Der heilige Johannes Castrillo von Facundo, spanischer Priester, + 11.6.1479 - Fest: 12. Juni

 

Am 24. Juni wird das Fest des Heiligen Johannes Baptist gefeiert, und weil in Spanien der Brauch herrscht, die Kinder nach dem Heiligen ihres Geburtstages zu nennen, so erhielt der heutige Tagesheilige, weil er am 24. Juni 1430 geboren wurde, den Namen Johannes. Von Haus aus hieß er Gonzales.

 

Früh begann Johannes die Predigttätigkeit, denn was er als Junge am Sonntag von der Kanzel hörte, trug er daheim den Geschwistern und Nachbarskindern vor. Als dann Johannes Priester geworden war, wurde bei ihm aus dem kindlichen Spiel ein heiliger Ernst. Weder auf der Kanzel noch im persönlichen Umgang nahm Johannes ein Blatt vor den Mund, vielmehr nannte er auch die unschönen Dinge mit dem vollen Namen. Weil aber manche Menschen die Wahrheit nicht vertragen können, musste der aufrechte Prediger allerlei Abenteuer bestehen. So hatte er beispielsweise einmal liederlichen Frauen scharf ins Gewissen geredet. Die Hexen taten sich nachher zusammen und warfen mit Steinen nach dem Heiligen.

 

Ein anderes Mal erkühnte sich Johannes, einem hohen Herrn, dem Herzog von Alba, klipp und klar ins Gesicht zu sagen, er solle in Zukunft die leibeigenen Bauern milder und christlicher behandeln, und als ihn auf die Rede hin der Gescholtene bedrohte, antwortete ihm der Heilige, er könne nicht anders sprechen, als er getan habe, selbst wenn er seine Worte mit dem Leben bezahlen müsse. Darauf entfernte sich Johannes, und der erboste Herzog schickte ihm zwei berittene Diener nach, die ihn erst verprügeln und dann umbringen sollten. Die beiden ritten los, aber als sie sich dem Verfolgten bis auf zehn Schritte genähert hatten, blieben die Pferde wie angewurzelt stehen, so dass sich Johannes in Sicherheit bringen konnte.

 

Besondere Mühe gab sich Johannes, wenn es galt, Streitende miteinander zu versöhnen. Auf diese segensvolle Tätigkeit des Heiligen spielt das Gebet der Kirche an und spricht sogar von einer wunderbaren Gnade, die ihn als Friedensstifter zierte. Es ist nämlich durchaus nicht leicht, erhitzte Gemüter zu beruhigen. Derjenige, der sich vermittelnd zwischen zwei Streithähne stellt, hat nicht selten beide gegen sich. Da muss man schon ein feines Gefühl haben und außerdem den Mut aufbringen können, Kränkungen einzustecken. Johannes besaß beide Eigenschaften, einen feinen Takt und genügend Geduld, um eine Beleidigung nicht übelzunehmen. Deswegen gelang es ihm auch in den schwierigsten Fällen, den gestörten Frieden wiederherzustellen.

 

Auch darin glich Johannes dem Namenspatron, dass er ein abgetötetes Leben führte, reich an Buße und Kasteiungen. Oft ging er zur heiligen Beichte, und als man ihn fragte, warum er das tue, gab er zur Antwort: „Der Mensch ist keine Stunde sicher vor dem Tod, und ich will daher auch immer zum Sterben bereit sein.“ So sagte er, und niemand kann ihm die Wahrheit der Behauptung abstreiten, denn „der schnellste Reiter ist der Tod, er reitet schneller als das Morgenrot“.

 

Johannes war noch nicht fünfzig Jahre alt, als sich der Tod bei ihm einfand. Es war ein glorreicher Tod, von der gleichen Art, wie ihn sein Namenspatron erlitt, denn wie der heilige Johannes Baptist auf die Anstiftung einer liederlichen Frau hin enthauptet wurde, so endete Johannes durch Gift, das ihm eine böse Frau aus Rache ungesehen unter das Essen mengte. So ist der Heilige ein ehrenvolles Opfer seiner Priesterpflicht geworden. Es war ein schöner und verdienstreicher Tod.