Der heilige Joseph Komes, Bekenner von Scythopolis im Heiligen Land, + 22.7.356 - Fest: 18. Dezember

 

Siehe, o Mensch, wie geduldig Gott auf unsere Bekehrung wartet, wie er wieder und wieder anklopft an unserem Herzen, dass wir ihm auftun, und, wie wahrhaft der heilige Petrus schreibt: „Der Herr ist nur langmütig um eurer willen, und will nicht, dass jemand verloren gehe, sondern dass sich jeder zur Buße kehre.“ Dies zeigt die Bekehrungsgeschichte des Joseph Komes, der sie selbst dem heiligen Epiphanius anlässlich des Besuches des heiligen Eusebius von Verzelli in seinem Haus erzählte.

 

Joseph Komes war von Geburt ein Jude und zu Tiberias einer derjenigen gewesen, die unter der Benennung von Aposteln den Rat des Patriarchen bildeten, der seit Zerstörung Jerusalems nach erloschenem Hohenpriestertum, als geistliches Oberhaupt, von der Nation angesehen wurde, und dessen Würde im Haus des großen Gamaliel erblich war. Der Patriarch, unter dem Joseph Apostel war, hieß Hillel. Der ließ sich während einer tödlichen Krankheit heimlich taufen. Er hatte seinem minderjährigen Sohn Judas dem Joseph und einen anderen tugendhaften Mann zu Vormündern gesetzt, und beiden wurde die Verwaltung des Patriarchenamtes bis zur Volljährigkeit des Mündels übertragen.

 

Dem Joseph war die Taufe Hillels nicht entgangen, und er hatte ihn belauscht, als er dem Bischof, der die heilige Handlung verrichtet hatte, Gold gegeben, mit dem Auftrag, es für ihn Gott zu opfern, mit den hinzugefügten Worten: „Es steht geschrieben, was Gottes Priester binden oder lösen werden auf der Erde, das werde auch im Himmel gebunden oder gelöst sein.“

 

Josephs Neugierde wurde sehr gereizt. Er fand unter dem Nachlass des Patriarchen hebräische Übersetzungen des Evangeliums des Johannes und der Apostelgeschichte. Die Lesung dieser göttlichen Schriften machten ihm viel Unruhe; aber er versuchte sich der Überzeugung zu erwehren, die ihm bei der Ausübung der Geschäfte seines hohen und jüdischreligiösen Amtes so lästig wurde.

 

Unser Heiland erschien ihm im Traum und sagte ihm: Ich bin Jesus, den deine Väter kreuzigten, glaube an mich.“ Bald darauf wurde er krank. In einer Erscheinung sagte ihm der Sohn Gottes, er sollte glauben, so würde er genesen. Er versprach es, wurde gesund, empörte sich aber wieder gegen die Erkenntnis. Da bekam er wieder diese gefährliche Krankheit. Ein Rabbi, der ihn besuchte, und wohl, gleich ihm, heimlich die Wahrheit im Herzen erstickte, glaubte, dass er sogleich sterben würde, und sagte ihm ins Ohr: „Glaube an Jesus Christus, der da gekreuzigt wurde unter Pontius Pilatus. Er ist der Sohn Gottes; ließ sich gebären von Maria, er ist der Messias Gottes, ist auferstanden, wird kommen, zu richten die Lebendigen und die Toten.“ Jesus Christus erschien ihm wieder im Traum und sprach zu ihm: „Ich mache dich gesund; glaube an mich, dann wirst du gesund sein.“ Joseph wurde gesund, aber verhärtete wieder sein Herz. Unser Heiland ging ihm nach mit unendlichem Erbarmen, erschien ihm noch einmal im Traum, hielt ihm seine Untreue vor und sagte ihm: „Willst du ein Wunder tun in meinem Namen, so gewähre ich es dir zu deiner Überzeugung.“ In der Tat trieb er im Namen Jesu den Teufel aus einem Besessenen. Die ganze Stadt war Zeuge davon, die Juden riefen, Joseph habe den geheimnisvollen unaussprechlichen Namen Gottes geschrieben gefunden, ihn gelesen, und tue daher solche Wunder.

 

Joseph blieb Jude, wurde von Judas, als der die Patriarchenwürde angetreten hatte, im jüdischen Apostolat bestätigt, und betrieb sein Geschäft mit tätigem Eifer. Er durchreiste die Provinzen, prüfte die Lehrer der Schulen, die Ältesten, rügte scharf die Mängel, entsetzte die Unwürdigen. Dadurch zog er den Hass von verschiedenen Personen auf sich. Sie belauerten ihn, als er auf einer Amtsreise in Zilizien war, und ertappten ihn beim Lesen des Evangeliums, das er sich vom Bischof des Ortes geborgt hatte. Sogleich schleppten sie ihn in die Synagoge und schlugen ihn. Der Bischof entriss ihn ihren Händen. Bald darauf stürzten sie ihn in den Strom des Zyndus und meinten, ihn ersäuft zu haben; er aber rettete sich durch Schwimmen.

 

Endlich ließ er sich taufen, wurde dem Kaiser Konstantin bekannt, erzählte ihm seine Geschichte. Der gewann ihn lieb und er durfte eine Gnade von ihm begehren. Joseph erbat sich nur die Erlaubnis, an solchen Orten, die bloß von Juden ohne Mischung von Heiden, Samaritanern und Christen bewohnt wurden, Kirchen zu erbauen, weil dort noch keine waren. Solche Städte waren Tiberias, Diozäsarea, Sephoris, Nazareth und Kapharnaum. Konstantin gewährte ihm nicht nur sehr gern diese Erlaubnis, sondern gab ihm auch schriftliche Vollmachten und Befehle, auf kaiserliche Unkosten diese Gebäude zu errichten, und ernannte ihn zum Komes. Die Kirchen wurden erbaut.

 

Joseph war sehr der Wut der Juden und Arianer ausgesetzt. Die Juden suchten auf alle mögliche Weise ihm weh zu tun und den Bau der christlichen Kirchen zu verhindern. Sie gebrauchten sogar Zaubereimittel, um das Feuer im Kalkofen zu löschen. Joseph ließ ein Gefäß mit Wasser herbringen, bezeichnete es unter Anrufung des Namens Jesu mit dem Kreuzzeichen, warf es sodann in den Ofen, und die Flammen loderten wieder auf und erhoben sich gewaltig. Um den Arianern auszuweichen, verließ er Tiberias und ging nach Skytopolis, wo nun sein Haus das einzige katholische in der Gegend war, und außer dem er der einzige Katholik. Als er den Eusebius von Verzelli in sein Haus aufnahm, war er 70 Jahre alt, und starb gläubig im Jahr 356. Sein Name steht in den griechischen und lateinischen Martyrologien, in den letzteren am 22. Juli.