Der heilige Johannes Baptist de la Salle, Priester und Ordensstifter von Frankreich, + 7.4.1719 - Fest: 15. Mai

 

Früher, vor dreihundertundfünfzig Jahren etwa, gab es wohl schon Schulen, aber wenige und bloß in den großen Städten. Weil die Lehrer in diesen Schulen im Gegensatz zu heute von den einzelnen Schülern ein hohes Schulgeld forderten, konnten nur die reichen Kinder am Unterricht teilnehmen. Den armen Kindern dagegen blieben die Türen zu den Schulzimmern verschlossen. Dass sich diese Zustände zum lebenslänglichen Nachteil der Ärmeren auswirken mussten, liegt auf der Hand; denn Wissen ist Macht, dachten die Reichen, und darum taten sie vielfach auch alles, was sie konnten, um die Armen in der Unwissenheit zu erhalten. Dumme Leute kann man nämlich leichter ausbeuten als gescheite.

 

Um diese Missstände abzustellen, haben zwei katholische Priester, die beide von der Kirche als Heilige verehrt werden, die ersten Armenschulen mit unentgeltlichem Unterricht gegründet, Joseph von Calasanza in Italien und Johannes Baptist de La Salle in Frankreich.

 

Am 30. April 1651 wurde Johann Baptist de La Salle, der Sohn eines adeligen hohen Staatsbeamten, geboren und mit siebenundzwanzig Jahren erhielt er die heilige Priesterweihe. Und bald darauf glaubte er sich von Gott berufen, „die Armen in der christlichen Lehre zu unterrichten und die jungen Leute auf dem Weg zur Wahrheit zu festigen“.

 

Daher gründete Johannes Baptist de La Salle zu Reims die ersten Freischulen. Gleich von Anfang an kamen viele Kinder. Es war ein Glück, dass sich neben den Schülern auch gutgesinnte Männer einfanden, die den Unterricht unter sich aufteilten und die sich später zu einem religiösen Orden vereinigten, zum Orden der Schulbrüder, der im Dienst der Kinder und Jugendlichen Unvergängliches leistete und immer noch leistet.

 

Der heilige Johannes Baptist de La Salle ist also dadurch für alle Zeiten ein großer Wohltäter der kleinen Leute geworden, dass er auch den Armen den Besuch der Schule ermöglichte. Doch die Kinder verdanken ihm noch mehr; denn er war es auch, der den Schülern den Unterricht um vieles leichter gemacht hat. Früher hatten es die Kinder in der Schule nämlich noch erheblich schwerer, als sie es heute haben.

 

Es war so, dass man gleich nach der Aufnahme in die Schule zuerst einige Wochen Latein lernen musste, und dann redeten die Lehrer nur noch Latein, fragten lateinisch ab, und die Schüler mussten auf Latein antworten. Da konnte man eben nur schwer mitkommen. Wie dankbar sollten daher die Kinder dem heiligen Johannes Baptist de La Salle sein, der als erster die Muttersprache im Unterricht einführte. Dadurch ist das Lernen sicher um vieles leichter und erfolgreicher geworden.

 

Der heilige Johannes Baptist de La Salle war es aber auch, der als erster den Kindern gute und tüchtige Lehrerinnen und Lehrer besorgt hat. Vorher war es mit den Lehrern schon so eine Sache. An eine besondere Ausbildung für den Lehrberuf dachte noch niemand. Lehrer wurde, wer sonst nichts werden konnte. Der Lehrerstand galt vielfach als die letzte Zuflucht arbeitsscheuer Menschen, die selbst kaum schreiben und lesen konnten. Weil diese unwissenden Lehrer selbst nicht viel wussten, konnten sie den Schülern auch nur wenig beibringen. Da hat der heilige Johannes Baptist de La Salle wieder durchgegriffen und hat als erster Lehrerschulen gegründet, in denen die Lehrerinnen und Lehrer erst selbst einmal fleißig studieren mussten und eine gute Ausbildung für den Lehrberuf erhielten. So ist es gekommen, dass heutzutage die Lehrerinnen und Lehrer sehr klug sind und deshalb auch aus Schülern kluge Leute machen können, allerdings nur dann, wenn die Schüler auch fleißig sind. Das ist die Voraussetzung.

 

Der heilige Johannes Baptist de La Salle, der am 7. April 1719 gestorben ist und den Papst Pius XII. im Jahr 1950 zum Patron aller Lehrerinnen und Lehrer erklärt hat, war also ein gottbegnadeter Schulmann, dem heute noch alle Kinder zu großem Dank verpflichtet sind.