Der selige Johann Forest, Franziskaner-Priester und Märtyrer in England, + 22.5.1538 – Festtag: 22. Mai

 

Unter allen Blutzeugen, die unter dem abtrünnigen König Heinrich VIII. in England für den katholischen Glauben starben, erlitt dieser Selige die grausamste Todesart. Vater Forest wurde zusammen mit dreiundfünfzig anderen englischen Märtyrern am 9. Dezember 1886 von Papst Leo XIII. seliggesprochen.

 

Johannes Forest war mit siebzehn Jahren in den Franziskanerorden getreten, hatte als Mönch in Oxford seine Studien gemacht und erscheint später als angesehener Prediger bei der berühmten Londoner Kirche St. Pauls Kreuz. Eine Zeitlang war er Quardian des Klosters der strengeren Regel zu Greenwich und Beichtvater der Königin Katharina. Auch beim König muss er in hohem Ansehen gestanden haben. Denn als dieser 1532 den Franziskanerobservanten heftig zürnte, weil zwei von ihnen in seiner Gegenwart sich erkühnten gegen die Ratgeber des Königs und seinen unchristlichen Ehehandel zu predigen, da gelang es Forest durch persönliche Einwirkung auf Heinrich die bereits beschlossene Unterdrückung der Observantenklöster noch einmal hintanzuhalten. Doch gab es in seinem eigenen Kloster feindselig Gesinnte, die an den gewissenlosen Ratgeber des Königs Cromwell fleißig über Forest berichteten. So fiel auch er in Ungnade. Als dann Heinrich VIII. 1534 seinen Bruch mit Rom vollendete, da mussten die Franziskanerobservanten, die als der einzige Orden von Anfang an mit Mut und Entschiedenheit für die Rechte des Papstes und der Königin eingetreten waren und deren begeisterter Lobredner früher der König selbst gewesen war, seine Rache kosten. Die Mönche wurden durch königliche Visitatoren auf alle Weise drangsaliert und sämtliche sieben Observantenklöster im August 1534 aufgehoben. Der selige Johann Forest kam in längere Haft, ob in einem Kloster oder staatlichen Gefängnis ist ungewiss. Gefasst sah er dem Äußersten entgegen. In einem Brief ermuntert die Königin Katharina ihren ehemaligen Beichtvater, sich der kurzen Qual mit Mut und Freude zu unterziehen. Der Gefangene drückt in seiner Antwort die Sehnsucht aus, bei Christus sein zu können. Indessen finden wir den seligen Bekenner zu Anfang 1538 wieder in Freiheit und friedlich im Kloster der Minoriten zu London leben, treu seiner Regel und unverdrossen tätig in der Seelsorge. Dass er sich diese Freiheit dadurch erwirkt haben soll, dass er sich, wie so viele andere Ordensleute und Prälaten, zum Eid auf die Erbnachfolge der Elisabeth in der Regierung und auf die geistliche Suprematie (Oberherrschaft) des Königs verstanden habe, ist weder glaubhaft noch erwiesen. Selbst ein anglikanischer Geschichtsschreiber weist auf die Unwahrscheinlichkeit hin, dass er, der einstige Provinzial, eines der hervorragendsten Mitglieder des Klosters von Greenwich, dessen Mönche alle sich 1534 so standhaft erwiesen haben, als der einzige sich dem Eid gefügt hätte. Im Verlauf von 1538 erlagen allein 32 Franziskaner den Leiden des Kerkers. Man wird Johann Forest wohl, nach anfänglich strenger Haft, freie Bewegung im Londoner Minoritenkloster, dessen Vorsteher ganz im Dienst der Regierung stand, unter der Bedingung gegeben haben, dass er sich den äußeren Verhältnissen füge. Diese stillschweigende Anerkennung könnte Forest selbst im Auge gehabt haben, wenn er später beim Verhör ausgesagt haben soll, dass er „den Bischof von Rom in seinem äußeren, nicht aber in seinem inneren Menschen verleugnete“. So schwieg Forest nach außen, aber laut predigte sein heiligmäßiger Wandel im katholischen Geist. Was er nicht offen sagen durfte, das Schrieb er ohne Scheu nieder. Er verfasste eine Schrift: „Über die Autorität der Kirche und des Papstes“, worin er den König scharf tadelte, dass er ohne Beruf sich den Titel: „Oberhaupt der Kirche Englands“ angemaßt habe. Noch war die Schrift nicht gedruckt, aber schon hatte Heinrich VIII. davon erfahren. Indessen gab der kluge und musterhafte Ordensmann keine Handhabe zu einer Anklage. Dazu wollte man nun seine seeleneifrige Tätigkeit im Beichtstuhl benützen. Besondere Spione wurden abgerichtet, ihm Gewissensfragen vorzulegen. Einem gelang es endlich, dem Beichtvater eine bestimmte Erklärung darüber zu entlocken, dass der König nicht das geistliche Haupt der Kirche sein könne. Hierüber bestärkte noch der Selige sein vermeintliches Beichtkind durch viele Stellen aus der Schrift.

 

Kurz hernach, Ende März 1538, wurde Forest gefänglich eingezogen und angeklagt, „er habe vielen Untertanen des Königs in geheimer Beicht erklärt, der König sei nicht oberstes Haupt der Kirche“. Seine Kerkerhaft war streng. Aber in allen Verhören weigerte er sich festen und unerschütterlichen Sinnes, auch nur um Haaresbreite von der Lehre der römisch-katholischen Kirche abzuweichen. Lieber wollte er den Tod und die furchtbarsten Qualen erdulden. Wiederholt schickte der König an den noch immer sehr angesehenen Gefangenen und ließ ihm Verzeihung und die höchsten Ehrenstellen anbieten, wenn er von seiner Treue gegen den Papst lassen wollte. Umsonst. Der königliche Tyrann wurde dadurch so erzürnt, dass er sich mit der für Hochverrat gewöhnlichen Todesstrafe nicht zufrieden erklärte, sondern wünschte, Forest dem Feuertod, der Strafe für die Ketzer, zu überliefern. Für den charakterlosen anglikanischen Erzbischof Cranmer, dem der Auftrag zufiel, war es keine schwere Aufgabe, den Franziskaner der Irrlehre, in seinem Sinn, als schuldig zu erweisen. Er legte ihm vier Thesen, theologische Behauptungen, vor, die offenbare katholische Wahrheiten enthielten. Nur eine über die Nachlassung der ewigen Strafe durch die Buße war nicht klar gestellt, durfte darum weder einfach angenommen noch auch verworfen werden. Der siebzigjährige Greis, durch wochenlange schwere Kerkerhaft geschwächt, scheint diesen Satz als unrichtig abgewiesen zu haben. Denn die Gegner triumphierten, Forest habe einen katholischen Glaubenssatz geleugnet, also „seine Irrtümer abgeschworen“. Schon bestimmte man den Tag, wo er in aller Form auf öffentlichem Platz Widerruf seines bisherigen Glaubens leisten sollte. Unterdessen aber hatte der Märtyrer, dem man, wie es scheint, durch Erleichterung der Haft entgegenkommen wollte, Gelegenheit gefunden, sich durch die heiligen Sakramente zu stärken. Mitgefangene Priester wussten Wege und Mittel, heimlich das heilige Messopfer zu feiern. Forest verweigerte ganz entschieden die Abschwörung. Nun wurde er des Rückfalls in die Ketzerei schuldig erklärt.

 

Die Qualen des Scheiterhaufens aber genügten noch nicht. Sie sollten für das arme Opfer noch bitterer, für den gemeinen und vornehmen Pöbel Londons noch würziger gemacht werden. Man stand gerade in der Zeit eines fanatischen Vernichtungswahnes gegen die bisher in England in hoher Verehrung gestandenen Gnadenbilder. Da wurde von einem Kommissär gemeldet, die einfältigen Leute glaubten, ein alter Heiliger von Nordwales, namens David, dessen Bild große volkstümliche Verehrung genoss, besitze die Macht, seine Schützlinge von den Qualen der Hölle zu befreien. Das passte ja vorzüglich zu der Lehre, die man dem verhassten Franziskaner unterschob. Ja von dem großen hölzernen Bildnis des Heiligen ging auch die Prophezeiung, es werde dereinst einen ganzen Wald verbrennen (Wald heißt auf englisch forest). Nur der Weissagung musste man doch zur Erfüllung verhelfen und den Forest mit dem Holz des walesischen Gnadenbildes verbrennen. Ein anglikanischer Kirchengeschichtsschreiber mein sogar, der nichtswürdige Cromwell habe von Anfang an den Prozess des ehrwürdigen Ordensmannes nach dieser Richtung geleitet. Die Gottlosen trieben mit dem Ernstesten und Heiligsten des Menschen, mit seinem Tod und seinem Glauben, ihren Spaß und Spott. Ganz London eilte am 22. Mai 1538 auf das Schmiedfeld hinaus. Cromwell selbst, der Lordmayor (Bürgermeister), Herzöge und Lords waren zugegen. Wie zu einem Faschingsspiel hatte man Vorbereitungen getroffen. Der hohe Galgen war mit Spottversen in großen Buchstaben geziert. Die von ihm herabhängenden Ketten mit Ringen waren bestimmt, das arme Opfer um die Mitte des Leibes und unter den Armen zu umschließen und so über dem Feuer in Schwebe zu halten. Der Abtrünnling Latimer, häretischer Bischof von Worcester, hielt eine Donnerrede gegen den Papst. Am Schluss fragte er den vor ihm stehenden Märtyrer, ob er leben oder sterben wolle. „Ich will sterben,“ antwortete mutig der Selige, „lasst euren Grimm an mir aus! Vor sieben Jahre hättet ihr um euer Leben keine solchen Reden zu predigen gewagt wie jetzt. Und wenn ein Engel vom Himmel herabkäme und mich eine andere Lehre lehrte als jene, die ich als Kind gelernt habe, so würde ich ihm nicht glauben. Nehmt mich, schneidet mich in Stücke, Glied für Glied, brennt mich, hängt mich, tut, was ihr wollt! Ich will von nun an meinem Glauben treu bleiben.“ Weiter ließ man ihn nicht reden. Er wurde in die Ringe geschlossen. Das unter ihm knisternde Feuer wurde mit den Spänen des Heiligenbildes zu heller Glut angefacht. In namenlosem Schmerz bäumte sich der Blutzeuge Christi unwillkürlich auf und suchte, sich an den Ketten emporhebend, dem Feuer zu entrinnen. Aber kein Wort um Gnade an seine Henker, kein Wort der Verleugnung, das man so gern gehört hätte, kam von seinen Lippen. Nur das Gebet: „Im Schatten deiner Fittiche werde ich hoffen, bis die Bosheit vorübergeht“ (Ps 56) hörte man ihn oftmals flüstern. Länger als eine halbe Stunde dauerte die entsetzliche Todesqual. Endlich erlag der Leib im Tod und der Selige schwang sich zu Gott empor, als würdiger Genosse der größten Märtyrer aus den ersten christlichen Zeiten.

 

Auch die Märtyrer hatten mit der menschlichen Schwäche zu ringen, erlagen ihr sogar bisweilen, auch sie spürten die ganze bittere Qual des Todes. Sie fanden aber die himmlische Kraft der Beharrlichkeit in dem, zu dem sie riefen: „Erbarme dich meiner, o Gott, denn auf dich verlasse ich mich. Auf deiner Flügel Schatten hege ich Zuversicht, bis die Gefahr vorüber ist. Zu Gott, dem Höchsten, rufe ich, zu Gott, meinem Wohltäter. Er sandte mir Hilfe vom Himmel und übergab meine Verfolger der Schmach.“ (Ps 56,2-4)