Der heilige Josaphat, Bischof und Martyrer von Polozk, + 12.11.1632 - Fest: 12. November

 

Eigentlich hieß der Heilige von heute Johannes und mit dem Familiennamen Kunczewitsch, ein Pole also. Den Namen Josaphat legte sich Johannes später selbst zu, als er 1604 zwanzigjährig zu Wilna in ein Kloster eintrat.

 

Kann man denn auch Josaphat heißen? Ist nicht Josaphat ein Tal in der Nähe von Jerusalem, wo dereinst am Jüngsten Tag das Weltgericht stattfinden soll? Wohl, das stimmt, denn beim Propheten Joel, Kapitel 4, Vers 12 steht geschrieben: „Es sollen sich aufmachen und heraufkommen die Völker ins Tal Josaphat, denn da will ich zu Gericht sitzen.“ Das ist das Tal Josaphat, und so erinnert uns der Name heute bereits an das Evangelium vom letzten Sonntag des Kirchenjahres über das Jüngste Gericht, auf das wir stets vorbereitet sein sollen; denn, so heißt es dort, „wie der Blitz vom Ausgang ausgeht und bis zum Niedergang leuchtet, ebenso wird es mit der Ankunft des Menschensohnes sein“. Blitzartig wird das Gericht der Ewigkeit eintreten, und deshalb muss man stets darauf gerichtet sein. Josaphat ist indessen nicht nur ein Ortsname, sondern auch ein Personenname, und der Tagesheilige heißt nun einmal Josaphat.

 

Johannes Kunczewitsch hatte das Glück, eine gute Mutter zu besitzen, die ihm früh vom lieben Heiland, von der Mutter Gottes, vom Schutzengel und von den Heiligen erzählte. Da konnte es geschehen, dass dem Jungen, wenn die Mutter vom Leiden und Sterben des göttlichen Erlösers sprach, helle Tränen über die Backen liefen. Es waren heilige Tränen, und nie braucht sich ein Kind der Tränen zu schämen, die ihm aus mitleidsvollem Herzen unwillkürlich in die Augen treten, wenn es die Geschichte vom sterbenden Heiland hört oder liest. Der ganze Himmel freut sich über die Tränen und über das Kind, das sie vergießt.

 

Johannes sollte anfänglich Kaufmann werden; er kam in die Lehre, und der Lehrherr gewann den aufgeweckten, braven jungen Mann bald so lieb, dass er ihn, weil er kinderlos war, an Sohnes Statt annehmen und zum Erben von Geschäft und Vermögen einsetzen wollte. Da hätte sich Johannes also leicht ein schönes und bequemes Leben machen können, aber er war klüger und verzichtete auf das angebotene Erbe und ging, wie bereits erwähnt, ins Kloster. Das war nicht schlecht getan, denn von der Welt sagt ein Sprichwort: „Die Welt ist eine Insel, darinnen vier Festungen: Goldberg, Neideck, Hohenzorn und Haderwick.“

 

Im Kloster hieß Johannes fortan Pater Josaphat. Der junge Mönch studierte viel und betete noch mehr und war bald ein Muster aller klösterlichen Tugenden, so dass ihn die Mitbrüder zum Abt erwählten, und einige Zeit später wurde Josaphat im Alter von achtunddreißig Jahren zum Erzbischof von Polozk ernannt. Niemand ahnte, dass der kraftvolle junge Kirchenfürst damals die Scheitelhöhe des Lebens längst überschritten hatte und dass die Abendwolken dunkel und schwer sich über ihm sammelten. Fünf Jahre später nämlich wurde Erzbischof Josaphat um des katholischen Glaubens willen auf gräuliche Art ermordet. Das kam folgendermaßen:

 

Das Erzbistum Polozk lag auf der damaligen Grenze zwischen Polen und Russland. Zwar waren die Russen auch Christen, aber sie hatten keine Gemeinschaft mit dem obersten Hirten in Rom. Im Gegenteil, sie bekämpften den Papst und alle Katholiken auf jede erdenkliche Art. Seiner Pflicht entsprechend, ließ es sich Erzbischof Josaphat angelegen sein, die Russen zum einzig wahren römisch-katholischen Glauben hinüberzuziehen. Nicht ohne Erfolg tat er es, denn er war gelehrt und machte alle Gegner schnell mundtot. Dazu war er in seinem ganzen Wesen und Auftreten ein Edelchrist, der keine Forderungen an die Leute stellte, die er ihnen nicht auch selbst vorlebte. Seine ungemessene Wohltätigkeit schließlich gewann ihm alle Herzen. So kam es, dass mit der Zeit viele Irrgläubige zur Mutterkirche zurückkehrten.

 

Über die Erfolge des Erzbischofs geriet natürlich die Gegenseite in hellen Zorn, der allmählich in eine regelrechte Raserei ausartete, und als der verleumdete und verfolgte Oberhirte einst in der Kirche betete, drang eine verhetzte Rotte in das Bischofshaus und misshandelte die Angehörigen des verhassten Mannes. Da lief Josaphat hinzu und sagte: „Ihr sucht doch mich, hier bin ich.“ Bei diesen Worten stürzten sich alle auf den einen mit Stöcken und Lederriemen, und schließlich spaltete einer der Unholde dem mutigen Bischof mit dem Beil den Schädel, eindeutig um des römisch-katholischen Glaubens willen.

 

Das war der glorreiche Tod des heiligen Bischofs und Blutzeugen Josaphat, und weil er auf diese Weise zu Tod kam, findet man heute, auf ihn gedeutet, das Evangelium vom guten Hirten.