicht genügte, wurde er und der Prokurator (Verwalter) des Klosters im Monat Mai 1534 im Gefängnis verwahrt, bis sie auf Gutachten gelehrter Männer entlassen wurden. In der Nacht vor der Entlassung hatte der ehrwürdige Prior einen Traum des Inhalts, dass sie innerhalb eines Jahres wieder dahin zurückkehren werden. Und dies war mehr als ein Traum.

 

Im Anfang des Jahres 1535 mussten alle den König als das höchste geistliche Haupt der englischen Kirche erklären, widrigenfalls sie als Hochverräter die diesen bestimmte Todesstrafe erleiden müssten. Nun wusste der Prior der Kartause, dass es jetzt auf Leben und Tod gehe und in feurigen Worten ermahnte er die Seinigen zum Kampf. In eifriger Vorbereitung auf die kommenden Dinge hielten sie ein Triduum ab, bei dem alle am ersten Tag eine Lebensbeichte ablegten, am zweiten einander nach vorausgegangenem Gebet kniefällig um Verzeihung baten; am dritten Tag wurde ein Heiliggeistamt gehalten, wobei alle, auch die Brüder außerhalb der Kirche, ein wunderbares schönes Säuseln der Luft vernahmen und zugleich mit himmlischem Trost erfüllt wurden. Zur selben Zeit kam auch der Prior Robertus Lawrence der Kartause Schönental und ein dritter Prior, Augustin Webster, um die Zeitlage sich zu besprechen.

 

Man vereinbarte sich, zum Vertreter des Königs zu gehen und um Erleichterung bezüglich des Eides zu bitten. Er ließ sie aber kurzerhand ins Gefängnis werfen und nach einer Woche auf ihre Verweigerung des Eides hin zur Todesstrafe verurteilen. Grausam war die damalige Strafe für Majestätsverbrecher. Auf einer niederen Pritsche angefesselt, wurden die drei Prioren auf den Richtplatz geschleppt. Dort wurde zuerst der Prior der Londoner Kartause Johannes Houghton gehenkt, nachdem er zuvor vom Henker die Erlaubnis erhalten hatte, einen kurzen Psalm zu beten, der ausklang in die Worte: „In deine Hände empfehle ich meinen Geist.“ Alsdann wurde er noch lebend heruntergelassen, in roher Weise ausgezogen, es wurden seine Schamteile weggeschnitten, der Unterleib aufgeschlitzt, die Eingeweide herausgenommen und all dies ins Feuer geworfen; alsdann das Herz weggerissen. Bei all dem war der Prior bei voller Besinnung und betete ständig; und mit den Worten „guter Jesus, was machst du mit meinem Herzen“, gab er den Geist auf. Mit der gleichen Standhaftigkeit wurden hierauf die zwei anderen Prioren gemartert. Das geschah am 4. Mai 1535 und zwar wie auch bei den heiliggesprochenen Thomas Morus und Kardinal Fisher an einem Dienstag, der bekanntlich der Verehrung der Apostel und besonders der Apostelfürsten geweiht ist.

 

Drei Wochen darauf wurden wieder drei nunmehrige Vorsteher der Londoner Kartause gefangen gesetzt und vierzehn Tage lang mit eisernen Ketten an Hals und Beinen an Säulen gebunden, so dass sie jeglichem Ungemach der Natur und der Witterung ausgesetzt waren. Hierauf vor Gericht gestellt, bekannten sie aufs standhafteste ihre Romtreue und wurden der gleichen Todesart teilhaftig. Noch jung an Jahren, aber gereift an Geist, voll der Gnade und Tugend, von vornehmer Herkunft – einer, Pater Sebastian Newdigate, war sogar im königlichen Palast erzogen worden -, gingen sie zum Tod wie zu einem Gastmahl in der Hoffnung des ewigen Lebens am 29. Juni 1535.

 

Mit den übrigen Kartäusern glaubte man dadurch zum Ziel zu kommen, dass man ihnen weltliche Vorsteher gab, die sie auf alle Art drangsalierten. Und als sie trotzdem fest blieben, wurden am 4. Mai 1536 vier Brüder verbannt in weit entlegene Kartausen, von denen zwei Priester am 11. Mai 1537 ebenfalls gehenkt wurden. Von den Zurückgebliebenen wurden zehn Brüder, das heißt drei Priester, ein Diakon und sechs Laienbrüder, anfangs Juni 1537 in den Kerker geworfen, wo sie infolge des entsetzlichen Schmutzes und Gestankes vom Juni bis September nacheinander starben bis auf einen, der wie sein Prior am 4. August 1541 gehenkt und gemartert wurde.

 

Solch ein Märtyrertod musste aber auch verdient sein. Und wahrhaft die Londoner Kartause war hierfür geradezu ein Muster. Der erst 43jährige Prior ging in allen Tugenden mit heiligem Beispiel voran. In feurigen Worten ermahnte er oft die Seinen zum eifrigen Chorgebet, das so langsam verrichtet wurde, dass die Nachtwachen gewöhnlich mindestens fünf Stunden dauerten. Man sagte allgemein: „Wenn ihr wollt den Gottesdienst andächtig gefeiert sehen, so eilet zur Kartause.“ Es lebten in der Kartause Brüder, die beim Gebet schwebend gesehen wurden. Die Gabe der Tränen und der Zerknirschung war fast allgemein, vorab beim Pater Prior. Ein edler Wetteifer in der Erstrebung der Tugenden herrschte, so dass oft Weltleute, die aus der Kartause zurückkehrten, unter Tränen sagten: „Wahrlich, Gott ist an diesem Ort.“

 

Beachten wir dies wohl besonders in unserer gewitterschwülen Zeit. Dem Kampf für den Glauben muss der Kampf für das Leben nach dem Glauben vorausgegangen sein; sonst könnte leicht die Rechnung falsch sein und zur Zeit der Not nicht genügend Eifer für Gott und Verachtung des Irdischen vorhanden sein.